Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 44 (5.6.1901)
- Date
- 1901-06-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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42. Jahrgang. Erste Anlage zu M 44 des „Israelit." Pädagogische A. $crtflmwluna isratlit. ^rtjrcr uni) ^uriäiip WkttkuibkW. (Protokoll vom 2k). Mai.) Vereinsvorstand S ch in a l — Ludwigsburg begrüßte die zahlreich erschienenen Vereinsmitglieder, soivic die Gäste: die Herren Rabbiner DDr. Kroner Kirchenrath, S t ö ß e l, Straßburger, Kahn- Eßlingen , Oberlirchenvorsteher M. H. G o l d - s ch m i d! und Kirchenvarsteher S ch w a b a ch e r. Sadaun gab der Vorsitzende den 1. Punkt der Tagesordnung bekannt: „Die Neuordnung der Kirchengesetze Württemberg." Er dankt dem Referenten Spatz für seine ersprießlicbe Thätigkeit in dieser Angelegenheit, bervorhebend, welch' günstigen Eindruck der vom Referenten gefertigte, vom Vereinsausschuß der Ober- Kirchenbebörde vorgelegte „Entwurf" gemacht habe. Referent Svatz — Affaltrach hebt hervor: Nachdem schon längst der Vereinsausschuß namens des Vereins zur schwebenden Frage Stellung genommen habe, könne es sich beute nur darum handeln, die Zustimmung der Generalversammlung Zu dokumentiren und nachzuweisen, welche Forderungen unseres Entwurfs in anderen Entwürfen wiederkehren, Stellung zu nehmen gegen vrinzipielle Verschiedenheiten in anderen Entwürfen. An der Hand der Geschichte der Aenderungsbcstrebunoen nües Referent nach, von welchen Gesichtspunkten -r sich bei Aufstellung seiner Grundsätze habe leiten lassen. In den Mer und Mer Jahren haben die Vortmals zeitgemäßen politischen Ideale die Revisiionsbestrebunaen in der Richtung von Gemeindeautonomie, Dezentralisation, Beamtenwahl :r. beeinflußt; im geeinten deutschen Reiche mit seiner starken Betonung militar'siisch-büreaukratischer Autorität zeigt sich der Rückschlag dieser Gesinnungen auf die Revisionsbestrebungen in der weniger allgemeinen Betonung der Gemeindeautorität, in desto stärkerer Betonung der setzt zeitgemäßen sozialen Forderungen. Dem sei im Entwurf Rechnung getragen. Die Versammlung nahm hierauf eine Resolution an, worin sie ihr Einverständniß mit dem Höherenorts vorgelegten Entwurf aussprach. Mit Genugthuung konnte der Referent sodann konstatiren, daß in vielen' Punkten Uebereinstimmung der ausgesprochenen Wünsche erzielt worden sei. Auch die umstrittenen Punkte, die besprochen werden, seien noch zu einer befriedigenden Lösung zu bringen. Insbesondere glaubte er, wird die Confessionsschule lebenskräftig erhalten werden, wenn di.e Oberkirchenbehörde aus Mitteln der Centralkirchenkasie Confessionsschulen (Volksschulen) relativ hoher unterstützt, als Religionsschulen und die Kirchendienste der Volksschullehrcr entschieden besser bezahlt, wie seither. An Stärkung der sozialen Stellung des Lehrerstandes muffen im Interesse der Erziehung alle Kreise arbeiten. Zu fordern sei u. a. auch, daß die wohltätigen Landesvereinc, deren Stützen die Lehrer auf dem Lande seien, Lehrer in ihre Ausschüsse wählen. Namentlich dieser Wunsch rief eine lebhafte Debatte hervor, an der sich die Herren Kirchenrath Dr. Kroner, Nt. H. Goldschmidt, Lehrer Prcßburger— Creglingen, der Referent u. a. betheiligten. Schließlich wurde beschlossen, die vom Referenten vorgelegten 12 Resolutionen dem Ausschuß zu überweisen und diesen zu beauftragen, dieselben zur gegebenen Zeit nach eingehender Durchberathung entsprechend zu verwerten. Der Vorsitzende dankte hierauf dem Referenten für sein Wort. Nach dem Mittagessen, bei dem Vorsänger Dreyf u ß — Heilbronn das Tischgebet prächtig oortrug, wurden die Vorträge der Herren D r e p f u ß und Heß — Ellwangen über Geschichte und Entwickelung des Shnagogengesangs resp. Ausbildung zum Kantorat gehalten. Herr Dreyfuß führte seine Zuhörer durch die Geschichte des Chasonus, zeigte, was unter echtem, altem, traditionellem Chasonus zu verstehen ist, kennzeichnete unter lebhaftem Interesse der Versamrnelten die verschiedenen Richtungen. Herr Heß wollte an der Hand der sog. „Steiger" d. h. der jüdischen Musik ureigener Skalen traditionelles Chasonus von fremden Melodien trennen. Seine praktischen Versuche — er hatte ein Notenblatt ausgegeben — waren äußerst interessant; vorausgesetzt, daß das Vorhandensein spezifisch jüdischer Skalen nachgewiesen ist, wäre die Methode, an der Hand dieser Skalen ureigene Melodien nachzuweisen, die einzig rationelle. Eine ausgiebige Debatte knüpfte sich an die beiden Vorträge, deren Eraebniß Herr Kirchenratb Dr. Kroner zusammenfaßte: 1. Vrofanmelodien gehören nicht in's Gotteshaus. 2. Der Vortrag sei würdig, einfach, schlicht und herzlich. Er muß zur Sammlung und zum Gebet antreiben.