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Der Israelit · 1901-06-13 · Heft 46 (13.6.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 46 (13.6.1901)
Date
1901-06-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1024 ZettrrttgSrrachrichte« und Eorrefpondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 10. Juni. Die seit zwei Jahren in hiesiger Stadt bestehende „Centrale für Errichtung von Kinder-Ferienheimen auf dem Lande" hat im vorigen Jahre begonnen, auch jüdische Kinder in geeigneten Familien unterzubringen und es haben sich streng-religiöse Familien zur Aufnahme gemeldet. Die Unterbringung geschah in hübschen, gesund gelegenen Orten des Spesiart, der Rhön, Bergstraße rc.; auf reichliche Ernährung sowie gewissenhafte Beaufsichtigung der Kinder wird besonders Werth gelegt. Die Verpflegung bestand aus 5—0 Mahlzeiten: erstes und zweites Frühstück, Mittagessen, Mittagkaffee, Vesper und Abendessen, wobei Milch, Eier, Honig etc. bevorzugt werden. Ueber die gesundheitliche Beschaffenheit des Ortes wird Erkundigung bei dem zuständigen Bezirksarzt eingeholt, die Kinder auf der Reise begleitet und wieder abgeholt. Man hat wahrgenommen, daß die Kinder durch den Ferienaufenthalt sowohl gesundheitlich gediehen, als auch im Lernen erhebliche Fortschritte machten. In diesem Jahre soll der Versuch gemacht werden, die Wohlthat dieser Einrichtung in stärkerem Maße auch israelitischen Kindern und Erwachsenen zugänglich zu machen und es werden daher geeignete Familien, welche bereit sind, derartige Sommerfrischler aufzunehmen, namentlich Lehrer etc., in oben genannten Gegenden, aufgefordert, sich zu melden. Auf billigen Pensionspreis wird Werth gelegt und es sollen Kinder bereits zu einem Preise von 1.60—2 Mk., bezw. Erwachsene von 2 bis 2.60 Mk. untergebracht werden. Die Einrichtung der Schülerferienheime eignet sich namentlich für Kinder, deren Eltern verhindert sind, dieselben zu begleiten. Anmeldungen von Familien, die bereit sind, Kinder aufzunehmen, sowie auch von Eltern, die Kinder unterbringen wollen, nimmt Herr Dr. med. W. H o r u n g in Frankfurt a. M. entgegen, der zur Ertheilung jeder weiteren Auskunft gerne bereit ist. Breslau. (Volkshumor bei den polnischen Juden.) Das Leben und Treiben der polnischen Juden in volkskundlicher Beziehung ist in den letzten Jahren von verschiedenen Forschern untersucht worden. Unter diesen nimmt H. Lew mit einem in polnischer Sprache erschienenen zweibändigen Werk über den jüdischen Volkshumor eine hervorragende Stelle ein. Eine besonder Rolle spielen, wie W. Bugiel daraus hervorhebt, in Polen die Volkswitzbolde oder Chojseks, die nach Art der indischen Volkserzähler alljährlich zu gewissen Zeiten von Dorf zu Dorf ziehen und gegen geringe Zehrung und Geldlohnung Märchen und Schwänke erzählen. Manche Witzbolde leben fort in der Volkserinnerung durch ihre Satiren. So Herschel aus Ostropol, von dem Bugiel berichtet, wie er dem Rabbiner sein neuestes Erlebniß erzählt: „Heute früh komme ich aus dem Hause. Da begegnet mir der Engel des Bösen und fragt, wie ich mich befinde. „Schlecht," sage ich, habe kein Geld und der Sabbat naht." — „Geh' zum Rabbiner," sagt der Engel und stiehl ihm einen silbernen Leuchter, was Du dafür erbälst, wird für die Sabbatausgaben genügen." Ich gehe weiter, da begegnet mir der Engel des Guten und fragt nach meinem Befinden. Ich erzähle ihm, daß es mir schlecht gehe und was mir der Engel des Bösen gerathen habe. ,,Bei Gott," ruft er aus, „versündige Dich nicht!" „Aber ich will nicht vor Hunger sterben." „Nun, dann wende Dich persönlich an den Rabbiner." „Wenn Du gut sein willst, so thue es für mich." „Ja," sagt der Engel des Guten, ich würde es herzlich gern thun, aber siehst Du, ich Hab' bis jetzt noch nie die Schwelle des Rabbinerhauses betreten." Auch an „Abderiten" fehlt es unter den polnischen Juden nicht, und als ihre Heimstätte gilt das Städtchen Chelm. Von einem Einwohner desselben wird die auch sonst verbreitete Geschichte erzählt, daß er nach einer benachbarten Stadt wollte, hier nach Lublin, und beim Schlafengehen Abends die Füße nach der Richtung seines Reiseziels ausstreckte, um den Weg nicht zu verfehlen. Jemand geht vorüber und dreht den Schlafenden nach der entgegengesetzten Richtung. Am anderen Morgen setzt dieser seinen Weg in der Richtung seines Wegweisers fort und geräth in Verwunderung, daß Lublin seinem Heimathsorte Chelm so völlig ähnlich ist. Auch begegnet er auf dem Wege einem triefäugigen Weibe, das ihn ausschilt. „Gottes Wunder," sagt der Chelmer, „die ist doch ganz ähnlich meiner Frau!" Weßhalb gerade das Städtchen Chelm zur zweifelhaften Ehre des polnischen Abderas gekommen ist, bleibt dunkel. Oesterr. -Ung. Monarchie. Prag. Der uralte hiesige jüdische Friedhof, auf welchem die letzte Beerdigung vor mehr als hundert Jahren stattfand, soll, man würde es kaum glauben, durch die „Assanirung" eine bedeutende Einbuße erleiden, indem ein Theil desselben im Ausmaße von 1912 Quadratmetern abgetrennt und theils zur Umlegung der vorbeiführenden Gasse, theils zu Häuserbauten verwendet werden soll, ohne daß jedoch zwingende Gründe hierzu vorhanden wären. Nach genauen, seit den letzten Jahrzehnten geführten Aufzeichnungen besuchen diesen Friedhof alljährlich 8—10,000 Fremde, nebstdem zahlreiche Einheimische und viele Vereine, Genossenschaften, Schulen etc. von Prag und Umgebung. Wenn auch das Gesammtausmaß des Friedhofs etwas über 13,000 Quadratmeter beträgt, sonach die Abtrennung nur ein Sechstel desselben betrifft, so wäre schon eine relativ große Schmälerung des Friedhofes höchst beklagenswerth. Ferner ist zu bedenken, daß auf dem abzutrennenden Theile

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