Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 47 (17.6.1901)
- Date
- 1901-06-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1048 die die Stimmung des französischen Volkes während des großen Krieges in seltener Treue wiederspiegeln. Von seinen dramatischen Erzeugnissen sind bekannter geworden „les Ouvriers" und „l'Absent." Besonders das erstere, das einen Preis von 6000 Francs seinerzeit davontrug, hat eine sehr warme Aufnahme gefunden. Noch beute zählen die „Ouvriers" zu dem ständigen Repertoir der Eoniedie Francaise. Im israelitischen Zentral-Konsistorium vertrat der Verstorbene seit Jahren Lyon. England. London, im Juni. Der neue Bischof von London, Dr. Winnington-Jngran, hat sich in einer Versammlung des „East-Londonfond für Juden" in begeisterten Worten über die Juden geäußert. Er schätzt die Zahl der russischen Juden im Osten und Nordosten Londons auf 100,000. Alle diese Fremden — so äußerte sich ungefähr der judenfreundliche Bischof — dürften nicht sich selber überlassen bleiben, da ihr Stamm den Christen die Bibel geschenkt hat. Wir sind ihnen auch Genugtuung schuldig für die Mißhandlungen, die sie von Seiten der undankbaren christlichen Welt stets erfahren haben und noch jetzt erfahren. Zahlreiche Juden können durch ihren mustergiltigen Lebenswandel den Christen als leuchtendes Vorbild dienen. Es ist das ein sparsamer und wahrhaft nüchterner Menschenschlag. „Ich habe noch niemals einen Juden trunken gesehen," sagte mir ein alter Policeman aus Whitechapel. Die Juden besitzen auch einen rührenden Familiensinn und eine geradzu bewunderungswerthe Liebe zu ihren Kindern. Rußland. Soroka. (Ernteaussichten in Nordb es s a r a b i e n.) Im hiesigen Kreise fiel im März und April eine reichliche Regenmenge nieder. Die Wintersaaten stehen gut, die Sommersaaten lassen ebenfalls wenig zu wünschen übrig und auch die Baumfrüchte haben von der Kälte sehr wenig gelitten. Aller Voraussicht nach wird die kommende Ernte eine weit günstigere als ihre beiden Vorgängerinnen sein. Im Kreise Orgjejew ist Mitte April ein reichlicher Regen niederaegangen, welcher den Saatenstand günstig beeinflußt hat. In der Ackerbauschule bei Orgjejew stehen die Saaten vorzüglich. Türkei. Konslantinopel. Der bisherige Brigadegeneral Dr. Jacques Nissim Pascha ist zum Divisionsgeneral ernannt worden Er ist der erste Jude im Osmanischen Reich, der diesen hohen militärischen Rang bekleidet. Soweit feine Berufsgeschäfte ihm freie Zeit ließen, hat Nissim Pascha sich eifrig mit der Förderung jüdischer Gemeindeangelegenheiten beschäftigt. In Salonichi ist er mehrfach Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde gewesen, während der letzten beiden Jahre war er Vorsitzender des Vereins „Bikkur Cholim" in Salonichi. (Jsr. Wochenschrift.) 7' , aus Den jüd. Ameuoeretueu und sSr dieselben. (GSmmttiche jüd. Wauderbettelvereine tmo *a]\cn für Durchreisende find gebeten, uns Mittheilungen über Erfahrungen, die sie auf dem Gebiete ihrer Thütigteit machen, zukommen zu taffen.) Fürth, 12. Juni. Samuel Lorge, nennt sich auch L. Cantor, aus Wilna in Rußland, ist ca. 60 Jahre alt und hcll grauen, kurz geschnittenen Vollbart. Trotzdem sich derselbe schon beim Eintritt in unser Büreau äußerst frech benommen hat, glaubte ihm doch der zur Zeit Vorsitzende Mt. 11 und eine Fahrkarte nach Regensburg, welche auch Mk. 3.50 kostet, geben zu sollen. Am Bahnhore hat sich dieser Mensch aber so renitent benommen, er schimpfte in ganz gemeiner Weise über die Juden im Allgemeinen, schrie: „Juden bleiben sie doch und es sei gut, wenn sie alle nach Jerusalem müssen, beleidigte unseren anwesenden Kassier in der flegelhaftesten Weise und stieß zum Schluffe noch solch' antisemitische Reden aus, daß unser Kassier bei den vielen anwesenden Leuten am Sonntag, diesen ungezogenen Menschen stehen ließ. Wir haben dieses Subjekt von ferneren Unterstützungen bei unserer Kasse gestrichen und empfehlen den verebrlichen Brudervereinen, diesem Menschen eine geeignete Abfertigung zu geben. Israelit. Wander-Unterstützungsverein F ü r t b. Adolf H e y m a n n , Vorstand. Feuilleton. Du sollst nicht begehren! Kirre Krzähtrrng von Arnold Mann. 2! Simon Wahl stellte sich bescheiden in die letzte Bank. Krampfhaft umklammerte seine rechte Hand die eiserne Säule, die am Eingänge der Bank emporragte. Sein ganzes Wesen war in einer fieberhaften Erregung. Stieren Blickes starrte er nach dem leeren Platze da dornen Der Vater mußte also-noch kommen! Simon wagte kaum, den Blick zu erheben, um die noch Eintretenden zu mustern. Ihn schauderte vor dem, was die nächste Sekunde brachte, oder — nicht brachte! Da — in dem Augenblicke, wo der Vorbeter an den Almemor tritt, kommen noch zwei Männer, und der Eine von ihnen geht zur ersten Bank vorn links und stellt sich ans den leeren Platz. Simon Wahl glaubte, er müsse in die Erde sinken; in seinen Ohren brauste es, der ganze Synagogenraum verschwamm vor seinen Augen in eine wirre, grüne Masse, er wäre umgesunken, hätte er sich nicht schwerfällig auf seinen Sitz niedergelassen. Ein Anderer an des Vaters Stelle!