Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 46 (13.6.1901)
- Date
- 1901-06-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1019 Es war uns nicht möglich, bei der größten Sparsamkeit und der gewissenhaftesten Prüfung bei Aufnahme der Kranken, die laufenden Ausgaben für Verpflegung und Heilung der Kranken und Instandhaltung der Anstalt auch nur im Entferntesten zu reduzieren. — Dem Allgütigen sei es gedankt, daß die im Dienste des Krankenhauses unternommene Reise, der sich Herr Rabbiner Dr. Carlebach bereitwilligst unterzog, von so schönen Erfolgen gekrönt war. Wir sprechen ihm für seine Mühewaltung unseren herzlichsten Dank aus, ebenso aber all den edlen Männern allerorts, die in so liebenswürdiger Meise ihm hülfreich durch Rath und That zur Seite gestanden, Geld- und Zeitopfer so freudig gebracht und dadurch der Anstalt, deren ganze Existenz fragwürdig geworden war, zu neuem Erblühen und zu sorgloserem Wirken verholfen haben. O, daß sich immer mehr freunde unserer Bestrebungen finden möchten, damit wir freudiger als bisher in die Zukunft schauen dürfen, und endlich eine neue, eine bessere Aera für unser Krankenhaus, das den Aermsten der Armen unter unseren Brüdern und Schwestern dient, beginne. „Wir vertreten ja nicht unsere eigene, intime und interne Angelegenheit, sondern, wie die besten jüdischen Männer in ganz Deutschland anerkannt haben, eine Sache, die all' unsere Glaubensbrüder betrifft. Das Euratorium besteht aus den Herren: S. Bloch. Max Cohn, Dr. Pindikowsli, I. S ch a v i r o und Landgerichtsrath Wechselmann. Baronin Hirsch spendete für das Institut 40,000 Mark, Jakob Plaut 20,000 Mk. O e st e r r. - U n g. Monarchie. Wien, 10. Juni. (G e m e i n d e r a t h.) Zur „Präterirung jüdischer Magistratsbeamten" stellte Dr. Mittler folgende Anfrage: In der jüngsten Zeit erklärte der Herr Bürgermeister zu wiederholtenmalen, daß er Sozialdemokraten und Schönerianer nicht anstelle oder befördere. Aus dieser Erklärung geht hervor, daß der Herr Bürgermeister auf die Anstellungen und Beförderungen von Beamten und Lehrern Einfluß nimmt und daß sein Wille — woran übrigens ohnehin kein Vernünftiger gezweifelt hat — ausschlaggebend für die Beförderung oder Rickitbeförderung ist. Es ist nun eine notorische Thatsacke, daß ^ozial-Demokraten. Schönerianer und selbstverständlich Juden von der Beförderung konseauent ausgeschlossen bleiben, und wurde der Herr Bürgermeister speziell über die „Präterirung der jüdischen Beamten, die nur wegen ihres Glaubens verfolgt werden, wiederholt interpettirt. Hierbei hat der Herr Bürgermeister sich stets auf den Standpunkt gestellt, daß die Ernennungen nicht e r, sondern der Stadtrath vollzieht, dessen 26. Theil er nur sei, und daß er nicht berechtigt und in der Lage sei, auf die Beschlüße des Stadtrathes Einfluß zu nehmen. Mit der vorerwähnten feierlichen Erklärung, daß e r keine Schönerianer etc. anstelle, desavouirt sich derselbe in nicht genug anzuerkennender Offenherzigkeit und bestätigt selbst, daß er Einfluß auf die Ernennungen übt, beziehungsweise er gibt zu. daß er ernenne und befördere. Es dürfte nun dem Herrn Bürgermeister nicht unbekannt sein, daß seit dem Beginn der Herrschaft der gegenwärtigen Majorität Beamte jüdischen Religions-Bekenntnisses nicht befördert werden, zumal sich die unschuldig Verfolgten selbst wiederholt an ihn gewendet und stets von ihm die Versicherung erhielten, daß ihnen unverdientes Unrecht zugefügt werde, daß der Herr Bürgermeister aber auf den Stadtrath, dem die Beförderung obliegt, keinen Einfluß habe. Nachdem es nunmehr scheint, daß die Verhältnisse sich geändert haben und daß der Herr Bürgermeister einen derartigen Einfluß auf die Anstellung und Beförderung gewonnen hat, daß er sich als denjenigen hinstellt, welcher anstellt und befördert, stelle ich die höfliche Anfrage: Gedenkt der Herr Bürgermeister und in welcher Weise denjenigen jüdischen Magistratsbeamten, welche lediglich wegen-ihrer Konfession nicht befördert werden, durch seinen eingestandenen Einfluß im Stadtrathe zu ihrem Rechte zu verhelfen, nach Dienstalter und Qualifikation wie alle anderen Beamten befördert zu werden? Dr. Lueger: Der Herr Interpellant weiß sehr genau, daß es Stellen gibt, welche ich zu besetzen in der Lage bin, und daß es andererseits Stellen gibt, welche der Sradtrath besetzt. Wenn man diese Unterscheidung in's Auge faßt, so wird auch der Herr Interpellant in der Loge sein, zu beurtheilen, wie weit mein Einfluß reicht und wie weit nicht. Ich stelle keine Schönerianer an, und — ich erkläre es Ihnen — ich stelle auch keine Sozialdemokraten an. Nun könnte ich auch eingehen auf die Frage der Anstellung und Beförderung von Juden. Soll ich aber das wiederholen, was ich schon hundertmal gesagt habe und was der Herr Interpellant genau weiß? Es ist nicht richtig, daß Juden nie befördert worden find: ich habe zum Beispiel bei einem Juden meinen Einfluß wirklich geltend gemacht, daß er befördert wurde. Aber man kann mir doch nicht zumuthen, daß ich immer eine Kabinetssrage bezüglich eines Juden stelle. (Rufe: Sehr richtig!) Das thue ich nicht. (Stadtrath Sonntag: Sie haben aber geschworen' — Rufe: Ruhig, Sonntag!) Ich muß auch dem Stadtrath jenes Maß von Freiheit gewähren, ohne welches ja eine Behörde nicht zu fungiren in der Lage ist. Nun hat mich Herr Gemeinderath Sonntag durch einen Zwischenruf an den Cid erinnert, den ich geschworen habe. Ich kann dem Herrn Gemeinderath Sonntag Folgendes sagen: Ich habe bisher den Eid, den ich geschworen habe, treu und redlich gehalten (lebhafter Beifall), und ich würde nur wünschen, daß jeder Lehrer den Eid, den er schwört, so treu halten möchte, wie der Dr. Lueger den seinigen. (Stürmischer Beifall