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Der Israelit · 1901-06-20 · Heft 48 (20.6.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 48 (20.6.1901)
Date
1901-06-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1666 ineil er durch jene Zeile dieser blutigen Geschichtstafel sein jüdisches Selbstbewußtsein wieder finden muß. Wie aber auch mit der ihm eigenen, feinfühligen Seele, mit dem furchtbaren Ernste lauterster Wahrheit Reinach, nein — frei von allem Subjektivismus, die Geschichte selbst uns hier naht, und den schweren Vorhang hinwegzieht vor dem Dunkel der „Affäre," — als Lebrmeisterin für uns, uns Juden! Werdet wieder „Juden," kündet sie den Führern und den Masten des jüdischen Volkes. Aber keine Halbheiten, nicht lose aneinander gekittet durch Kunstworte und -Mittel, wie durch ein chauvinistisches Nationaljudenthum, das feige seine Aufgabe inmitten der Völker bei ein paar Stürmen verläßt, — nicht geeint durch das so bequeme, aber ebenso feige, wie friedliche Wohlthätigkeitsjudenthum, das dem jüdischen Proletariat durch ein paar systematisch gesammelte, hingeworfene Batzen sittliche Hebung — statt Judenthum beibringen ivill, wohl eine Judenheit für die leidenden Armen, aber nicht für die reichen Leidenden unter uns. Alles dies ist nichts als ein Flickjudenthum, das in tausend Fetzen beim leisesten Windhauch zerstiebt und von Freund und Feind in seiner Hohlheit erkannt ist. „Werdet wieder Inden!" kündet sie, aber nur durch das unverwelkliche Judenthum, das Euch einst einig als frei denkende Menschen, wenn auch vaterlandslose — wenn auch isolirt von allen Nationen in Anschauung und Gesinnung — am Sinai gesehen, als ihr aus der Thora Quell durstig tränket und es zum zweiten Male Licht ward. Es werde Licht! Das kündet Reinach's und Dreyfus' Buch uns! Dr. M. M. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, im Juni. Die von der Kommission zur Beschränkung der Wanderbettelei auf den 9. Juni nach dem Logenhause, Wilhelmstraße 118, berufene Versammlung zur Begründung eines „Vereins zum Betriebe der jüdischen Arbeiterkolonie in Weißensee" bei Berlin war von ca. dreißig Theilnehmern aus Berlin und von auswärts besucht. Professor P b i l i p p s o n entwarf nach einer kurzen Begrüßung der Erschienenen ein Bild von dem auf dem Gebiete des Fremdenunterstlltzungswesens herrschenden Mißständen, die zur Einsetzung der Kommission und zur Begründung der Arbeiterkolonie geführt haben. Die Bedllrfnißfrage wird durch Anführung der namentlich bei der Armenkommission der Berliner Gemeinde, dem Berliner Bureau für Arbeitsnachweis und bei der Fürsorgekommission für entlassene Strafgefangene täglich vorliegender Fälle dargethan, in denen es unmöglich ist, arbeitsfähige und arbeitswillige Bittsteller anders, als durch Geioährung eines Almosens und durch Weitersenden zu unterstützen. Er gibt eine knapvc Schilderung der zweckmäßigen Einrichtung der Bauten, deren Pläne vorher den Interessenten durch Maurermeister Adler vorgefllhrt werden. Die Bedeutung der Arbeiterkolonie gegenüber den so zahlreichen jüdischen Wohlthätigkeitsinstituten besteht darin daß sic nicht für die Linderung einer Einzelform der Nothlage bestimmt ist, sondern vorbeugend wirkt. Den wohlthätigen Eharalter haben die Staatsbehörden durch jede mögliche Förderung des Unternehmens, insbesondere durch Anerkennung der Arbeiterkolonie als milde Stiftung, gewürdigt. Die Begründung eines besonderen Vereins zum Betriebe der Arbeiterkolonie sei dadurch geboten, daß der „D.-J. G.-B." für sich nicht über die Mittel des aus ca. 10,000 Mark jährlich berechneten Instituts verfügt, andererseits sichern ihm die zur Annahme vorgeschlagenen Statuten denjenigen Einfluß, den es der den Staatsbehörden und der „I. C. A." gegenüberliegenden Körperschaft besitzen muß. Er töricht zum Schluß die Hoffnung aus, daß im erhofften Falle des Gelingens das Berliner Beispiel Nachahmung finden wird. Herr N o s e n st i e l bespricht die Erfolge, die von christlicher Seite auf dem Gebiete der Arbeiterkolonie in 52 Anstalten erzielt worden sind und schildert namentlich den Betneb der Berliner Arbeiterkolonie in der Reimckendorferstraße. Er legt eine Anzahl Fabrikate vor, deren Herstellung auch von ungeschulten Arbeitern in wenigen Stunden erlernt worden ist. Sodann bespricht er den Zweck des mit der Arbeiterkolonie verbundenen Asyls, das durch Einwirkung im Sinne einer zweckmäßigen Dirigirung der Emigranten segensreich wirken solle. Außerdem sprachen noch die Herren H a l l g a r - ten, Tuch, Dr. Eschelbacher, Sachs, Adler und Dr. P. N a t h a n meist zustimmend zur Sache. Die von so vielen Sachverständigen durchberachenen Statuten empfiehlt letzterer zur Noll-Annahme mit der Maßgabe, daß ein neuer Paragraph 18 hinzugefügt werde, der zur Vornahme etwaiger kleiner sich als notbwendig berausstellender Statutenänderungen eine Kommission vorsieht. Nachdem der Vorsitzende die als Vertreter von Korporationen anwesenden Herren darüber beruhigt hat, daß ste durch ihre Zustimmung ihre Korporation nicht verbinden, gelangen die Statuten zur einstimmigen Annabme. Damit ist der „Verein zum Betrieb der Arbeiterkolonie und Asyl" in Weißensee begründet. Eine vom Vorsitzenden verlesenen Liste von zwölf Vorstandsmitgliedern, die gemäß $ 3 der Statuten auch Mitglieder des Ausschusses des „D.-J. G.-B." umfaßt und folgende Namen enthält: Prof. Dr. Philippson, Rentier Eng. Nosenstiel, Marcus Adler, Dr. Paul Nathan, Rechtsanwalt Dr. Landau, Fabrikant Moritz Rosenow, Theodor Lustig, Louis Sachs, Rechtsanwalt

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