Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 45 (10.6.1901)
- Date
- 1901-06-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1008 genossen daselbst beschäftigt andere Subkommissionen. Aus der Versammlung wurden warme Dankesworte an das einbcrufende Komitee gerichtet, und mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß das begonnene Werk im Interesse der Humanität wachsen und gedeihen möge, schloß der Vorsitzende die konstituirende Generalversammlung des „Hilfsverein der deutschen Juden." Der hier erwähnte Aufruf hat folgenden Wortlaut: Berlin, im Mai 1901. Glaubensgenossen! Seit dem Jahre 1860 besteht die „Alliance Jsr.", seit dem Jahre 1871 haben sich die englischen Juden zur „Anglo Jewish Association" zusammengeschlossen. In Oesterreich gibt es seit dem Jahre 1873 die „Israelit. Allianze." In allen größeren europäischen Staaten mit einer erheblichen jüdischen Bevölkerung, haben unsere Glaubensgenossen, sofern ihnen dies durch die Gesetze des Landes möglich war, Vereinigungen gebildet, um an der sittlichen und intellektuellen Vervollkommnung und der sozialen Hebung Jener zu arbeiten, die ein widriges Geschick in geistiger Armuth und in leiblichem Elend zurückgehalten hat. Alle diese Vereinigungen wirken harmonisch neben einander, gegenseitig sich aneifernd, bald sich gemeinsam bethätigend, bald sich ergänzend, indem jeder einzelne Verband jene nationale Kultur, die ihn umgibt, und der seine Mitglieder zugehören, lichtspendend in die Noth der dahinsieckenden Judenheit Osteuropa'? und der orientalischen Länder hinauszutragen sucht. Bei diesem segensreichen Zusammenarbeiten fehlen bisher die Juden Deutschlands als selbstständig organisirte Vereinigung. Diese Lücke ist jetzt ausgefüllt. Vielfach werden wir mit den Schwesterorganisationen jenseits unserer Grenzen in engster Gemeinschaft Zusammenwirken, aber selbstständig wollen wir als d eutsche Juden deutsche Sprache und deutsche Kultur jenen unserer Glaubensgenossen bringen, denen der Anschluß an unser Leben für ihr wirtschaftliches Fortkommen und für ihre intellektuelle Entwickelung das Gebotene ist. Diese Erwägungen veranlaßten die Unterzeichneten, den „Hilfsverein der deutschen Juden" in's Leben zu rufen. Mir senden Ihnen, hochgeehrter Herr, einen Bericht unserer konstituirenden Versammlung, sowie ein Exemplar unserer Statuten, und wir bitten Sie, daß auch Sie unserer Vereinigung beitreten und unter unseren Glaubensgenossen für den Hilsverein werben. Mit größter Achtung etc. Aus den Statuten heben wir besonders die beiden ersten Paragraphen hervor, welche den Zweck des Vereins angeben: " § 1. Der „Hilfsverein der deutschen Juden," welcher in das Vereinsregister des König!. Amtsgerichts I Berlin eingetragen werden soll, setzt sich, unter Ausschluß jeder Gewinn bringenden Thätigkeit (soll wohl heißen: materiellen Gewinn) für die Mitglieder, das humanitäre Ziel, die sittliche, geistige und wirthschaftliche Entwickelung der Glaubensgenossen zu fördern. Die Dauer des Vereins wird auf unbestimmte Zeit festgesetzt. $ 2. Der „Hilfsverein" will seine Thätigkeit insbesondere den Glaubensgenossen im östlichen Europa und in Asien.zuwenden. Der Sitz des „Hilfsvereins" ist Berlin. Als Mitglieder des „Central-Comitees" sind folgende Herren gewählt: Königsberg i. Pr.: Georg Marx, Konsul Litten. Stadtrath S. Magnus; Danzig: Philipp S i m s o n; Bromberg: Stadtrath A r o n - sohn; Jnowrazlaw: Kommerzien-Rath Julius L ö v y : Posen: Kommenzien-Rath Herz, Direktor Hamburger, Israel Friedländer; Breslau: Landgerichtsrath Wollstein, Stadtrath Fedor P r i n g s b e i in , Kommerzienrath Ledermann. Professor Dr. B a d t, Rabbiner Dr. Gutmann; Beuthen O.-Schl.: Amtsgerichtsrath L e v y; Frankfurt a. O.: Paul M e n d e; Stettin: Rechtsanwalt Dr. Mann, Rabbiner Dr. V o g e l st e i n; Schwerin i. Meckl.: Landrabb. Dr. Veilchenfeld; Hamburg: M. W. H i n r ichs e n , Dr. H. C. P l a u t, Moritz Marburg, Oberrabbiner Hirsch; Hannover: Senator Leop. Fischer, Emil L. Meyer; Emden: Rabbiner Dr. L o e b; Halberstadt: Benjamin Hirsch; Halle a. S.: M. A p e l t; Leipzig: D. S. M a g n u s , Alphons Jacobson; Dresden: Kommerzienrath A r n h o l d , Rabbiner Dr. Winter, Ad. Salzburg; Bielefeld: M. Katzenstein: Köln: Albert Simon, Rechtsanwalt Carl E l tz b a ch e r , Isidor Dülken; Düsseldorf: Rabbiner Dr. David; Krefeld: R. Reifenberg; Cassel: Land-Rabb. Dr. Prager; Frankfurt a. M..' Charles L. H a l l g a r t e n , Rechtsanwalt Dr. Platte, Rabbiner Dr. M. H o r o w i tz , Eduard Cohen; Marburg: Geh. Reg.-Rath Prof. Cohen; Karlsrube i. Bad.: Geh. Reg.-Rath Dr. Mayer, Rechtsanwalt Dr. M. Friedberg; Mannheim: Emil Hirsch, Rechtsanwalt Dr. Stadeker; Freiburg i. Bad.: Pros. Dr. R o s i n; Mainz: Oskar L e h m a n n;*) Stuttgart: Kirchenrath Dr. K r o - n e r , Rechtsanwalt Max K a u d l a r; München: Rabbiner Dr. Werner, Rechtsanwalt Dr. Ofner, Siegmund F r ä n k e l; Nürnberg: Geh. Hofrath *) Anmerkung der Redaktion. Wir müssen unseren folgenden Bedenken gegen diesen Verein schon hier durch die Bemerkung vorgreifen, daß wir die Mahl abgelehnt haben. Bermuthltch befinden sich unter den vereinzelten Bekennern '<&»& orthodoxem Iudenthums, deren Namen wir bier begegnen, ebenfalls solche, die wie wir. vorher von der Absicht einer solchen Wahl nicht unterrichtet waren, und ebenfalls aus prinzipiellen Bedenken eine Wahl nicht annahmen. .