Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 45 (10.6.1901)
- Date
- 1901-06-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1006 bingcn für tms Wintersemester 18:33. Doch schon am 20. November demselben Jahres wurde ihm der sernere Besuch der Universität untersagt und er unter Polizeiaufsicht gestellt. So ging er nach Heidelberg. Hier hatte er einen scharfen Auftritt mit Professor Daub über dessen charakteristischen (antisemitischen) Unterschiede zwischen dem alten und neuen Testament. Endlich im Dezember 1836 wurde das Endurtheil verkündet und Auerbach mußte, wie er an seinen Freund Jakob schreibt, für zwei Monate den ) hohen Asperg besteigen. Am 3. Januar 1837 wurde Berthold Auerbach dieses Urtheil verkündigt; er behielt sich die Bedenkzeit vor, trat aber schon am 8. Januar seine Strafe an. Vorher schon und während er als Gefangener auf dem hohen Asperg saß, hatte sich Auerbach fleißig auf das Rabbinatseramen vorbereitet. Aber wie unangenehm überrascht war er. zu hören, daß das königliche Ministerium beschlossen habe, ihn in Folge seiner Verurtheilung überhaupt nicht zum Rabbinaisexamen zuzulassen. Mit diesem ministeriellen Bescheide konnte, mußte. Auerbach die Theologie an den Nagel hängen, denn seine dürftigen Verhältnisse zwangen ihn zu Broderwerb. So wandte er sich der Schriststellerei zu, obgleich fast alle Bekannte ihm jede Begabung gerade für diesen Beruf absprachen. Ich glaube, daß mir an der Hand von authentischen Quellen der Beweis gelungen ist, daß Auerbach bei seinen talmudischen Studien nicht aus Süddeutschland hinausgekommen ist und daß er die Befähigung zum Rabbiner noch nicht erlangt hatte. Das muß man aber sagen und rückhaltlos anerkennen, daß seine talmudischen und biblischen Studien einen großen Einfluß aus sein späteres Wirken ausgeübt haben. War ihm auch die Kanzel in der Synagoge verschlossen, auf der großen Weltkanzel, die er jetzt betrat, sehen und hören wir nur immer den „Rabbiner aus Nordstetten"; in vielen seiner Dichtungen fehlt selten der Geistliche, ein Beweis, wie tief der Keim zum Theologen in ihm entwickelt war. selbst die Handbewegungen beim „Lermn" sind ihm geblieben. So erzählte mir vor einigen Jahren Rabbiner Groß von Augsburg, der in Berlin öfters mit Auerbach verkehrte, wie letzterer ihm sagte, daß er in christlichen gelehrten Kreisen bei wissenschaftlichen Auseinandersetzungen sich oft zusammennebmen müsse, um seine Worte nicht mit den bekannten Handbeweaungen zu begleiten Daß Auerbach im Kreise von Glaubensgenossen sich gerne auch der hebräischen Umgangssprache bediente, davon nur ein Beispiel: Berthold Auerbach hielt sich einst in Frankfurt auf, wo er einer Hochzeit annwbnte. Unter den Gästen befand sich auch mein guter, seliger Freund, Louis Lehmann von Homburg. Als dieser ihm vorgestellt wurde, sagte Auerbach: „So, Sie sind aus Homburg? Da geh' ich nächstens auch hin und wissen Sie, was ich dort suche? -- eine Portion Menuche." Zum Schlüsse mochte ick noch auf ein Beispiel Hinweisen, wie bewandert Auerbach in der Bibel war. Es ist ja allgemein bekannt, wie Kaiser Joseph II. von seinem Volke nicht verstanden wurde und wie er das Unglück hackte, alle seine Pläne scheitern zu sehen. Als man später Kaiser Joseph ein Denkmal setzen wollte, schlug Auerbach als Spruch vor: 1. Buch Moses, Kapitel 42, 8 V.: „Joseph erkannte seine Brüder, aber sie erkannten ihn nicht." Wochen-Wnlenöer Freilag, 14. Juni, 27. Si oa», ^abbcu Anfongin Mainzer. Franksur: a. M. 7 Uhr 45 Ai in Lnmftag, lf>. 3unt, 28. Siwan, '* 'n '2 n"n3B ,v rv?K'. Sabbat Ausgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 9 Uhr 35 Min. - Berlin 9 Uhr 32 Min München 9 Uhr 05 Min. — Oani'ober 9 Uhr 42 Min. — Stuttgart 9 Uhr 25 Min. - Prag 9 Uhr 10 Min. -- Straßburg 9 Uhr 25 Ai in. - Posen 9 Ulir -<* Min. Montag, 17. Juni. 3a Siwan, n"~n 'n ca Dienstag, 18. Juni, 1. Tainus, rv n ov. Der „3 üaelit" erscheint wtfct><>Mtlich iwH nml, Man Inga Hud Donnertilaeg, frUtrtlmf ia mindeste»- zwei B 'gen. P eipro Vierteljahr bei der Pan ü Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend hiher. fRcm abonnirt ganzjährlicy, halbjährlich oder vieneljährlich?Uk Buchhandlwrgen und Postämter nehme» Bestellungen «n. — der VuülygNdrl verkehrt durch V. JF, S! etn ark e r . Leipzig, Notzplnh )b. — Inserate 25 Pfennig die »iergespalteu« Pelitzeile oder deren Raum. Preider ZeUe im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Fraucozrssenduug unter Streifband pro Jahrgang sür Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kranen österr., für'- Ausln« I» Mart, an di« Expedition franco einsenden. Postzeiiuug-ltste 3708. Telephon 5. Eine Rücksendung der an die Redaktion eingesandten Manuskripte findet nicht statt, nutn Mitet daOhaßll» fiel) von allen Einsendungen eine Eopie znrückz»behalten. 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