Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 46 (13.6.1901)
- Date
- 1901-06-13
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1033 Wenn ich Euch etwas sagte, so konntet Ihr darauf hauen. Ebenso fühlte ich mit meinen Mitmenschen. Ihr werdet Euch doch noch zu erinnern wissen, wenn Bettler, ganz gleich welcher Konfeffion, zu uns kamen, so Ueß ich keinen leer ausgehen, und hatte ich mal nicht passendes oder sonst nichts Paffendes im Geschäft, habe ich nie den Laden betreten, weil ich keinen Menschen abweisen konnte. Ich sagte mir stets, nicht jeder Mensch ist schuld an seinem Unglück, er kann durch die Bosheit Anderer schuldlos in das Unglück gerathen und von Stufe zu Stufe sinken " Und der Mann, der also schreibt, soll einen „bewußten Meineid" geschworen haben, den er mit vier Jahren Zuchthaus büßen muh! O e st e r r. - U n q a r. Monarchie. Ans Mähren, 4. Juni. Die Irreligiosität ist gewiß eine sehr beklaaenswerthe Erscheinung, denn sie benimmt jeden, der ihr anheimgefallen, einer starken Stühe im Unglücke, beraubt den Menschen aller Aussichten auf eine einst zu erhoffende Vergeltung der guten und bösen Thaten, und gewährt in Krankheiten, Kninnwr und Sorgen nicht jenen Trost und jene Beruhigung. welche der Gläubige empfindet, wenn er sein Gebet vor Gott mit Inbrunst ergießt. So bedauernswerth aber auch die eben angedeutete Erscheinung ist, noch viel bellagenswerther ist die Unwissenheit; denn diese verhält sich zum Unglauben wie Ursache und Wirkung. Die Unkenntniß der hebräischen Sprache und der Geschichte ist in unserem Kronlande erschreckend groß, und so lange erstere nicht behoben ist, kann von einem krisch pulsirenden, religiösen Leben keine Rede sein. Unkenntniß, gepaart mit Unglaube, ist verachens-!verth, U.nkenntniß, verbunden mit Glauben, beansprucht nicht jenen hoben Grad von Würdigung, wie sie jener verdient, der durch das Vertiefen und Forschen in den heiligen Büchern, die Vorschriften der Religion mit einer durch nichts zu überredenden Ueberzeugungskraft hält. Entsprechend dieser Anschauung haben es die Gemeinden unseres Landes es sich nicht nehmen lassen, den Religionsunterricht so intensiv als möglich zu gestalten. Den Eltern genügte aber auch dieses nicht und ließen sie noch ihren Kindern von Lehrern Lectionen geben. Wie oft sah man noch in später Abendstunde das Kind, mit einem Lämpchen in der Hand, durch das finstere Ghetto schreiten, um seinen Weg zum Lehrer zu nehmen, uni von diesem in Talmud und Mischnah eingeweiht zu werden. Nicht nur die Gemeinde-, Staats-, sondern auch viele Privatlehrer hatten vollauf zu thun, um das hebräische Wissen in ausgedehnterem Maße, als es in der Schule der Fall war, den Kindern einzuprägen. Selbst unbemittelte Eltern sparten sich das Essen vom Munde ab, um ihren Kindern einen gediegenen hebräischen Unterricht theilhaftig werden zu lassen. Heute ist es nun leider ganz anders geworden. Nicht nur, daß der Privatunterricht im Hebräischen ganz aufyehört hat, so ist der offizielle Unterricht in der Schule sehr bedeutend gekürzt worden. Die alten, konservativen Gemeinden, in welchen sich noch heute ein Rest erhalten hat, würden vielleicht einer intensiven bebräischen Unicrrichtsertheilung nicht abhold sein, aber durch die fortwährende Bevölkerungsabnahme sind die Mittel wesentlich zusammengeschrumpft, so daß diese Orte einen bedeutenderen Aufwand nicht gut vertragen können. In den meisten solcher Gemeinden werden die Klassen 4—6 Stunden wöchentlich unterrichtet und erlernen je nach der Anstrengung des Lehrers 2—3, ja auch 4 Bücher Moses. Eine Ausnahme bildet Nikolsburg, woselbst mit Volksschülern auch Talmud gelehrt wird. Weit schlimmer steht es in den neueren Gemeinden aus. Obschon diese der materiellen Mittel genug besitzen, so beschränken sie den Unterricht auf die vom Staatsgesetze vorgeschriebenen wöchentlichen zwei Stunden. Daß in solchen Orten eine große Zahl jüdischer Analphabeten heranwächst, ist wohl selbstverständlich. Wenn ein solcher das Kaddisch zu sagen hat, dann hilft er sich dadurch, indem er sich ein in deutscher Eurrentschrist gedrucktes Kaddisck-Gebetbuch kauft, und dieses sinn- und gedankenlos heruntersagt. Während die reichen Fabrikanten für Musik- und Sprachunterricht bedeutende Summen verausgaben, fällt cs ihnen gar nicht ein, für das Hebräische auch nur einen Kreuzer zu opfern. „Es ist nicht modern," sagen sie, „und unsere Kinder erzielen keinen praktischen Nutzen von diesem Unterricht." Der Mittel, diesem Uebelstande abzuhekfen, gäbe es wohl genug. So lange jedoch unsere Väter nicht von der Ueberzeugung durchdrungen sind, daß ein gediegenes hebräisches Wissen zu den unerläßlichsten Vorbedingungen eines eckten Jebudi gehört, so lange werden alle Mittel keine Wirkung haben und der zu bearbeitende Boden wird sich als steinig und unfruchtbar erweisen. Personalien. kNikolSbnrg, 4. Juni. Der hiesige greise Rabbinats'Administrator Joseph Kn öpflm ach er hat einen sehr schmerzlichen Verlust erlitten, indem ihm seine treue Gattin Fanni, mit der er 66 Jahre in der glücklichsten Gemeinschaft lebte, durch den Tod im 79. Lebensjahre entrissen wurde. Dieselbe war eine fromme Tochter unseres Glaubens, eine n-ir>n welche es sich nicht nehmen ließ, selbst von dem kleinen Gehalte ihres Mannes, den Armen nach Thunlichkeit zu geben. Welcher Svmvathie sich die Verstorbene erfreute, bewies die zahlreiche Beiheiligung an dem Leichenbegängnisse. Mit Rücksicht auf das hohe Alter des Gemahls der Verblichenen wurde von jedem Hesped seitens unseres Landrabbiners. Herrn Dr. David Feuchtwang, Umgang genommen, rrexv-,