Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 48 (20.6.1901)
- Date
- 1901-06-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1063 \ Das Kuratorium wurde in seiner bisherigen Zusammensetzung durch Zuruf wiedergewählt, ebenso die Revisoren. Der Voranschlag wurde nach kurzer Diskussion ebenfalls genehmigt. Berlin, im Juni. Herr Hans Behringer, Geschäftsleiter des „Vereins zur Bekämpfung der Tierquälerei", fordert bekanntlich die deutschen Juden auf, eine Erklärung gegen das Schächten zu unterschreiben. Dies Gebühren bezeichnete ein Jude in Berlin, der auch diese freundliche Aufforderung erhielt, in seiner Antwort als „Niederträchtigkeit." Das schmeckte wieder dem Herrn Thierschützler nicht. Er klagte, wurde aber vom Schöffengericht abgewiesen, weil der Angeklagte in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe und nach Paragraph 193 R.-Str.-V. freizusprechen sei. Man möge nur überall das Ansinnen des Herrn Behringer energisch abfertigen. Berlin, 19. Juni. (Zur Schächtfrage.) Eine Rabbinerdeputation wird in Sachen der Schächtfrage beim Minister des Innern, wie beim Kultusminister vorstellig werden. Der Centralausschuß des „Verbandes der Rabbiner Deutschlands" hat in seiner dieser Tage hier abgehaltenen Jahressitzung beschlossen, der gegen das Schächten gerichteten Agitation, welche bekanntlich bereits in mehreren Städten Schächtverbote zur Folge hatte, durch eine Eingabe an das Ministerium entgegenzutreten. Diese Eingabe soll den zuständigen Ministern persönlich durch eine Abordnung überreicht werden, die aus den Rabbinern Dr. Mapbaum und Dr. Eschelbacher-Berlin und Dr. Horwitz-Frankfurt a. M. besteht, der sich auch zwei Vorstandsmitglieder des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" anschließen werden. Ferner beschloß der Ausschuß, den Bestrebungen der Thierschuhvereine, eine Erklärung von Juden selbst gegen die übliche Schächtmethcde herbeizuführen, auf's schärfste entgegenzutreten und die Gemeindeinitglieder durch Massenverbreitung des diesbezüglichen Rundschreibens des Berliner Rabbinats vor Abgabe einer solchen Erklärung zu warnen. Außerdem erklärte sich der Ausschuß noch gegen den neugeschasfenen „Hilfsverband der Israeliten Deutschlands" und lehn.te den Beitritt des Rabbinerverbandes ausdrücklich ab, nachdem sich die meisten Redner gegen den Verband ausgesprochen hatten. König^dorff-Jaftrzcmb. Der Vorstand der hiesigen „Israelitischen Kinderheilstätte" hat die in unmittelbarer Nähe des Kurparkes anmuthsvoll gelegene Billa Bremen käuflich erworben und beabsichtigt, dieselbe den Ansprüchen der modernen Gesundheitspflege entsprechend auszugestalten und zur Erweiterung der Kinderheilstätte zu verwenden. Der Vorsitzende der Anstalt, Herr Dr. M ii n z aus Gleiwitz, hat bereits zu diesem Zwecke mit anderen Herren des Vorstandes die Baulichkeiten persönlich in Augenschein genommen, um die Neueinrichtung und die sonstigen Veränderungen in die rechten Wege zu leiten. Aus dem RabbinatsLezirk Sulz, 26. Siwan. Gestern hat der allverehrte Rabbiner Dr. S. Vam - b e r g e r den Kreis seiner vierjährigen Wirksamkeit verlassen, um einem Rufe als Stiftsrabbiner nach Hamburg Folge zu leisten. Der alte Ausspruch unserer Weisen pnx nx T cspn npij? Bipen p bewahrheitete sich auch hier wieder. Welche Bewegung der Weggang des treuen Führers hervorgerufen, bekundete sich auch nach Außen durch die ehrenden Abschiedsfeierlichkeiten, welche in der Abschiedswoche veranstaltet wurden. Heute vor acht Tagen hielt der Herr Rabbiner seine Abschiedsrede in Hatten. Dort hatte derselbe allwöchentlich die Gemeinde um sich versammelt, um Thora zu lehren. Hierbei war die Synagoge festtäglich geschmückt und die ganze Gemeinde war in Festgewändern erschienen. Bevor der Herr Rabbiner das Podium betrat, überreichte ihm der Vorstand, Herr Anselm Cahn, ein werthvolles Geschenk, um dadurch den innigen Dank der Gemeinde zum Ausdruck zu bringen, wie es dieser auch in einer herzlichen Ansprache hervorhob. Auch die kleine Gemeinde Sarberg ließ es sich nicht nehmen, ein schönes Geschenk mit entsprechender Widmung zu überreichen. In Sulz selbst konnte man am vergangenen Samstag bemerken, wie schmerzlich berührt man von dem Scheiden des Herrn Rabbiners sich fühlt. Bei der Abschiedsrede konnte man selbst Männer beobachten, welche zu Thronen gerührt waren. In treuer Dankbarkeit überreichte die Gemeinde am Abschiedstage ein prächtiges Andenken und alle Frauen und viele Männer gaben Herrn Dr. Bamberger und seiner verehrten Frau noch das Geleite zum Bahnhofe, um dort in herzlichster Weise sich zu verabschieden. Diese Ovationen gereichen Herrn Rabbiner Dr. Bamberger zur großen Ehre. Die Gemeinden ehrten dadurch aber auch sich selbst. Die Ovationen für Rabbiner sind im Elsaß fast gar nicht gekannt und von Abschiedsfeierlichkeiten hatten wir bisher nie etwas vernonimen. Man kann wohl sagen "ch> p nb 7LMB der Rabbiner wird vom Konsistorium der Gemeinde zugeschickt, ohne daß die Gemeinde oft auch nur darum befragt wird, und er wird nach längerer oder kürzerer Zeit loieder auf eine andere Stelle versetzt, ohne daß die Gemeinde den geringsten Einfluß darauf hätte. Ein Rabbiner im Elsaß hat es gar nicht nothwendig, sich im Geringsten um seine Gemeinde zu kümmern. Viele Rabbiner leben auch ganz ruhig für sich und lassen ihre Gemeinden ruhig für sich leben — gut ober schlecht — ganz wie es ihnen beliebt. Es gibt aber auch andere Rabbiner im Elsaß, die ihre Aufgabe erkennen, daß sie dazu berufen sind, ihre Gemeinden zu nniBV nwn zu führen und zu leiten. Diese erkennen mit dem ersten Führer von Israel, wie wir es erst am Sabbat wieder vernommen, als das