Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 47 (17.6.1901)
- Date
- 1901-06-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1060 danke, jetzt eine Anknüpfung an das zu suchen, was ihm so zentnerschwer aus der Seele lag — „damals — dünkt mich — war ich —" er schaute wie suchend in allen Ecken der Stube umher — „in demselben Hause wie heute-" „Ach, beim alten Wahl?!" rief der Hausherr, „das kann wohl sein!" „Gewiß," fiel Simon hastig ein, „ein älterer Herr war es. Und so gastfreundlich, und so liebenswürdig! Er lebt wohl nicht mehr?" „Er ist schon zehn Jahre todt. So lange etwa, wie ich hier wohne. Seine Schwester, die bei ihm wirthschafteie, überlebte ihn nur wenige Monate und sie vermachte das Häuschen der israelitischen Gemeinde, von der ich es kaufte. Ein einziger Sohn und Erbe des alten Wahl ist verschollen. Man erzählte mir, er sei einst in Unfrieden vom Vater gegangen — nach Amerika — mit einem Ehristenmädel —" „Also todt!" fiel Simon ablenkend ein, „der Alte ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, weil er mir damals nicht nur Essen, sondern auch Wohnung gab. Ich weiß es noch wie heute! Müde und ohne einen Pfennig war ich angekommen. Ich hatte die Nacht auf der Straße bleiben muffen. Das klagte ich ihin. Und ohne Besinnen führte er mich hier hinauf in die Stube dort oben und ließ mich da übernachten, zwei Nächte. So etwas hatte mir noch Niemand gethan —" Stockend und klopfenden Herzens brachte Simon diese erfundene Geschichte vor. Vielleicht — da er ja beute wirklich müde und arm kam — vielleicht, daß er unter diesem theuren Dache bleiben durfte, in diesem geliebten Hause, wo jeder Stein ihn zu grüßen schien! Er hatte sich nicht getäuscht. Seine Rede schien die Frau des Hausherrn gerührt zu haben. Eine Thräne glänzte in ihrem Auge, als ste unvermittelt erwiederte: „Das könnt Ihr heute wieder haben!" „Gewiß!" bekräftigte ihr Gatte, „die Stube steht Euch zur Verfügung. Und wenn Ihr müde seid, könnt Ihr bald hinaufgehen. Ich muß ohnehin jetzt zum Schowuauslernen. Oder wollt Ihr mit mir?" „Ich möchte lieber —" erwiederte Simon zögernd. „Wie Ihr wollt! Ich kann mir denken, daß Ihr Euch nach Ruhe sehnet! Frieda soll das Bett in Ordnung dringen!" wandte er sich dann an seine Frau. Diese gab dem Mädchen die entsprechende Weisung. Es war dein Heimgekehrten eine unbeschreibliche Beruhigung, daß er nun, wo ihm des Vaters Tod zweifellos bezeugt war, wenigstens sein Lager unter dem väterlichen Dache aufschlagen durfte. Die Stube, die ihn aufnahm, kannte er nur zu gut. Beim flackernden Scheine des Kerzenstümpfchens, das man ihm mit herausgegeben hatte, schaute er sich um, wahrhaftig! da waren noch einzelne Möbelstücke aus der alten Zeit: hier der gelbgestrichene einthürige Kleiderschrank, der Lehnsessel mit dem dünnen, schwarzen Lederbezug, und dort, das kleine Bücherregal an der Wand — wie im Traume kam ihm jetzt alles wieder: Da stand einst das dicke Buch, das er als -Knabe mit Vorliebe durchblättert batte, eine alte Naturbeschreibung, deren grellfarbige Vollbilder er mehr als tausendmal voll Entzücken betrachtet hatte. Mit einem Blicke sah er jetzt, daß das Buch fehlte. Aber hier, die Reihe schmaler, brauner Bücher war noch da — des Vaters Machsaurim! (Schluß folgt.) Wochkn-Walenökr Freitag, 21. Juni. 4. Tamus., Sabbar-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Min. Samstag, 22. Juni, 5. Tamus, ‘2 ,mp. Sabbat-Ausgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 9 llhr 40 Min. — Berlin 9 Uhr 37 Min — München 9 Uhr 08 Min. — Hannover 9 Uhr 45 Min. — Stuttgart 9 Uhr 28 Min. — Drag 9 Uhr 15 Min. — Straß bürg 9 Uhr 80 Min. - Posen 9 Uhr 23 Min. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags nnd Donnerstags, jedeSmal tu mindestens zwei Bogen. P eis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich od:r vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Ver Buchhandel verkehrt durch V Af. Stein atfier, Leipzig, Votzplatz — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. 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