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Der Israelit · 1901-06-10 · Heft 45 (10.6.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 45 (10.6.1901)
Date
1901-06-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1001 Doch wer hätte sich nicht von Falk Goldschmidt gerne stören lasten? — Wie tonnte er sich an einer Predigt, an einem Vorträge begeistern' Mit verschränkten Armen saß er unbeweglich da, und ein tiefer tarnst lagerte auf den Zügen des sonst so heiteren Mannes, der da mit gespannter Ailfiucrtsamteit den Worten des Redners lauschte, dem er, wenn's aus ihn angekommen wäre, am liebsten stundenlang zugehört hätte. Und er begriff auch diese Predigten und Vorträge, die ein gewisses Maß von Kenntnissen voraussehen, mit einem merkwürdigen Verstänniß. Der ernste Wiüe, sie zu verstehen, veranlaßte ihn, zu fragen, wenn er etwas nicht ganz begriffen. Wie freute er sich, wenn er in einer Privatunterhaltung von seinen: Rabbiner über irgend einen Gedanken bester aufgeklärt wurde. Es war das schönste und innigste Verhältniß, wie sich Zwischen dem Rabbiner und einem Gemeindemilalied nur gestalten kann. Was Falk Goldschmidt für seinen Rabbiner fühlte, das war jene aufrichtige, uneigennützige Verehrung, wie sie der Raw in alten Zeiten bei allen Mitgliedern seiner Gemeinde genoß. Und nun ist er heimgegangen. Die allgemeine Trauer, dae sein plötzliches Hinscheiden in der Gemeinde hervorgerufen, ist begreiflicher Weise groß und schmerzlich. Ein Hesped wurde an seinem Grabe nicht gehalten. Wie er in seiner Bescheidenheit niemals ein Amt bekleiden wollte, so hatte er sich auch jede Trauerrede verbeten. Aber bedurfte es denn einer Trauerrede? Jeder fühlte es ja: es ist ein unersetzlicher Verlust, den unsere Gemeinde erlitten hat. Viele Jahre werden vorüb"raehen müssen, bis diese Wunde vernarbt sein wird. Und alle, alle, die an Falk Goldschmidt's Bahre trauernd standen, hatten den einen und denselben schmerzlichen Gedanken: Wer gibt uns einen solchen Menschen wieder? Sein Andenken wird immer ein gesegnetes bleiben, rcna*? jyist in. R. (Bergt, auch die nachfolgende Korrespondenz. Red.) Zeitungsnachrichten und Corresporrderrzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 9. Juni. (Falk Goldf cf) in i b t jtj) Wieder ist einer aus unserer Mitte gegangen, der im Leben und Wirken das leuchtende Vorbild eines Jehudi von echtem Schrot und Korn war. Weit über seinen Familienkreis und die Kreise unserer Gemeinde hinaus, überall, wo der unverfälschte jüdische Geist seine Pflege findet, da war Falk Goldschmidt ein wohlbekannter und hochverehrter?, ,Ham^ , ^md dort, überall wird sein Heimgang tief^ empfunden und schmerzlich beklagt. Der frohe und rüstige Mann, der in der Mitte der sechziger Jahre stand und von robuster Gesundheit war, wurde uns durch Gottes Rathschluß nach kurzem Krankenlager jäh entrissen. Der Grundzug seines Wesens war tiefste und innigste Gottesfurcht, sie gestaltete sein ganzes Leben, und von ihr geleitet, betrachtete er alle Geschicke seines Lebens, die glücklichen und die ernsten, als Fügung und Bestimmung Gottes. Darum war er auch mit jedem Schlage seines Herzens treuestes und hingebungsvollstes Mitglied unserer Gesellschaft. Gott hatte ihn mit reichen Gütern gesegnet und begeistert stellte er sie in den Dienst der jüdischen Sache. Es ivar ihm ein wahres Herzensbedürfnis;, unsere Religionsgesellschaft in jeder Weise zu fördern, inum 'brr ni war ihm ein leitender Grundsatz. Daß das Gotteshaus in würdigem Schmuck dastehe, daß es im hellen Glanz elektrischer Beleuchtung erstrahle — dafür trug seine offene Hand Sorge. Aber auch DU2 widmete er sich dieser Aufgabe, es war ihm keine Zeit zu viel, persönlich die von ihm dotierten Neueinrichtungen zu leiten und zu überwachen. Ueberhaupt betheiligte er sich bei allen zu gründenden Institutionen unserer Gemeinde in hervorragender Weise, und nicht selten ergriff er sogar die Initiative zu denselben. Doch ein Amt in der Führung der Religionsgesellschaft zu bekleiden, dazu konnte ihn nichts bewegen, dafür war sein Gemüth allzutief von Bescheidenheit erfüllt. Nur ungesehen wollte er das Gute wirken. Und möglichst im Verborgenen übte er so auch eine umfangreiche und hochherzige Wohlthätigkeit. Jeder Anerkennung ging er geflissentlich ans dem Wege. Ein Schamgefühl be mächtigte sich zunächst seines Wesens, wenn man ein Dankeswort an ihn richtete, um dann einer entschiedenen Abwehr Platz zu machen. Durch Freunde ließ er Gaben au die Bedürftigen gelangen, die nicht wußten, wer der edle Spender war. Mit innerster Theilnahme ließ er sich die Verhältnisse der in Noth Befindlichen darlegen, und wenn ihm die Freunde zum Schlüsse den Beitrag nannten,, den sie von ihm erwarteten, so überraschte er sie häufig durch die Bemerkung: „Sie haben zu bescheiden gefordert; für diesen Fall gebe ick mehr." Besonders m\-v noif? zu unterhalten, ihnen ungestörte Hingebung an ihre heilige Aufgabe zu ermöglichen, aalt ibm als vornehme Pflicht, vca:a n*n n:n;n iw e’Tcn rapn Mnwar ein ihm tief in's Herz geprägter Satz. Und als ihm einst in der Gemoro die Stelle entgegentrat naia :y ,s" "jc;^ mrnn iw s" rrr bv da meinte er: „Dieses könnte man ja machen" und erfreute von nun ab mn mmi« auf die O’ö’ mit Wein. Täglich beschäftigte er selbst sick mit Thoralernen. Er batte eine yiap miw. Nicht minder aber beschäftigte er selbst sich mit min ma-b und was ihm beim „Lernen entgegentrat, das blieb nicht bloß todtes Wissen bei ihm, sondern er zpg daraus -Lehren-sür's, Leben up??, fefate GektaktzurW"'". Und der Sinn und Geist, den er hier schöpfte, er waltet anck in seinem Hause. Hier herrschte das harmonisckste Zusammenleben, mtrx u :rrc, seine Gattin, war ihm die Freude seines Lebens. Bon gleicher jüdischer Ge-

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