Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 46 (13.6.1901)
- Date
- 1901-06-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1026 Rubel versichert waren. Nach diesem glänzenden Debüt verheerte das Feuer am darauffolgenden Tage (10. Mai) das im Gouvernement Warschau belegene Städtchen Gura Calvarv bis auf die Grundmauern. Der Ort ist Sitz eines berühmten Wunderrabbi, zu dem die Chaffidim Polens alljährlich zu Tausenden wallfahren. Diese suchten n.it einem wahren Heldenmuthe das „Palais" ibres „Zaddik" vor dem Feuer zu schützen, was ihnen jedoch nicht gelungen ist, dagegen ist es ihnen geglüht, besten werthvolle Bibliothek, sowie seinen noch werthvolleren — Geldschrank zu retten. Sonst ist in Gura-Calvary alles zu Asche geworden, sodatz es im Städtchen nicht einmal Brod gab und solches auf telegraphischem Wege erst von Warschau her reauirirt werden mußte. Am 11. Mai, drei Tage nach Eröffnung der „Saison," brach Feuer in Brest-Litowsk ans und verzehrte 500 Häuser, 10 Synagogen, nebst sämmtlichen Läden mitsammt ihres kostbaren Anhalts. Der Schaden ist. ganz enorm und wird auf mindestens 16 Mtll. geschätzt. Eine Zeit lang schwebte auch das Leben der Bevölkerung in schwerer Gefahr, da das Artilleriedepot der Festung bedroht war. Nur mit unsäglicher Mühe gelang es den heldenmüthigen Soldaten, die bedrohten Melinitbomben aus dem Bereiche des Feuers zu bringen und so die Stadt Brest vor einer schrecklichen Katastrovhe zu bewahren. Auch hier wie in Polozk wurde das Feuer von Brandstiftern angelegt, welche in der Verwirrung zu vlündern versuchten. Die Polizei nahm auch nicht weniger als 60 Plünderer auf frischer That fest, während es über Hundert solcher Räuber gelungen sein sollte, mit ihrem Raube zu entkommen. Am 13. Mai hat die „Saison" ihren Höhepunkt erreicht, da es an diesem Tage in drei jüdischen Städten gebrannt hat. Am schwersten wurde die Stadt Pinks betroffen, deren Zwillingshälfte, die Stadt Karlin, ein Raub der Flammen wurde. 209 Häuser nebst 400 Läden wurden vernichtet, so daß der Schaden auf eine Million Rubel geschätzt wird. Am selben Tage brannte das im Gouvernement Wilna liegende Städtchen Pastawi ab. Fünfzehn Minuten nach Ausbruch des Feuers brannten bereits 200 Strohdächer und nach einer weiteren Stunde war bereits alles vorüber und 180 Gebäuden lagen in Asche. Außerdem brach am gleichen Tage, von Plünderern oder von verruchten Antisemiten angelegt, Feuer in Bijalistok aus. Dasselbe wurde, nachdem es 24 Holzhäuschen vernichtet hatte, gelöscht, allein es brach am 14. und 16. Mai wieder aus und rief unter den 40,000 Juden dieser Stadt eine Panik hervor. Die Stadt wird von der Bevölkerung, welche sich zu einer freiwilligen Polizei organisirt hat, Tag und Nacht bewacht. So sind in fünf Tagen fünf jüdische Städte durch das Feuer vernichtet worden, wodurch viele Hunderte von jüdischen Familien an den Bettelstab gebracht wurden. T. Kiew. Wie es heißt, soll die Stadt Kiew heilig sein und daruni war den Juden bisher der Aufenthalt hier im Prineip verboten. Der Gouverneur von Kiew bat nunmehr ein Circular veröffentlicht, das den Aufenthalt der Juden bierselbst regelt. Hiernach können alle Juden ohne Unterschied der Gilde in Kiew sich aufballen, um Maaren zu kaufen und zu verkaufen. Der Aufenthalt ist strikt begrenzt und kann nicht nur in den den Juden bezeickmcten Vierteln, sondern auch in Podol stattsinden. MUhcllllWll m Den Iiiö. Aimümelllcn und für ötefctbeu ILämmtliche jüb. Wanderbettelvereirrc uno Halfen für Durchreisende sind gebeten, nnS Mittyeilnngen über Erfnyrnngen. die fie ans dem Gebiete iyrer Thütigkeii machen, zukommen zu taffen.) Gimbsheim, 11. Juni. Vor wenigen Tagen erschien hier ein Herr Namens Stern, der erster Cantor in Prätoria gewesen sein will. Infolge des dortigen Krieges sei er, wie er anaibt, ausgewiesen worden. Besagter reist in Begleitung seiner Fran und hält in den jüdischen Gemeinden resp. bei den Lehrern oder Kultusbeamten um Unterstützung an. Die amtlichen Papiere seiner Personalien fehlen ihm gänzlich, und auf Befragen nach solchen äußert er, er habe sie an die Regierung nach England, von der er Entschädigung beansprucht, gesandt. Er weist Empfehlungen seitens einiger Cantoren und Lehrer, die er durch Ueberredung veranlaßt, jene zu schreiben, auf und sucht solcher Weise die Herzen unserer Glaubensgenosien zu gewinnen. Im Sestr zu lainen ist er nicht im Stande. Auch verschiedener Aenßernngen seiner Frau zufolge zweifelt man an der Richtigkeit seiner Angaben. Diese Zeilen mögen zur Vorsicht im raschen oder vielfachen Geben dienen. A r m e n v e r e i n. > DermischtcL. «Sr Horkenheim, II. Juni. Das Marr Krauer'iche Ehepaar hier, beginn heute in guter Gesundheit und geistiger Frische das seltene Fest des goldenen HochzeirsjnbilaumS. Obgleich die Feier nur im strengsten Familienkreise gehalten ward, vereinigten sich doch mit den 5 Kinvern, 15 Enkeln und 5 Urenkeln, eine große Schar Freunde aus allen Gesellschaftsschichten um dem würdigen Ehepaar die besten Wünsche und sinnigsten Ovationen darzubringen. -n- Soollmb Parirhlms. Neues vornehmes Pensionshaus I. Ranges unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Rabl). Dr. Auerbach, Halberstadt, mit Genehmigung Sr. Elirw. Herrn I.andrabbincr Dr. Riilf, Braunschweig. Streng rituelles Etablissement. Am Walde an schifnst. staubfreier Lage, 46 Salons mit Balkons der Neuzeit elegant eingerichtet. Bekannt ausscrgewühnlich gute Küche. Diners und a la carte zu jeder Zeit, volle Pension mit extra guter Ver ptiegung incl. Wohnung von 6,50 .Mk. an. Jeden Samstag Gottesdienst in eigener von Herrn Professor Geb, Hannover, erbauten Synagoge im Parke des Hotels. [348a Geöffnet vom X. Mai bis 1. Oktober. Besitzer: XäX Hecht.