Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 47 (17.6.1901)
- Date
- 1901-06-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1063 ten Jahrzehnt seines Lebens gönnte er sich Ruhe, weil ihn das Alter hierzu nöthigte. Als Künstler gehörte er der klastischen, oder wie die Modernen von heute sie nennen, der „alten Schule" an; in dem von ihm gevflegten Genre aber hat Engel seinerzeit viel Schönes unb^utes geschaffen. Nach mancherlei künstlerischen Erfolgen, die er im Auslande gefeiert, kehrte Engel in sein Vaterland heim. Er ließ sich in der Hauptstadt bleibend nieder und hier ist er sanft in's Jenseits hinübergeschlummert. Budapest, im Juni. Der Gutsbesitzer und Präsident des hiesigen „Heiligen Vereines" (Chewra-Kadischa), Moses Ehrlich, eines der geachtetsten Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde, ist am 29. Mai nach kurzem Leiden im 73. Lebensjahre gestorben. Noch vor acht Tagen hatte er der Generalversammlung der Chewra-Kadischa vräsidirt; Tags daraus erlitt er einen Schlaganfall, dem er nun erlegen ist. Ehrlich, der sich in allen Kreisen wohlverdienter Sympathien erfreute, bat besonders aus dem Gebiete der Wohlthätigkeit eine umsaffende Thätigkeit entfaltet. In der Traueranzeige, welche die Ehewra-Kadischa aus diesem Anlässe ausgegeben, heißt es u. A.: „In dem Verewigten verlor unsere „Chewra-Kadischa" einen hingebungsvollen, begeisterten Führer, unser Wohlthätigleitswesen eine hochherzige Stütze, unsere konfessionellen Bestrebungen einen allezeit opferwilligen Förderer." Ehrlich war Virilist des Comitats Jaß-Nagykun- Szolnok und hatte vor vier Jahren, nach dem Ableben .Karl Reiß', die Stelle eines Präsidenten des „Heiligen Vereines" angenommen, die er mit hingebungsvollem Eifer versah. Brünn, 11 Juni. Gestern empfing Se. Majestät der Kaiser bei den allgemeinen Audienzen die aus der Präsidentin des „Kaiser Franz Joseph-Ferienheim in Tischnowitz", Frau Sophie G r ü n s e l d , und den Herren kaiserlichen Rathen N. S ch e f f t e l und Joh. L i ch t e n st a d t bestehende Deputation des „Ferienheim." Frau Grünfeld dankte dafür, daß der Monarch gestattet habe, daß das aus Anlaß des Regierungs- Jubiläums des Monarchen neugegründete Ferienhaus in Tischnowitz den Namen: Kaiser Franz Joseph- Ferienheim führe, und fügte hinzu, daß am 16. d. die feierliche Einweihung dieses Hauses stattsinden werde. Der Kaiser nahm mit Wohlgefallen die Mittheilung entgegen, daß schon mehr als 3000 Kinder versorgt worden sind, und daß die kranken Kinder nach Bädern wie Darkau und Hall gesendet werden. Die Einweihungsrede wird Rabb. Dr. David Feuchtwang halten. Prag, 16. Juni. (Audienz beim Kaiser.) Als Vertreter der „Israelitischen Kultusgemeinde in Prag" wurden der Präses der Kultusgemeinde-Repräsentanz Dr. Arnold Rosenbacher - Dr. Ludwig Bendiener, Präsesstellvertreter, und Se. Ehrw. Oberrabbiner Dr. Nathan Ehrenfeld empfangen. Bor dem Empfange wurde über Anfrage des Dr. Rosenbacher von dem Hofkommiffär erklärt, daß der Oberrabbiner mit den beiden Vertretern der Kultusgemeinde unbedeckten Hauptes einzutreten haben, aber dann sofort ohne Anfrage das Haupt bedecken. Der Oberrabbiner, der im Ornate erschienen war, sprach den hebräischen Segenssprvch und fügte den deutschen hinzu: „Des Himmels reichster Segen ströme auf das geweihte Haupt Eurer Majestät, Amen!" Der Kaiser verneigte sich huldvollst und dankte, worauf er sich an Dr. Rosenbacher mit der Frage wandte: „Sie sind Vorsteher der Gemeinde?" Dr. Rosenbache'-: „Zu Befehl, Majestät, seit 12 Jahren; ich hatte schon vor zehn Jahren das Glück, Eurer Majestät die Huldigung unserer Gemeinde zu unterbreiten." Der Kaiser: „Ja, ich weiß, es ist sehr verdienstlich, daß Sie das Ami so lange führen. Die Gemeinde hat sich wohl sehr vergrößert?" Dr. Rosenbacher: „Nach der letzten Volkszählung zählte Prag 19,000 und die Vororte 8060 Juden, sämmtlich treue Unterthanen Eurer Majestät." Der Kaiser erwiederte huldvollst: „Das weiß ich, ich weiß, daß Ich mich auf sie verlaßen kann." Sodann fragte der Monarch Se. Ehrw. den Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld: „Es sind wohl mehrere Rabbiner in Prag? Dr. Ehrenfeld: „Zu dienen, vier Rabbiner." Der Kaiser: „Wohl auch mehrere Synagogen?" Dr. Ehrenfeld: „acht große und mehrere kleine, in denen allen sowie in jenen des Landes allsabbatlich für Eure Majestät aus tiefstem Herzen gebetet wird." Der Monarch lächelte gnädigst und fragte weiter: „Es muß sehr viel zu thun sein? Schon das Administrative allein macht sehr viel Arbeit?" Dr. Ehrenfeld: „Es geschieht mit Liebe und Pflichteifer. Dr. Bendiener fragte der Kaiser: „Sie sind auch im Vorstande der Gemeinde?" Dr. Bendiener: „Jawohl, schon seit dreißig Jahren." Der Kaiser: „So lange? Das ist schon sehr lange." Dr. Bendiener: „Ich hatte schon bei wiederholten Gelegenheiten das Glück, Eurer Majestät vorgestellt zu werden, da ich Stadtrath und Stadtverordneter war." Der Kaiser: „Es ist sehr verdienstlich, daß Sie so lange amtiren. Ich danke den Herren." Die Audienz währte ungefähr fünf Minuten. Lngos. Viel besprochen wurde hier eine peinliche Affäre zwischen Rabbiner Dr. Simon Händler und zwei Honved-Offizieren. Der Rabbiner hielt eine Kanzelrede, in welcher er gegen den überhandnehmenden Glaubenswechsel in scharfer Weise in's Feld zog. Er gebrauchte dabei den Passus, „daß man vermöge einer solchen Convertirung noch kein Held werde." Dies gab zwei getauften Honved-Offizieren Veranlaffung, sich beleidigt zu fühlen. Die beiden Offiziere suchten Herrn Rabbiner Dr. Simon Händler auf, um Aufklärung zu verlangen. Dr. Händler erklärte bereitwillig, daß er auf keine Person angespielt und er nur