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Der Israelit · 1901-06-20 · Heft 48 (20.6.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 48 (20.6.1901)
Date
1901-06-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1061 Geister und Gemüther nicht steigern, sondern mildern und beschwichtigen wollen. Was nun den vorliegenden Fall anbelangt, so erscheint er wirtlich als harmlose Lappalie im Vergleich zu den groben, unqualisicirten Angriffen, die Herr Racke in seiner Rede von unzweifelhaft christlicher Seite gegen die Katholizismus aufzählt. Nichtsdestoweniger benützen wir diesen Anlaß, jede jüdische Hand zu beschwören, die vor der Öffentlichkeit die Feder führt, sich in dem Kampf, der hier vor unseren Augen gekämvft wird, die Reserve aufzuerlegen, die uns durch die Natur der Dinge geboten ist und darüber zu wachen, daß sie sich keiner Taktlosigkeit und auch nicht den Schein einer solchen zu Schulden kommen lasten. Gleichzeitig aber richten wir an die hier in Betracht kommenden christlichen Redner und Zeitungen die ebenso dringende Bitte, die Verletzung ihrer religiösen Gefühle durch religions- und gewissenlose Soldschreiberei nicht auf's Konto der gesammten Judenheit setzen zu wollen. Die Bekenner des historischen Judenthums wollen den Frieden, sie wollen ihn um so inniger, je betrübender die Folgen des mörderischen Kampfes sind, der sich vor unseren Augen vollzieht. Dem Juden stehen die beiderseitigen Kämpfer der zwei christlichen Konfessionen gleich nahe. Cs kann daher nicht im Interesse der Streitenden liegen, den Juden diese ihre durch die Lage der Dinge gebotene wohlwollende Neutralität zu erschweren. Zeitungsnachrichten nnd Eorresponvenzen. Deutschland. Berlin, 15. Juni. Soeben lese ich im „Israelit" die aus Hamburg datirte Notiz von dem na'K der über die Sardinen verhängt wird. Die Sache ist schon alt. Bor Jahren bereits ist mir erzählt worden, daß die Frage pn*?» pnr "i Spector in Kowno Vorgelegen habe. Er hat — wie mir ein -roSn sagte, der es aus seinem Munde gehört hat — aber die guten Sorten echter Sardinen ohne Weiteres für erlaubt erklärt und nur die billigsten Sorten verboten. (Von einem tüchtigen Fachmanne, der auch die rituellen Maaren genau kennt, erfahren wir, daß die drei meist benutzten und bekannten Sardinenmarken nach seiner festen Ueberzeugung nur Olivenöl enthalten. Derselbe bittet uns dagegen, bei dieser Gelegenheit wiederholt darauf ausmerksam zu machen, daß Anschovis vollkommen trefah sind. Red. d. „Jsr.") Berlin, im Juni. Der uns vorliegende fünfte Verwaltungsbericht des Vereins „Lehrlingsheim Pankow" gibt einen erfreulichen Beweis der gedeihlichen sozial-reformatorischen Wirksamkeit des Vereinst ..Bedauerlicherweise gestatteten es die mangelnden Mittel nicht, die Aufnahmegesuche der Bewerber in der eingegangenen Zahl zu bewilligen; von 39 Gesuchen konnten nur 16 berücksichtigt werden, und der Prozentsatz der Zurückgewiesenen ist gegen das Vorjahr von 50 auf 60 gestiegen. Die dringende Bitte des Vereins, daß ein Jeder an der Heranbildung eines tüchtigen Handwerkerstandes Interesse hat, dieses durch Stärkung der finanziellen Kräfte des Vereins bethätigen möge, kann deßhalb nicht lebhaft und warm genug befürwortet werden. Bedurfte es iiberhaupt der Anerkennung der Thätigkeit eines derartigen Vereins, so hat diese im vergangenen Jahre das preußische Handelsministerium gegeben, welches dem in den Großstädten wohnhaften Handwerkerstände die Begründung von privaten Anstalten empfahl, in welchen die Handwerkslehrlinge dauernd in Pflege und Beaufsichtigung genommen werden können und welche besser als jedwede Staatshilfe geeignet seien, einen tüchtigen Handwerkerstand heranzubilden. Gemeinsam mit den Lehrmeistern der Anstalt sucht das Lehrlingsheim Pankow, um dem Handwerkerstand die geachtete Stellung, die er sich in vergangenen Zeiten erworben, und die ihm zukommende Bedeutung zu wahren, die Lehrlinge in ihrem Berufe sowohl, als auch in Bezug auf sittliche und die in den Fortbildungsschulen geförderte Erziehung zu Fleiß und ernstem Streben anzuspornen. Im Berichtsjahre haben sechs Zöglinge nach beendeter Lehrzeit das Heim verlassen; die in früheren Jahren entlassenen Zöglinge haben sich auf's Beste in den von ihnen gewählten Berufen bewährt; unter Anderen ist ein in London thätiger Maler für seine Leistungen mit einer Medaille und einer öffentlichen Belobigung ausgezeichnet worden und hat eine Freistelle in einer Malfchule für vier Semester erhalten. Die löbliche Institution des Vereins, für seine Zöglinge Sparkassenbücher anzulegen, hat thatträftige Unterstützung erfahren, sodaß das Gesammtguthaben nunmehr 1542 Mk. beträgt. Die Behörden haben dem Verein ihr bisheriges Wohlwollen erhalten, so die Gemeindebehörde zu Pankow, der Magistrat zu Berlin, der den Zöglingen außer in der ersten Handwerker- und dritten städtischen Fortbildungsschule nunmehr auch an der zweiten städtischen Fortbildungsschule Freistellen gewährt, und die Verwaltung des jüdischen Krankenhauses, welche kranken Zöglingen Aufnahme und ärztliche Behandlung bewilligte. Der Rechnungsabschluß schließt in Einnahme und Ausgabe mit ca. 52,937 Mk. ab, der Voranschlag des Etats für 1901--1902 ist bei einem Bestände von 40—45 Zöglingen auf rund 25,000 Mk. berechnet. Ein erfreuliches Wachsthum zeigt die Zahl ver Mitglieder des Vereins, der im Gründungsjahre 1896 nur 327 Mitglieder zählte und in den fünf Jahren seines Bestehens um mehr als das Doppelte, bis aus 735 Mitglieder, gewachsen ist. — Die Generalversammlung nahm unter Leitung des Kommerzienrathes Loewe einen schnellen Verlauf.

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