Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 47 (17.6.1901)
- Date
- 1901-06-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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seine Pflicht als Priester erfüllt, wenn er die Gläubigen zum Festhalten an ihre ursprüngliche Religion ermahnte. Damit war die sonderbare Angelegenheit beigelegt. Rußland. Petersburg. (Israeliten von Rußland.) Rach Artikel 44 des Munizipalgesetzes darf die Zahl der jüdischen Wähler nicht den zehnten Theil der Wähler überschreiten. Ein Dekret, welches in dem „Regierungsöoten" veröffentlicht ist, erklärt, daß die Zahl der Nichtchristlichen Wähler den fünften Theil der Gesammtzabl der Wähler im europäischen Rußland und die Hälfte des Kaukasus erreichen kann. Wenn dieses Gesetz nicht angewandt werden kann, so kann eine Aenderung in dem Wahlmodus sich nur vollziehen durch einen Erlaß des Ministers des Innern. — Die „Nowoja-Wremja" kündigt an, daß die Regierung beschlossen habe, ein seit längerer Zeit in Vorbereitung befindliches Projekt noch nicht anzunehmen, welches die Fleischsteuer, die auf den Juden lastet, abschaffen sollte. Man motiviert den Regierungsbeschluß damit, daß die Abschaffung dieser Steuer einerseits die Hilfsquellen der Städte vermindern und andererseits die Organisationen der jüdischen Wohlthätigkeit beeinflussen würde, die bedeutende Summen für ihre Zwecke aufbringt. Man wird, um das Projekt zur Ausführung zu bringen, eine Generalreform abwarten. Wilna. Die jüdischen Armenwohnungen, welche ini vorigen Jahre mit Hilfe der I. K. A. in Wilna errichtet wurden, und die während des ersten Jahres größtentheils leergestanden haben, beginnen allmählich die Aufmerksamkeit der Interessenten auf sich zu lenken. Für den Aprilumzug sind wiederum neue 35 Wohnungen vermiethet worden, so daß gegenwärtig bereits 110 Wohnungen vermiethet sind. Freilich mußte die Gesellschaft mit den Miethpreisen, namentlich für die Wohnungen im 5. und 6. Stock, wesentlich beruntergehen. Bekanntlich sollen solche billigen und gesunden Wohnungen auch in anderen jüdischen Städten gebaut werden, falls der erste in Wilna gemachte Versuch sich als erfolgreich erweisen sollte. Brasilien. Rio de Janeiro. Die Brasilianer legen immer besonderen Werth darauf, in keiner Weise hinter anderen Kulturvölkern zurückzustehcn, und nachdem sie den Oesterreichern und Schweizern die Italiener-Hetzen und den Nordamerikanern die grausamste Lynchjustiz nachgeahmt haben, werfen sie sich jetzt auf Judenverfolgungen, mit denen im Norden der Republik, im Staate Para, der Anfang gemacht worden ist. In der Stadt Eameta am Tocantinsflusse bewaffnete sich ein Theil der Bevölkerung und drang in die von Juden bewohnten Häuser ein, um dieselben nach Herzenslust zu plündern, und üch besonders an dem in den Läden Vorgefundenen Branntwein etc. zu berauschen. Schließlich wurden sämmtliche Juden, einerlei welchen Geschlechts, auf dem Marktplätze zusamengetrieben, und ohne weitere Umstände zur Stadt hinausexpedirt, um einige Meilen außerhalb oes Stadtbereiches sich selbst und ihren' weiteren ungewissen Schicksale überlassen zu bleiben. In dem Orte selbst wurde dann das Pliinderungs- und Zerstörungswerk lustig fortgesetzt und mit dem Eigentbum der „ausgewiesenen" Juden derartig umgeqangen, daß nicht nur Alles, was nur irgend welchen Werth revräscntirte, spurlos verschwand, sondern auch an den betreffenden Häusern keine Thür und kein Fenster intakt blieb. Drei Wohnstätten von jüdischen Familien wurden in Brand gesteckt. Verschiedene einsichtsvollere Bürger jedoch machten sich schnell an das Löschen dieser Freudenfeuer, weil sonst noch die ganze Stadt eingeäsmert worden wäre. Die Polizei scheint vollständig machtlos oder vielleicht auch nicht gewillt gewesen zu sein, die Ausschreitungen zu verhindern und die jüdischen Familien in Schutz zu nehmen. Was aus den letzteren iibrigens nach ihrer Austreibung geworden ist, hat sich bis jetzt noch nicht aufklären lassen. Die Regierung hat aber strengste Untersuchung des Falles angeordnet, zumal auch in zahlreichen anderen Städten die Juden bedroht sein sollen. > Vermischtes. Rom. Der König von Italien hat einen neuen Orden, den „Orden der Arbeit" gestiftet. Der Erste, der denselben empfing, war der frühere Finanzminister Luigi Luzarti. Berichtigung. Frankfurt a. M. (Eentrale für Schülerferienh e im). Die Adresse des Herrn, der bereit ist, Anmeldungen anzunehmen, lautet, rtäitiggestellt, Dr. med. Js. Hanauer, Zeit 29, Frankfurt a M._ Briefkasten der Redaetivn. Abonnent in Karlsruhe. Die Frage, was das orth. Judenthum gewonnen hat. daß es der Alliance fern geblieben ist, ist eine unrichtig gestellte Wenn uns etwas verboten ist. so kann uns die Aussicht auf Gewinn oder Verlust nicht von dem Verbot dispensieren Sie finden diese Frage im Munde der Verächter des Gottesgesetzes: Maleachi III. 14. u. die Antwort v. 16. ff. — Das orthod. Judenthum hat übrigens immer gewonnen, wenn es seinen Principien treu geblieben ist, diele Treue ist an und für sich ein Gewinnst. Es giebt nun aber Vieles, das uns verboten ist, das aber, nachdem die Uebertretung einmal erfolgte, zur Nutznießung gestattet ist. — Der Umstand, daß eine Vereinigung, wie die in Rede stehende, dem orthod. Juden nicht erlaubt ist, schließt deshalb noch nicht die Berechtigung aus, wenn sie einmal besteht, ihre Beneficien guten Zwecken zuzuwenden. Die Galizische Baron Hirsch-Stiftung ist von ihrem Begründer in der ausgesprochenen Absicht ins Leben gerufen worden, die Jugend dem überlieferten Judenthum ihrer Väter zu entfremden. Von der Verwaltung waren daher gesetzestreue Juden grundsätzlich ausgeschlossen und es lag nicht in ihrer Macht, einen Einfluß auf dieselbe zu gewinnen.