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Der Israelit · 1901-06-10 · Heft 45 (10.6.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 45 (10.6.1901)
Date
1901-06-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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W 42. Jahrgang. Aeitage zu ^e 48 des „Israelit^. Leitender Artikel. Eine deutsche Alliance I^raetite. M ainz, 9. Juni. I. Von Berlin gehl seil einiger Zeit ein Zug nach Sammlung, Vereinigung und Centralisirung aus, der in dem geplanten Judentag und einigen ähnlichen Bestrebungen recht charkateristische Erscheinungen zu Tage gefördert hat. E i n e derartige Bestrebung drängt und verdrängt die andere, lebensfähig haben sie sich sämmttich nicht ertniescn, und was mit großem Aplomb als die einzige Erlösung von allem Hebel für eine kurze Zeit in Seene gesetzt wurde, ist dann nach wenigen Tagen ohne Sang und Klang den Weg aller dieser Projekte gegangen. Was von den einen mit großer Begeisterung als anzullrebcndes Ziel hinausposaunt >vurde, ist von den andern wieder auf's nachdrücklichste als schädlich und gefährlich bekämpft morden. Die Bekenner des orthodoxen Judenthums konnten diesen Bestrebungen ".nt verschränkten Armen zusehen und eS ruhig den Gegnern überlassen, sich selber zu bekämpfen und ihre Maßnahmen gegenseitig zu disereditiren. Die Phrase und Phase, welche diese Sammekpokitik in diesem Augenblick gezeitigt hat, heißt: „Hilfsverein der o e u t s ch e n Jude n." Da diese neueste Bereinigung etlvas planvoller vorbereitet ist, als oie anderen angedeutetcn Bestrebungen, und durch Einschränkung ihres Zieles auf lediglich humanitäre Bestrebungen etwas maßvoller auftritt, so ist es möglich, daß sie sich etwas länger auf der Bildfläche zu halten vermag. Wir wollen daher Entstehung und Tendenz dieses allerneuesten Berliner Vereins kurz mittheiken und danach die Stellung präeisiren, welcher die Anbänger des orthodoxen Judenthums dazu einzunehmcn haben. Wie die Gründer des Vereins diese ihre Schöpfung selber aussassen und von der jüdischen öffentlichen Meinung aufgefaßt wissen wollen, wird man am besten aus dem folgenden, offiziellen Eommuniaue ersehen, das dieselben an alle Welt und auch an uns zugesandt haben. Es lautet: „Ein .Komitee von 28 angesehenen Berliner Glaubensgenossen, unter Vorsitz des Generalkonsuls Eggen , £ a n.d a y . hatts,füg ,'deJpÜNgi eine Sier-' saiuückung nach Berlin berufen zur Beschlußfassung über die Bildung eines „Hilfsvereins der deutschen Juden." Der Statutenentwurf, der die Zwecke des neuen Vereins fest.legen sollte, faßte die Aufgaben folgendermaßen zusammen: Es soll die sittliche, geistige und wirthschastliche Entwickelung der Glaubensgenossen, und zwar insbesondere auch im östlichen Europa und in Allen gefördert werden. Der Berliner Einladung war fast ausnahmslos die lebhafteste Sympathie entgegengebracht worden; auch diejenigen Herren, die am Erscheinen verhindert waren, gaben schriftlich ihrer Zustimmung Ausdruck. Herr Generalkonsul Eugen Landau eröffnete die Versammlung und begrüßte insbesondere die von auswärts Zugereisten. Es wurde hierauf die Generaldebatte darüber eröffnet, ob die Bildung einer Vereinigung zu dem angegebenen Zwecke wünschenswerth sei. — Von den verschiedensten Rednern, auswärtigen wie Berlinern, wnrde die Rothwendigkeit einer solchen Gründung anerkannt, denn es sei in Deutschland kein Verein vorhanden, der in umfastender Weise die gesteckte Aufgabe zu lösen unternehmen könne. Diese Lücke soll ansgefüllt werden, aber es könne keine Rede davon sein, daß die neue Vereinigung den Zweck habe, irgend einer bestehenden Organisation feindlich oder auch nur hinderlich in den Weg zu treten. Nachdem -über stefe Punkte Klarheit geschaffen war, beschlossen die Anwesenden, sich als „Hilfsverein der deutschen Juden" zu konstituiren. Die Berathung der Satzungen führte nur bei 8 1 und 2 zu eingehenden Erörterungen. Es wurden nunmehr die sämmilichen Paragraphen mit unerheblichen Aenderungen angenommen. Die Wahlen in das Cenrral-Con'.iice und in den geschäftsführenden Ausschuß sielen auf 60 Herren außerhalb Berlin's, wobei alle großen Gemeinden vertreten sind, und auf 89 Berliner Herren. Sämmtlich? anwesenden Herren erklärten fick zur Annahme der Wahl bereit, von der Mehrzahl der Richtanwesenden, die sich entschuldigt hatten, lag die schriftliche Erklärung vor. daß sie eine eventuelle Wahl annehmen würden. Nachdem ein Aufruf an die Glaubensgenossen, der in allernächster Zeit erscheinen wird, einstimmig genehmigt worden war, wurde beschlossen, bis zürn Herbst die organisatorische Thätigkeit in Deutschland selbst nach Möglichkeit zu fördern, damit alsdann die materielle Basis vorhanden sei, um nach Prüfung der Vorschläge der eingesetzten Subkommission unmittelbar die praktische Thätigkeit beginnen zu können. Als nächste zu lösende Aufgabeist in's Auge gefaßt die FörtMung des öumänischess Hilfswerkes, das Studium der Schulfrage im Orient und die Möglichkeit der wirthschaftlichen Förderung unserer Glaubens-

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