Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 46 (13.6.1901)
- Date
- 1901-06-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1032 teil: nbnnb zvb ntry -ipk D’ian by pil?y “nn^ dikb^i eingeleitet hat, sich veranlaßt fühlte, seinen Zuhörern zu versichern, daß dieser Satz dem Vortrag leinen homiletischen Beigeschmack verleihen wird. Weiter heißt es in dem betr. Artikel wörtlich: Es ist bis heute noch der Nachweis zu erbringen, daß auch nur ein einziger Vortrag in den ca. 150 Litteraturvereinen, die im deutschen Reiche bestehen, auch nur den kleinsten Nachtheil gebracht hätte oder hätte bringen können u. s. w. Leider bin ich nicht in der Lage, diesen zu weitgehenden Optimismus zu theilen. Der Nachweis über verderbliche Tendenzen seitens einzelner Redner läßt sich sogar sehr leicht erbringen. Freilich dürfen wir diesen Auswuchs nicht auf's Konto aller Litteraturvereine setzen. Ja, ich bin sogar im Stande, durch Belege zu erhärten, daß es sogar Redner streng-orthodoxer (Besinnung gibt, die durch Grätz verblendet, ohne es selbst zu ahnen, in das Fahrwasser der Reformer einlenken! Wegen Raummangels will ich mich hier nur auf ein einziges Beispiel beschränken: In einen: Dortrag wurde nämlich dem Iben Esra die Behauptung in den Mund gelegt, „daß alle biblische Wunder naturgemäß zu erklären seien" und daß nur unser beschränkter Verstand daran Schuld sei, wenn uns diese Erklärungsweise bei smxn ns nrrriB und dergleichen nicht gelingen will! Ich bin nun gerne bereit, dem Herrn Redner eine Prämie zu zahlen, wenn er nur die betreffende Stelle in Iben Esra genauer angeben könne. Dagegen ist mir eine Stelle im selben Buche bekannt, wo gegen diese verderbliche Ansicht energisch Verwahrung eingelegt wird. Welchen Erfolg kann sich ferner das orthodoxe Judenthum versprechen von einer Rede, in der zu Ehren des Jugend- und Litteraturverderbers Heine Kränze gewunden werden? Sollte vielleicht in ihm ein leuchtendes Beispiel für die Zukunft Israels erblickt Nicht also auf diesem Wege kann dem Judenthume Heil erschließen: die praktische Rückkehr zu unserer heiligen Tradition und das eifrige Thorastudium allein sind es, die unsere glorreiche Vergangenheit zu bewahren und unsere Zukunft zu retten vermögn. Freilich will dieses Mittel einem großen Theil unserer Wanderprediger nicht behagen. Diesen rufe ich daher die berühmten Worte zu: Wenn Jhr's nicht fühlt Ihr werdet's nicht erjagen Wenn es nicht auS der Seele dringt Und mit urkrästigem Behagen Die Herzen aller Hörer zwingt. Ja Eure Reden, die so blinkend sind, In denen ihr der Menschheit Schnitzel kräuselt, Sind unerquicklich wie der Nebelwind, Der herbstlich durch die dürren Blätter säuselt. Faust I., Gespräch mit Wagner. ZettungSnachrichterr und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 11. Juni. Die „Jüd. Presse" schreibt: Auf unser Ersuchen ist uns nachstehendes Schreiben des unglücklichen Moritz L e v y an seine Eltern zur Verfügung gestellt worden: Gerichts-Gefängniß Könitz, 19. Mai 1901. Meine lieben Eltern! Die Würfel sind gefallen und werde ich höchstwahrscheinlich in den nächsten Tagen nach meiner neuen „Heimath" überführt. Deßhalb will ich Euch noch von vier aus einige Zeilen zukommen lasten. Vor allen Dingen bitte ich dringend darum, daß Ihr Euch keineswegs um mich grämt und Euch mit denselben Gedanken tröstet, wie ich es thue. Wie Ihr inir versichert habt, seid Ihr fest von meiner Unschuld überzeugt, und hierin müßt Ihr Trost finden. Es ist doch für Euch, liebe Eltern, bedeutend tröstender, wenn Ihr sogen könnt, unser Kind leidet unschuldig, als wenn Ihr sagen müßtet, der Junge ist schuldig und bat uns dadurch viel Schmach und Schande bereitet. Ja, liebe Eltern, ich bin und bleibe ein Märlvrer kür sehr viele Menschen. Noch habe ich das Vertrauen in die göttliche Gerechtigkeit nicht verloren und hoffe, daß, wenn auch nicht jetzt, so doch später, meine Unschuld an's Tageslicht kommen wird. Und sollte ich mich wirklich vor den weltlichen Herren Richtern nicht verantworten tönnen, so kann ich es aber einst vor Gottes R i ch t e r st u h l mit reinen: Gewissen. Ich will dann doch lieber bei einer Partei Menschen als Schuldiger gelten, wie vor Gott einer sein. Als mich Herr Rechtsanwalt Sonnenfeld da? erste Mal in Gegenwart des Herrn Landrichters Dr. Zimmermann besuchte, ermahnten mich beide Herren eingehend und belehrten mich dabei wohlwollend, wenn ich gefehlt, also die Unwahrheit beschworen haben sollte, dann möchte ich doch im Masloff- Vrozeß der Wahrheit die Ehre geben. Was antwortete ich darauf: „Wenn ich gefehlt, wenn ich die Wahrheit verletzt bätte, so würde ich dankend die Belehrungen der Herren annehmen. Da ich aber nur die reine Wahrheit nach bestem Wissen beschworen habe, so könnte ich nichts an meiner Aussage ändern, „ich will dann lieber eine verschärfte Strafe unschuldig erleiden und verbüßen, als mir die Strafe durch Unwahrheit vor Gericht milder n." Wie sehr ich mich jetzt freue, daß ich so fest an der Wahrheit gehalten habe, kann sich Niemand denken. „Nun ist mein Gewissen mit Nichts belastet, und ich stehe wenigstens vor Gott rein da." Außer mir weiß nur Gott allein meine Unschuld. Wenn auch sebr viele Menschen davon überzeugt sind, so kann mir doch Keiner in's Herz sehen, da es sich bei mir ja wesentlich um innere Vorgänge handelt. Liebe Eltern, Ihr kennt meinen Charakter, auch mein Gemüth.