Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 44 (5.6.1901)
- Date
- 1901-06-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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984 Noch ist anzufügen, das; beim Mittagsmahl Herr Lehrer Schmal ein begeistert aufgenommenes Hoch auf König und Königin, die edlen Gönner unseres Vereins, ausbrachte. Weniger erbaut war dagegen die Versammlung von der Tischrede eines spät hinzugekommenen Gastes, der unsere Ideale, Tauroh und Awaudoh. höhnte und trotzdem unser Freund sein wollte. „Gott behüte uns vor unseren Freunden, vor unseren Feinden wollen wir uns selbst schützen," fiel uns dabei ein. Da die Versammlung deutliche Beweise ihres Mißfallens gab, fand der Ausschuß es nicht der Mühe Werth, zu entgegnen^ ZeitungSrrachrichte« und Eorrespondenzen. Deutschland. Berlin. Der dreißigste Jahrgang des statistischen Jahrbuchs der Stadt Berlin bringt wieder verschiedene Angaben über die jüdische Bevölkerung unserer Stadt, die von wesentlichem Interesse sind. Die Zahl der Geborenen weist keine große Veränderung aus. Es wurden im Jahre 3898 geboren (beide Eltern jüdisch) 3476 lebend und 36 todt. Mischehen: Vater jüd., Mutter evang. 93 lebend, 2 todt; Vater jüd., Mutter kath. 30 lebend; Vater jüd., Mutter sonstig 3 lebend, 3 todt; Vater evang., Mutter jüd. 76 lebend, 2 todt; Vater kathol., Mutter jüd. 34 lebend, 2 todt; Vater sonstig, Mutter jüdisch 9 lebend; uneheliche Kinder jüdischer Mütter 90 lebend, 5 todt. Die Kinder aus den Mischehen zur Hälfte den Juden zugerechnet ergibt eine Gesammtgeburtenziffer von 3667, fast genau, wie im Vorjahre, wo die gleiche Zahl .3674 war. Erfreulich ist die Abnahme der unehelichen Geburten, die damals 303, jetzt nur 90 betrug. Dieser Geburtenziffer steht an Sterbefällen bei den Juden gegenüber Erwachsenen 760, Kinder bis 36 Jahren 254, in Summa 3034, es bleibt mithin eine natürliche Vermehrung von 633 Seelen, wenig genug für fast 300,000 Personen. Die Sterbeziffer ist die niedrigste in Berlin seit zehn Jahren, aber nur die geringe Kindersterblichkeit bringt dies zuwege. Sehr stark ist der Rückgang der rein jüdischen Ehen. Es wurden Ehen geschlossen in 3898, beide Theile jüdisch 585, gegen 644 im Vorjahre; Mann jüdisch, Frau evang. 96, gegen 308 im Vorjahre; Mann jüdisch, Frau kath. 34, gegen 30 im Vorj.; Mann jüdisch, Frau sonstig 3, gegen 4 im Vorj.; Mann evang., Frau jüdisch 73, gegen 63 im Vorj.; Mann kathol., Frau jüd. 33, gegen 7 im Vorj.; Mann sonstig, Frau jüdisch 5, gegen 6 im Vorj. Mischehen überhaupt also 234 gegen 200 im Vorjahre. Mir sehen auf der einen Seite einen weiteren Rückgang der Ehen, bei denen beide Theile jüdisch sind, aber auf der anderen Seite Zunahme der Mischehen. — Frankfurt a. M. Dem stebenundzwanzigsten Jahresbericht der „Israelitischen Waisenanstalt" in Frankfurt a. M. entnehmen wir: Das abgelaufene Jahr weist für die Thätigkeit der „Israelitischen Waisenanstalt" wiederum einen Erfolg auf, der geeignet ist, uns mit Dank und Befriedigung Zu erfüllen. Von den 33 Zöglingen der Knaben-Abtheilung, die am Schluß des vorigen Jahres in derselben sich befanden, wurden zu Ostern sechs entlassen und traten in hiesige Geschäfte als Lehrlinge ein. Von den hierdurch erledigten Stellen wurden fünf durch Aufnahme dreier hiesigen und zweier auswärtigen Waisen besetzt. Somit genießen die Wohlthaten der Anstalt gegenwärtig 32 Zöglinge, die durch Schulunterricht wie durcb häusliche Erziehung für ihre zukünftige Bestimmung die geeignete Vorbildung erhalten. Die zu Ostern der Schule entwachsenen Zöglinge verblieben weiter in der Anstalt, wofür deren Kasse eine entsprechende Vergütung seitens des Moses und Clara Schiff-Fond zur Unterstützung verwaister Knaben für die Dauer ihrer Lehrzeit erhielt. Die Mädchen-Abtheilung zählt vierzehn Zöglinge, von denen die noch schulpflichtigen, mit Ausnahme einer Schülerin der höheren Töchterschule, die Israelitische Volksschule besuchen und im Hause, gleich den der Schule entwachsenen Zöglingen, der jeweiligen Altersstufe entsprechend, zweckdienliche wirthschafliche Anleitung erhalten. Wenn wir in dem vorjährigen Berichte angesichts der ungenügenden Raumverhältnisse des Hauses für die Knabenabtheilung von neuem auf die dringende Roth- Wendigkeit Hinweisen mußten, für die Herstellung eines Neubaues Sorge zu tragen, so sind wir durch eine hochherzige Schenkung in den Stand gesetzt worden, dieses llnternehmen nunmehr in Ausführung zu bringen. Nachdem bereits vor zwei Jahren durch die Munifizenz des Freiherru Wilhelm Carl von Rothschild s. A. und der Freifrau W. C. von Rothschild die Mittel zum Ankauf eines Grundstücks für den gedachten Zweck verwilligt worden, hat sich Freifrau Edmond von Rothschild in Paris bewogen gefühlt, zum ehrenden Andenken an ihren Herrn Vater s. A. auf dem von uns käuflich erworbenen Grundstück (Ecke des Röderbergwegs und der Waldschmidtstraße) den Neubau auf ihre Kosten errichten zu lassen. Gerne sprechen wir auch an dieser Stelle der edelsinnigen Gönnerin unserer Anstalt den ehrerbietigsten Dank aus, für die großartige Schenkung, die in gleich hohem Maße die kindliche Pietät und die Menschenliebe der Spenderin bezeugt. Möge der verehrten Frau im Verlaufe der Zeit neben dem lohnenden Bewußtsein, durch diese Gabe den den Waisenkindern durch die Anstalt vermittelten Segen beträchtlich vermehrt zu haben, auch die Freude zu Theil werden, die Früchte dieser Wohlthat in einem allseitigen Gedeihen der Anstalt und in der Tüchtigkeit ihrer Zöglinge reifen zu sehen.