Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 45 (10.6.1901)
- Date
- 1901-06-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1005 die württembergischen Landstände auch für die Rabbiner akademische Bildung gefordert hatten. Ick besitze beute noch das (Sprüche Salomos), welches Auerbach in Karlsruhe benützt hatte und auf dessen leeren Blättern unzählige Male der Name „Berthold Auerbacher" prorcttms: p"pa nwxrijnx -pr ntra von ihm selbst eingetragen ist. Als Auerbach im Jahre 1870 in's Hauptquartier berufen war, wollte er den mir befreundeten Lehrer Sch., damals in Karlsruhe, jetzt in Fr., als Sekretär mitnetnnen. Als Sck. in Auerbach's Hotel kam, stand dieser sinnend am Fenster und schaute auf ein benachbartes Haus. „Sehen Sie," sprach Auerbach, „dort habe ich einst „gelernt," und soeben hat mich der Staatsminister Jolly verlassen. So ändern sich die Zeiten." (Wir können darin keinen Gegensatz erblicken. Red. des „Israelit.") In Karlsruhe trieb Auerbach sehr fleißig Talmudstudien im Verein mit seinem Freunde Jakob Auerbach und dem verstorbenen Oberrathe Willst ä t i e r , bei des letzteren Bruder Rabbi Elias Willstätter, damaligem Rabbiner von Karlsruhe. Von hier siedelte er nach Stuttgart über, wo er sein AbiturientkN-Eramen bestand. Er bezog nun die Universität Tübingen. Wenn auch die Vorlesungen eines David Friedrich Strauß Schelling und Schlosser ihn allmählich von dem rabbinischen Berufe abzulenken suchten, so war doch der theologische Keim in ihm so stark entwickelt, daß er doch nickt daran dachte, der Theologie zu entsagen, umsomehr, da es der Wunsch seiner Eltern gewesen, daß er Rabbiner werde, und da er seit längerer Zeit, besonders durch die Empfehlung seines Freundes Weil, Sekretär der israelit. Oberkirchenbehörde, ein Staatsstipendium genoß. In Tübingen hörte Auerbach bei Prof. Herbst „Einleitung in das alte Testament und die kleinen Propheten," trotzdem er das Gefühl hatte, daß er diese Dinge besser wisse, als Herbst; aber neu war ihm die geschichtliche Manier, wie Herbst seine Erklärungen gab. Herbst sprach im oberschwäbischen Dialekt und so erklärte er: „die Ratschionaliste sage, König Salomo babe diese Sprüche nicht verfaßt, denn es sei nicht recht wohl möglich, daß ein einziger Mensch so viel Sprichwörter mache. Sie sage, das Dichtwerk habe nur seinen Namen, weil es unter seiner Regierung gesammelt und verfaßt sei. Mo liegt denn da die Unmöglichkeit? König Salomo ischt alt geworde 63 Jahr. Wenn er nun von seinem 23. Jahr ab jeden Tag ein halbes Svrichwort gemacht hat, da geht's ganz gut, daß Alles von ihm sein kann." In Tübingen regten sich Hon bei Auerbach die schriftstellerischen Keime;- er schrieb ein biblisches Drama: „Deborah," dichtete Hymnen auf Germania und versuchte sich sogar in einer Ärminstragödie. Aber gerade die Behandlung der letzteren Stoffe sollten für ihn nach einer Seite hin verhängnißvoll werden. Auerbach hatte sich in Tübingen den Burschenschaftern angeschlossen. Um den Verfolgungen der Polizei zu entgehen siedelte er nach München über. Persönliche Empfehlungen von gutem Haus führten ihn bei Schelling ein. Auerbach schreibt hierüber: „Er nahm mich freundlich auf und fiihrte mich in seine Familie ein. Er schien Wohlgefallen an mir zu haben und zeichnete mich sogar öffentlich aus. Mehrmals sagte Schelling nach der Vorlesung zu mir: „Auerbach, kommen Sie mit mir." Ich war natürlich nickt wenig stolz aus diese Auszeichnung. Sckelling prüfte meine Auffastungsweise und besprach das eben Vorgetragene oft in weiteren Ausführungen. Eines Abends — in der Wohnung Schelling's im Eotta'schen Hause auf dem Promenadenplatze — es war Dämmerstunde, wir standen beieinander anl Fenster und sprachen über Spinoza, und Schelling lächelte, da ick ihm sagte, es muthe mich an Spinoza noch besonders an, daß er nicht von der Philosophie lebte und sich nicht ausschließlich damit abgab, sondern daß er noch "in Handwerk trieb, genau wie es der Talmud vorschreibt, wenn er sagt: „Mache die Wissenschaft nicht zum Spaten, um damit zu graben." Seinen Münchener Studien wurde bald ein Ziel gesetzt, denn als Auerbach in einer Nacht sehr vergnügt von einer Abendunterhaltung nach Hause kam und sich kaum zur Ruhe begeben hatte, wurde er geweckt. Zwei Gendarmen standen an seinem Bette und verhafteten ihn auf Befehl des hohen Landtages als Burschenschaftler. Nach einem längeren Verhör in München entlasten, stellte sich Auerbach dem Tübinger Richter. Die württembergischen Gefängniste waren vollgepfropft mit Burschenschaftlern, zu ihnen kam auch Auerbach. Ich will nur zwei Fragen des Richters hervorheben: „Was veranlaßte Sie, die hiesige Universität zu verlaßen?" „Ich wollte in München bei dem dortigen Rabbiner den Talmud studieren. Kaulla und Emil Auerbach äußerten sich auch gegen mich, daß ihnen die neuere politische Tendenz der Burschenschaft viel Skrupel macke und daß sie deßwegen von Tübingen wegaeben. Ich muß gestehen, daß die Burschenschaft mich hauptsächlich von hier vertrieb." „Es wäre Ihnen ja frei.gestanden, aus der Burschenschaft auszutreten?" „Ich will es gerade sagen, wie es ist. Aus unserer Konfession ruht der Vorwurf der Zaghaftigkeit und wir fürchteten deßhalb aus falscher Scham den Spott. Es hätte eben gleich geheißen: „Da, seht die Juden!" Wir haben dies alles zusammen besprochen und überlegt und hielten es für das Geratbepste,.dHPniversität zu verlassen." ... ... Nach mehrmaligen Verhören wurde Auerbach's Hast als die eines nur der äußeren Verbindung Angehörigen aufgehoben. Er inscribirte stch wieder in Tü-