Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 45 (10.6.1901)
- Date
- 1901-06-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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MMWWWWG WWWWW 1004 lichen Unterricht in den jüdischen Lehrgegenständen den Kindern zu ertheilen. Wie kann ein Lehrer sich für solche Unterrichtsgegenstände begeistern, und dieselben weiter lehren, wenn er in denselben nur ein Stümper ist. Wie oft finden wir Lehrer an den Schulen wirken, welche sich erst durch ihren Unterricht mit den Kindern einige Kenntnfse auf jüdischem Gebiete aneignen. Wo liegt die Ursache dieser betrübenden Erscheinung? Ist es Jndifserentismus in den Reihen der ungarischen Orthodoxie!?, oder Mangel an Verständniß von der Wichtigkeit dieses Gegenstandes. Diese Beschuldigung mag ich nicht voraussehen. Als es sich in früheren Jahren darum handelte, eine Bildungsanstalt für Rabbiner in Ungarn einzurichten, da standen sich die Parteien gegenüber. Eine Mehrheit perhorreszirte eine solche Anstalt. Auch jetzt noch würde ein solches Projekt eine große Gegnerschaft finden; man begnügt sich mit den zahlreichen Jeschiba's, welche es Gottlob in Ungarn noch gibt. Aber bezüglich einer Lehrerbildungsanstalt dürfte es nicht die mindeste Meinungsverschiedenheit geben. Denn jede Gemeinde hat und muß eine Schule erhalten. Es müffen Lehrer angestellt werden, kommen sie, woher sie wollen. Jede fromme Gemeinde sucht und wünscht solche Lehrer anzustellen, welche der religiösen Richtung angehören und mit dem erforderlichen Maß jüdischen Wissens ausgestattet sind. Ueber diese Frage gibt es demnach kein Auseinandergehen der Meinungen. Und dennoch geschieht gar nichts zur Abhilfe dieser schreienden Uebelständ«' Als ich vor mehreren Jahren, zur Zeit, als Herr Rabbiner Dr. Breuer noch in Papa sungirte, ihn besuchte, erwähnte ich ihm gegenüber, wie nothwendig bei unseren Zuständen die Errichtung einer orthodoren Lehrerbildungsanstalt wäre. Er gestand mir, daß auch ihn dieser Gedanke oft beschäftigte. Herr Dr. Breuer haUe aber damals vollauf zu thun, die in seiner Gemeinde von früher her überwuchernde Neologie, oie die Herrschaft an sich zu reißen drohte, zu bewältigen, welches ihm auch vollkommen gelang, aber seine ganze Thatkraft in Anspruch nahm. Bald nachher folgte er einem Rute nach Frankfurt a. M. Als großer Zadik und wahrhafter d^sts -t 'n b>\\* würde er manche das allgemeine Interesse der Orthodoxie fördernde Einrichtung in's Leben gerufen haben, wenn er länger in unserer Mitte geweilt hätte. In erster Reihe sollten ja unsere Rabbinen dazu berufen sein, gemeinnützige, religiöse Institutionen anzuregen und zur Ausführung zu bringen. Aber zwischen unseren Rabbinen herrscht kein wie immer gearteter Zusammenhang: Jeder beschränkt seinen Wirkungskreis einzig und-allein auf seine Gem-einde, wo er gut oder schlecht amtirt, und es findet sich unter ihnen keine tonangebende, mit erforderlicher Autorität ausgerüstete, die Führerrolle in die Hand nehmende Persönlichkeit. Aber wir haben ja eine Centralstelle in der Leitung der orthodoxen Durchführungskommission, welche vermöge ihres Amtes am besten dazu berufen und geeignet wäre, gemeinnützige Institutionen zu Stande zu bringen. Die au deren Spitze stehende hochachtbare Persönlichkeit, welche zwar von inanchen Seiten angefeindet wird, aber bei der Mehrheit der Orthodoxie Einfluß und Ansehen genug besitzt, um eine ersprießliche Thätigkeit entfalten zu können, beschränkt den Kreis ihrer Thätigkeit blos ans die Abwehr der stets zu gewärtigenden Angriffe von Seiten der Neologie. Eine Kräftigung nach Innen anznstrebeu, dazu ermangelt ihr jede Initiative, lind was ließe sich nicht alles bei uns zu Stande bringen, wo noch so viel n-rn und rwr’ vorhanden ist, und ein Avvcll an die reichen Gesinnungsgenossen nicht nngehört verhallen würde. Rur an einer thatkräftigen, leitenden Persönlichkeit fehlt es uns. Mögen diese Worte, deren Wahrheit von Niemanden bestritten werden kann, Anregung und bei den berufenen Männern Anklang finden, womit sie sich mit der Realisirung der besprochenen wahrhaft rettenden That. um das orthodoxe Judenthum gewiß verdient machen würden. E m a n u e l P o l l a k. Feuilleton. BtchO Aiitrblilh «Is Mliiiifitsaiiiiiiliiit Von S. Rothschild—W o r m s. Vor einigen Wochen begegnete ich einer Mittheilung in Einern israelitischen Blatte, wonach Berthold Auerbach bei Landrabbiner Tiktin-Breslau theologische Studien getrieben babe, und dieser Tage erhielt ich von befreundeter Seite eine Nummer der „Hamburger Nachrichten" zugesandt, in welcher in einem Referat über einen von Rabbiner Dr. Grünwald in Hamburg gehaltenen Vortrag „Berthold Auerbach als Jude" enthalten war. In diesem Referate hieß es: „Die Schwierigkeit, ein Amt zu erhalten," brachte ihn zu dem Entschluß, mit dem rabbinischen Berns auch äußerlich zu brechen." Beide Ansichten entsprechen nicht den That suchen und es ist deßhalb nicht ohne Interesse, die Studien Auerbach's als werdender Rabbiner zu verfolgen. Berthold Auerbach, der von seinem Lehrer, Frankfurter in Nordstetten, eine so gute Vorbereitung in den Elementarfächern genossen, war jedenfalls nicht minder gut vorbereitet in den hebräischen Disciplinen, so daß er, als er nach seiner Barmizwoh die Talmudschule in Hechingen besuchte, gleich mit Erfolg an dem talmudischen Unterrichte tbeilnehmen konnte. Als er zwei Jahre dort verweilt hatte, verließ, er Hechingen, um seine rabbinischen Studien in Karlsruhe fortzusetzen, dort aber auch das Gymnasium zu besuchen, da inzwischen