Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 47 (17.6.1901)
- Date
- 1901-06-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1047 Leichen jüdischer Konfession mit Christenbegleitung an Ort und Stelle gebracht werden? Ist dies auch rituell, daß am Samstage die Leichen zur Weiterbeförderung hergerichtet werden, steht es doch in der Heiligen Schrift, der Sabbal ist ein Ruhetag und in Folge dessen soll auch dem Tobten ani Sabbat die Ruhe gegönnt werden. K. Gologory. Se. Eminenz Herr Erzbischof von Weber beehrte unsere Stadt mit seinem Besuche. Zu seinem Empfange erschienen u. A. die jüdischen Cnltus- und Gemeinderäthe, geführt von unserem ehrwürdigen Rabbiner, welche der Kirchenfürst besonders auszeichnete. Er sagte: .,Ich danke Ihnen, Herr Seelsorger, für die sympathische Begrüßung namens Ihrer Glaubensgenossen und nehmen Sic ebenfalls meinen geistlichen Segen und die Versicherung meiner guten Gesinnung entgegen." In der Kanzelrede kam der Kirchenfürst darauf zu sprechen, „dass es ihn freue, zwischen christlichen und jüdischen Einwohnern Harmonie wahrzunehmen und empfiehlt seinen Parochionns, keinem Juden ein Leid anzuthun, nickt in seine Existenz tendenziös zerstörend einzugreifen, keine Kulkis mehr zu bilden, mit der Betonung, daß die Juden ja auch leben dürfen, sich von unlauteren Elementen nicht dahin beeinflussen zu lassen, daß es leine Sünde sei, einein Inden Schulden abzuschwören, was sehr verwerflich ist, gleichviel ob Ehrist oder Jude, wir sind ja alle Kinder eines Gottes und eines Erzvaters. Frankreich. Paris«, 9. Juni. Zu den eigenthümlichsten Früchien der politischen Ereignisse der letzten Jahre gehört wohl ohne Zweifel das Austauchen jüdischer Antisemiten. Ihre Zahl ist in Frankreich viel großer, als in Deutschland oder Oesterreich. Als geistiges Oberhaupt dieser Herren ist Arthur Meher zu bezeichnen, der getaufter Jude und Direktor des rovalistisch-antisemitischen Blattes „Gaulois" ist. Wie bedauernswerth müssen solche Männer sein, die, um sich Eintritt in gewisse Kreise zu verschaffen, Alles verleugnen, was einem Menschen heilig und thener sein muß, und ihre eigene Mutter mit Schmutz bewerfen. Eine tiefere, moralische und geistige Verkommenheit kann man sich wohl kaum vorstellen. Uebrigens werden diese Leute innerhalb der reaktionären Parteien, in die sie nach langen Kriechereien eingetreten und, begreiflicherweise sehr mißtrauisch behandelt, matt duldet sie nur, weil sie oft nützliche .Handlangerdienste zu leisten vermögen. So hat vor einiger Zeit der Herzog von Orleans, der jetzige französische Kronprätendent, dessen reaktionäre Pläne im „Gaulois" stets einen warmen Vertheidiger und Beschützer gefunden haben, Arthur Meyer, den Leiter dieses Blattes, als sale iuif bezeichnet. Das ist der Dank, den sie ernten. Was Wunder, daß im Herzen dieser Männer alte Erinnerungen wach werden — on revient tonjouvs a ses pvemieivs amouvs — und sie sich oft an ihre jüdischen Glaubensgenossen wenden, die sie selbst mehrmals beschimpft und verleumdet haben. So hat Arthur Meyer vor einigen Tagen in seinem Blatte einen Aufsatz veröffentlicht, von dem man mit vollem Recht sagen kann: rtif'ficiP c*st satiram non scribere. Arthur Meyer ist nicht nur ein getaufter Jude und guter Antisemit, er ist auch eine feste Stütze von „Thron, Ordnung und Altar." Er wendet sich daher an die französischen Juden, die eine große finanzielle Kraft darstellen: diese Kraft will Meyer zur Bekämpfung der radikalen, ökonomischen und politischen! Strömungen vertuenden. Znm Schluß fügt dieser Renegat noch hinzu, daß, falls die reichen französischen Inden diesem Rathe folgen, sie dadurch einen deutlichen Beweis ihres Patriotismus liefern und dadurch den Dank Frankreichs verdienen würden. Abgesehen von dem bodenlosen Unsinn des Planes,! ist es überhaupt furchtbar drollig, daß Meyer die Unverfrorenheit besitzt, sich an Juden zu wenden und ihnen sogar di? Anerkennung Frankreichs in Aussicht stellt. Er läßt also mit sich „schachern"; ist dies denn nicht, um im antisemitischen Jargon zu sprechen, eine „jüdische" Eigenart? Darauf hat Bernhard Lazare in der „Aurore" einen vorzüglichen Aufsatz veröffentlicht, worin er Arthur Mever die gebührende Antwort nicht schuldig bleibt. Selbstverständlich muß, und wird ja der französisch? Jude, sei er reich oder arm, und ganz abgesehen von seinen politischen und religiösen Ueberzeugnngen, es energisch ablehnen, mit einem Arthur Meyer in irgendwelche Unterhandlungen einzntreten, selbst wenn er auch die schönsten Versprechungen macht. Verlorene Liebesmühe. Onkel Meyer! Wir bleiben in unserem Lager, bleiben Sie gefälligst bei den Ihrigen, das ist das Einzige, worum!vir Sie ganz ergebenst bitten. Tinu-o Panaos ef riona ferentos! Pi. Paris«. Der bekannte französische Gelehrte und Dichter, Eugene Manuel, ist im Alter von 78 Jahren hier gestorben. Manuel trieb zuerst philologische Studien und bekleidete längere Zeit verschiedene Lehrerstellen, zuletzt die Professur der Rhetorik am Lycee Henro fV. zu Paris, bis er 1870 die Aufmerksamkeit des damaligenUnterrichtsministers, des berühntten Jul. Simon, ans sich lenkte, der ihn dann zum Chef seines Sekretariates ernannte. In dieser Stellung bewährte sich Manuel außerordentlich, so daß er nach acht Jahren schon GeneraUnsnektor des öffentlichen Unterrichtes wurde. In dieser Stellung, die er bis an sein Lebensende inne hatte, übte der Verstorbene einen hervorragenden Einfluß auf die Gestaltung des geistigen Lebens in Frankreich aus. Nicht minder erfolgreich ist Manuel, der unter anderem auch Kommandeur der Ehrenlegion war, als Dichter gewesen. Von seinen Werken sind die wichtigsten Gedichtsammlungen „Pages intimes", die von der Pariser Akademie gekrönt wurden, sowie „Pendant la guerre" und „Poemes populaires,"