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Der Israelit · 1901-06-20 · Heft 48 (20.6.1901) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 48 (20.6.1901)
Date
1901-06-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1063 Ziel ihres Strebens cws: t ay bz fr,' *s\ Allein der Weg, welchen diese Rabbiner einschlagen, ist sicher nicht der richtige. Es ist wohl nicht zu zweifeln, daß so manche ganz treue, ehrliche Jehudim sind. Sie glauben aber, es wäre nicht opportun, ihre treue, jüdische Gesinnung -- oder, wie wir es jetzt allgemein nennen, ihre Orthodoxie — offen zu betonen. Sie sind in der Meinung befangen, der Name orthodox wirke im Elsas;, wie ein Schreckgespenst, und sobald man als „orthodoxer Rabbiner" auftrete, würde man gar keinen Einfluß aut die Gemeinden im Elsaß gewinnen. Man müsse c*ar wb, nach Austen als gemäßigt erscheinen und seine Orthodoxie" im stillen Kämmerchen des Herzens verbergen, um die Gemeinden nicht von sich abzustoßen. Die Thatsachen bezeugen aber, daß auf diese Weise die Jehudim im Elsaß zu niedrig eingeschätzt werden. Herr Rabbiner Dr. Bamberger hatte vom ersten Tage seiner Wirksamkett in Wort und That nicht nur gesprochen kt "jk a^x na' *a:x m-x, sondern immer offen erklärt, dast er ein orthodoxer Rabbiner sei und wo wahre orthodoxe Interessen vertreten wurden, ließ er gerne auch seinen Namen dabei nennen, *rci inSnn bv rrria Jetzt beim Abschiede zeigte es sich offenkundig, daß man auch in elsässischen Gemeinden das offene Eintreten für die Orthodoxie zu würdigen versteht und ihm die Anerkennung nicht versagt. Es ist aber selbstverständlich, daß das Kämpfen für die Thora nicht mit Kampf und Streit um die persönlichen Interessen vermengt werden darf. Herr Rabbiner Dr. Bamberger hatte es auch in richtiger Weise verstanden, lest und unerschütterlich dazullehen, wenn es galt, für Thora und Mizwoh einzustehen, und friedfertig und nachgiebig zu sein, wenn es sich um seine eigene Person handelte. Weit über den Kreis seines Rabbinats hinaus wurden ihm daher auch als 'Aw' ras x thalsächliche Beweise der Liebe und Verehrung entgegengebracht. Möge er auch in seinem neuen Wirkungskreise diese Liebe und Verehrung in reichem Maße finden. B. O e st e r r. - U n g . Monarchie. Wien, im Juni. In feierlicher Weise rnurde am 9. Juni die Schlußsteinlegung an dem aus Anlaß des fünfzigjährigen Regiernngsjubiläums des Kaisers errichteten ..Siechenhause" der israelitischen Kultusgemeinde im 9. Bezirk, Seegasse Nr. 9, vorgenoinmen. Das Gebäude war festlich geschmückt. Im Bestiluile des stattlichen Gebäudes sind Marmorplatten angebracht, deren Inschrift an das Jubiläum des Monarchen und an die Griinder und Stifter, sowie an den Erbauer Baurath W. Stiaßnn erinnert. Die schöne Feier wurde im aroßen Festsaale des Institutes abgehalten. Ein Festaesang leitete die Feier ein, worauf kaiserlicher Rath Klinger die Festgäße begrüßte und in langer, schwungvoller Rede eine Darstellung der Entstehung des Hauses gab, wobei er aller Förderer, insbesondere der Baronin Clara Hirsch gedachte. Redner hob ferner die hingebungsvolle Arbeit seines Collegen im Vorstande, des Baurathes Stiaßnh, der Arbeiter und aller Werkleute hervor und dankte den Mitgliedern des Damenkomitees, besonders der Vorsteherin desselben, Frau Jda Diamant. Kaiser!. Rath Klinger schloß seine Rede mit einem Hoch aus den Kaiser. Hierauf verlas Baurath Stiaßny die Schlußsteinurkunde und es folgte die Ceremonie der Schlußsteinlegnng. Der Erbauer ergriff nun das Wort, um Allen zu danken, die ihm helfend zur Seite gestanden. Sodann gaben alle Anwesenden die drei üblichen Hammerschläge, woraus Rabbiner Dr. Güdemann die Festrede hielt und den Schutz und Segen Gottes für das menschenfreundliche Werk anries. Nach Absingung des 118. Psalms durch das vom Oberkantor Bela Gutnmnn geleitete Ehorverlonal wurde die Bolkshymne intonirt. Damit schloß die schöne Feier. Nng.-Ostra. Die hiesige israelitische Gemeinde wollte seit Jahren eine neue deutsche Schule errichten, deren -Kosten durch Sammlungen aufgebracht werden sollten. Dieser mühsame Weg wurde der Gemeinde dadurch erspart, daß Hofrath S. Ritter v. Hahn und seine Gemahlin in Wien zum Andenken an ihren verstorbenen Sohn die Kosten des Baues in der Höhe von 20,000 Kronen selbst zu tragen sich verpflichteten. Durch diese edle Spende wurde es der Gemeinde ermöglicht. die Einweihung dieser Schule schon am 3. Juni d. M. zu begehen. An dein Baue wurde eine Gedenktafel zu Ehren bcr Spender angebracht. Frankreich. Vrtritf, 10. Juni. (A l g i e r d e b a t t e.) Da der Abgeordnete Drumont nach der Verhängung der Censur die Rednertribüne nicht freiwillig verläßt, wird die Sitzung suspendirt und werden die Gallerien geleert. Drumont wurde dann durch den Kommandanten der Palastwache aus dem Sitzungssaale geleitet, ivobei er ein Hoch auf die Armee ausbrachte. Er ist für fünfzehn Sitzungen ausgeschlossen. In den Wandelgängen der Kammer macht der Zwischenfall nur wenig Eindruck, weil Drumont seine Ausweisung gewünscht zu hoben scheint, um der ihm unangenehmen Debatte aus dem Wege zu gehen. Rach Wiederaufnahme der Sitzung ergreift Waldeü-Rousseau dos Wort und geht auf die in Algier stattgehabten Unruhen ein, die gewiß kein gutes Beispiel für die arabische Bevölkerung geliefert hätten. Die Antisemiten beklagen sich über die Gewaltseenen, die sie selbst hervorgerufen haben. Sie haben Räuber- und Diebesbanden gebildet und unterhalten und ans die Gegner losgelassen. Sie haben deßhalb kein Recht, üch über die Strenge des Präfekten und des Staatsanwaltes zu beklagen, die die Ordnung wieder herjtellten. Die Regierung werde den Präfekten Lutand nicht int Stiche lassen, so lange er in Algier noch nöthig sei. Sie werde

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