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Der Israelit · 1901-06-13 · Heft 46 (13.6.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 46 (13.6.1901)
Date
1901-06-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1035 nach wiederholter Messung nahezu 2OOO Grabsteine, welche mehrere Jahrhunderte alt sind, sich befinden, und die bei der Aushebung wohl zumeist zerstört oder verstümmelt würden. Die jüdische Kultusgemeinde und die Beerdigungs-Brüderschaft in Prag haben sich an die Prager Stadtvertretung in wiederholten schriftlichen Eingaben und mündlichen Vorstellungen dringlich um die Aenderung jenes Regulirungsplanes gewendet. Sie baben eingehend nicht nur wegen ihres religiösen Interesses, sondern zugleich wegen der hohen Bedeutung, welche dieser Friedhof als weltberühmtes, uraltes Denkmal in kulturhistorischer Beziehung und durch seine parkartige Anlage aus sanitären Gründen für die Stadt Prag hat. die Nothwendigkeit der Erhaltung dargeleat und haben sich überdies bereit erklärt, diesem Zwecke territoriale und wesentlich finanzielle Opfer zu Gunsten der Stadt zu bringen. Nebstdem haben sich viele Prager wissenschaftliche und Künstler-Vereine in Petitionen um Erhaltung der vollen Integrität dieses berühmten kulturhistorischen Denkmals an die Stadt gewendet. Ja, sogar der Landtag des Königsreichs Böhmen hat im Jahre 1897 die Stadt im nämlichen Sinne zu bestimmen versucht, aber alle Mühen blieben erfolglos: die Stadtverwaltung beharrt auf ihrem alten Regulirungsplane mit einer Festigkeit, die bis in's Unbegreifliche geht. Es ist eben ein trauriges Zeichen der Zeit, dass dem noch so sehr begründeten Verlangen jüdischer Korporationen seitens der Stadt nicht Folge gegeben und daß einem so berühmten historischen Denkmale, weil es zugleich ein jüdischer Friedhof ist, die Berücksichtigung nicht zugewendet wird. Es wäre aufrichtig zu wünschen, daß in letzter Stunde doch ein die Interessen der Kommune klar erkennender Sinn bei den maßgebenden städtischen Factoren zum Durchbruch komme, welcher das geschilderte Unheil verhüten würde. Sonst erleidet Prag Einbuße an einer Sehenswürdigkeit, die an Tausende von fremden Besuchern einen tiefen Eindruck gemacht hat. Mattersdorf, 10. Juni. Ein herber Schlag hat den Oberrabbiner unserer Gemeinde, Se. Ehrw. Herrn S. B. Ehrerckeld, getroffen. Der unerbittliche Tod hat das junge und hoffnungsvolle Leben seines Sohnes Ephraim, im 21. Lebensjahre, hinweggerafft. Mittwoch, 29. Maß stieg die Seele rein und heilig in die lichten Höhen, um dort den wohlverdienten Lohn in Empfang zu nehmen. Am darauf folgenden Donnerstag wurde die sterbliche Hülle des Verblichenen zu Grabe getragen. Die Bestattung gestaltete sich zu einer allgemeinen und erschütternden Trauerkundgebung, zu einer wahren und aufrichtigen "isa -ca: bm: neoe. Als Erster sprach an der Bahre, vom tiefstem Schmerze ergriffen, der tiefgebeugte Vater des Verewigten, Herr Rabbiner Ehrenfeld, und gab den Gefühlen der Trauer und des Schmerzes um den Verlust seines edlen und leider so früh verstorbenen Sohnes, ergreifenden Ausdruck. Geradezu erschütternd wirkte es auf die Anwesenden, als Redner klagend ansrief: o’-idk H mp' Ein Wimmern, Schluchzen und Wehklagen konnte man unter der großen Schaar der Leidtragenden wahrnehmen. Hierauf schilderten die beiden Rabbinats-Assessoren, die Herren Gustav Müller und Josef Preßb u r g e r , und Religionslehrer Herr I. Weiß, den kurzen, aber biederen Lebenswandel des Entschlafenen in beredten Worten. Der Schmerz der tiefgebeugten Eltern ist ein unendlicher, doch wir hoffen, daß sie in dem festen Vertrauen auf Gott und Ergebung in seinen unerforschlichen Rathschluß Trost und Beruhigung finden werden. Jacob Höngsber. Rußland. Marschau. (Feuer im Ghetto.) Nebst dem Antisemitismus, welcher den Juden Rußlands Licht und Luft raubt und mit brutaler Gewalt ihr materielles Fortkommen erschwert, haben unsere Glaubensgenossen im russischen Ansiedelungsrayon es noch mit einem zweiten fast ebenso furchtbaren Feinde zu thun, der ihnen Alles, was sie im erschwerten Kampfe um's Dasein mühsam erworben, rasch wieder entreißt. Das Feuer ist im Ghetto ein so häufiger Gast, daß man mit ihm wie mit Krankheit und Tod rechnet und es im ganzen Ansiedelungsrayon kaum noch eine mittelgroße Stadt gibt, welche im Laufe eines Menschenalters nicht mindestens einmal ein Raub der Flammen wird. Die jüdische Bevölkerung Rußlands kennt ihren furchtbarsten Feind sehr genau und spricht geradezu von einer „Saison der Brände," die mit dem Sommer beginnt und mit diesem anfhört. Die Entstehung und der Verlauf eines solchen Brandes ist fast überall die gleiche: Eine vorangegungene anhaltende Dürre, welche die Holzhäuser austrocknet und deren Strohdächer reif zum Verbrennen macht, — ein Unvorsichtiger, der zum unfreiwilligen Brandstifter wird, ein hinzugetretener Sturm, welcher das anfängliche kleine Feiler zur großen Feuersbrunst entfacht, und die Katastrophe, durch die das arme russische Judenthum jahraus und jahrein um weitere 15—20 Millionen Rubel ärmer wird, ist geschehen. Alsbald ergießen sich die Opfer des Feuers, welche aus wohlhabenden Leuten über Nacht in Bettler verwandelt worden sind, über die Städte und Städtchen des Ansiedlungs, wo sie als sog. „Nisrofim" (Abgebrannte) die große Zahl der Bettler um viele Hunderte vermehren und meist für den ganzen Rest ihres Lebens der jüdischen Gesammtheit zur Last liegen. Die diesjährige „Saison" begann am 9. Mai mit der im Gouvernement Wittebsk gelegenen Stadt Polozk, wo vermuthlich in Folge von böswilliger „Brandstiftung" das Feuer an vier Stellen zu gleicher Zeit ausgebrochen war. In kürzester Frist waren 185 Wohnhäuser lmd 213 sonstige Gebäude vernichtet. Der Schaden beträgt 430,000 Rubel, wovon nur 68,000

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