Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 46 (13.6.1901)
- Date
- 1901-06-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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*f-r\|5j|(w iifcflpv-r^i- - - 42. Jahrgang. Erste Anlage zu Jfs 46 des „Israelit." Leitender Artikel.?«s i>n Pjjltt »n!> fsrriberr Wilhelm tinrl non Siotifdilii. Von D. Slbrahams - 'Jl m ft e r oa in.*) „Wenn ich dein vergesse, Jerusalem, versage meine Rechte! Klebe meine Zunge mir am Gaumen, wenn ich dein nicbi gedenke, wenn ich Jerusalem nicht erhebe auf den Givsel meiner Freude'.'. Hört Ihr den wilden, durchdringenden Schmerzensschrei? Hört Ihr, wie aas übervolle Gemiith sich Luft macht in einem innigen, theuren Eid, geschworen dem Andenken der Heißg-lliebten? .... Erstaunen spricht aus Euren Zügen^? ... So schwer, so entsetzlich schwer ist doch der Schlag! . . . Jerusalem — einst stand es da in Pracht und Herrlichkeit, als „Herrscherin über Völker, als Fürstin über Länder." Alle, die Trost und Erholung sachten, die Acußerung geben wollten den Gefühlen heil. Festesfreude oder aufrichtiger Buße, die Dankbarkeit zu bezeugen wünschten dem Allerhöchsten, alle, alle nahmen den Pilyerstab zur Hand, um den geliebten Ort auszu suchen. Jeder wollte sich erquicken an den herrlichen. glänzenden, lebenerweckenden Strahlen der bezaubernden Sonnenstadt .... Jerusalem, kostbares Kleinod, dessen Namen allein schon eine geheimnißvolle Macht in sich zu schließen scheint — Jerusalem, was ist aus Dir geworden! .... „Zions Wege trauern, ihre Priester wehklagen, ihre Jungfrauen jammern und sie --- ihr ist so weh!" * * * Allmächtiger, ist es denn wirklich wahr? Ist sie erloschen, die glänzende Leuchte, die über alle Theile der Welt so wunderbar wohlthuende Strahlen ausgoß? . . Vielgevriet'ene Mainstadt, begreifst du schon, was dir entrissen ist? Weißt du, daß die ganz? Judenheit, die Judenheit der Tradition vor allem, mit unbegrenzter Verehrung emporsah zu deinem edlen Sohn? Weißt du. daß dieser durch seinen Lebenswandel, durch seine LebenSauffastung in den fernsten Gegenden Trost bot, wenn man fast verzweifelte an der Zukunft des Judentbums, wenn man beobachtete den beinahe vollständigen Abfall jener, die eine hervorragende Stellung einnahmen im gesellschaftlichen Leben? *) Aus den vor einiger Peit erschienenen Gedenkblnttern an den Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild )j"j. A.ainz. Joh. Wnlh'sche Hofbuchdruckerei A. & Tagelang waren im Lande der Väter heiße Gebete emporgesandt zum Allerhöchsten und um Genesung gefleht für den großen Kranken. In ängstlicher Spannung wurde fortwährend nach Bericht ausgeschaui, Telegramme baten um telegraphische Mittheilungen über den Zustanv des hohen Patienten. Hoffnung wechselte mit Furcht, ... bis endlich der große Schlag fiel . . . Was da Jerusalem fühlte, wer vermag es in Worte zu fasten! Einen schwachen Begriff davon konnten vielleicht diejenigen haben, die Woche auf Woche Stöße von Briefen empfingen, mit dem Ersuchen, ihre Meinung zu sagen über das, was dem Bittsteller geantwortet werden muffe. Während vierzig Jahren waren es Pekidim und Amarkalim, an welche der selige Dahingeschiedene sich wandte, bei jeder Anfrage, die er aus dem heiligen Lande empfing. S i e können es einigermaßen begreifen, was dem Osten verloren ging in dem Seltenen, Bescheidenen, desten Namen nie öffentlich genannt werden durfte. Viele Tausende, nein, viele Zehntausende fanden jährlich ihren Weg über Amsterdam nach dem gelobten Lande. Wieviel Stiftungen wurden nicht durch ihn unterstützt, wie vielen Privatpersonen nickt geholfen! Wittwen und Waisen, Kranke und Genesende fanden bei ihm ein williges Ohr. Ist es aber nöthig, Einzelheiten zu nennen? Ruhig darf man sagen, daß nickt eine Anfrage, die irgendwie in Betracht kommen konnte, unberücksichtigt blieb. Mit der Hand aus dem Herzen kann versichert werden, daß zu zählen sind die Bedürftigen im heiligen Lande, die keine Wohlthaten von ihm emvfingen. Bor allem und ganz besonders fühlte der edle Verblichene lebhaftest? Sympathie für diejenigen, die dem heiligen Studium der Thora sich widmeten. Diele brauchten nicht i h n aufzusuchen, sie wurden durch ihn aufgesucht. Jährlich wurden Summen zur Verfügung gestellt für bedürftige Talmudgelehrte, die fick noch nicht an ihn gewandt hatten. „Zions Wege trauern, ihre Priester wehklagen, ihre Jungfrauen jammern und sie — ihr ist so weh!" Und Jerusalem schwört Dir, einziger, unvergeßlicher Wohlthäter zu: „Wenn ich Dein vergesse, versage weine Rechte! Klebe meine Zunge mir am Gaumen, wenn ich Dein nicht gedenke!"