Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-06-05 · Heft 44 (5.6.1901) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 44 (5.6.1901)
Date
1901-06-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449188--53491-2504161
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

S82 Mehr als zwanzig Jahre fungirte Salomon Hofheimer als Vorstand und nicht weniger lange die anderen Mitglieder der Verwaltung, fast nur bei einem Todesfall wurde eine Neuwahl vorgenommen und die Gemeinde fuhr sehr wohl unter der Leitung solcher erfahrener Männer, die bei einem nicht geringen Maße weltlicher Bildung fest an dem Althergebrachten hingen. Der Friede und die Einigkeit der Gemeinde L. war in der Gegend fast sprichwörtlich und während in der Woche jeder seinem Geschäfte mit Fleiß nachging, konnte man am Samstag Nachmittage die ganze Gemeinde. wie eine Familie, einträchtig in irgend einem Lokale oder Garten beisammen finden. Einer nur machte eine Ausnahme, das war Goppel Frank, ein sehr wohlhabender kinderloser Mann, der sich schon längst dazu berufen glaubte, die führende Stelle in der Gemeinde einzunehmen. Zuerst suchte er durch kleine Zuwendungen für Synagoge etc. auf seine Person aufmerksam zu machen, und als dieses den erwarteten Erfolg nicht hatte, fing er an, Opposition zu spielen, protestirte gegen jede Neuanschaffung für Schule und Gotteshaus, wenn dieselben auch noch so nöthig waren, beschwerte sich gegen die Einsteuerung und brachte es, was bis jetzt in der Gemeinde L. noch nie dagewesen, dahin, daß die Vorgesetzte Verwaltungsbehörde sich mit den Verhältnissen der Kultusgemeinde beschäftigen mußte: allein stets war Coppel Frank der unterliegende Theil. Das verstärkte seinen Haß so sehr, daß er sich auch gesellschaftlich und geschäftlich ganz von den übrigen israelitischen Ortseinwohnern abschloß. denselben geheim und öffentlich zu schaden suchte und schon längst weggezogen wäre, wenn ihn, wie er selbst zu sagen pflegte, nicht sein schönes Haus und seine gute Kundschaft reute, die er den andern nicht vergönnte. — So kam es, daß sich im Laufe der Jahre Coppel Frank den Namen Amalek, dieses Erzfeindes Israels, erworben hatte und mit demselben allgemein bezeichnet wurde; selbstverständlich, wenn er nicht anwesend war. Frank wußte zwar, daß er mit diesem keineswegs schmeichelhaften Narnen betitelt wurde, konnte aber, so lange dieser nicht öffentlich im Zusammenhänge mit seiner Perlon gebraucht wurde, nichts machen. Als aber Wolf Neis, eines der Kultusmitglieder, welchen er geschäftlich sehr geschädigt hatte, ihn vor Zeugen Amalek nannte, stellte er Klage und Wolf Reis wurde empfindlich gestraft. Die „Parschaß Sochaur," in welcher ja hauptsächlich von Amalek die Rede ist und die am Sabbat vor Purim gelesen wird, beginnt mit dem Tonzeichen „Sokef godaul'' auf dem ersten Worte. Das Sokef godaul ist ein kräftiger Brustton, geradezu wie geschaffen, um einem Feind was aufzubrummen und Wolf Reis konnte es sich nach jener Verhandlung nicht versagen, so oft er seinem Feinde begegnete, diesen Ton, ohne jede Vocalisirung, von sich zu geben. Da lies nun Frank von neuem zum Cadi, d. h. Landrichter und klagte wegen Beleidigung. Als der zur Verhandlung bestimmte Termin herankam, stellten sich fast alle israelitischen Bewohner L.'s dazu ein. Nach Formulirung der Klage und Vernehmung der Zeugen fällte der Gerichtshof das Verdikt, daß eS zwar Beleidigungen in Thaten und Worten, nie aber in bloßen Tönen gebe. Kläger wurde abgewiesen und zu den nicht unbedeutenden Kosten verurtheilt. Frank mußte nun das von ihm so gehaßte Brummen so oft hören, daß er schließlich — seine Verhältnisse erlaubten ihm dies ja — in die nächste größere Stadt übersiedelte. Mit seinem Weggange war der Friede in der Gemeinde wieder hergestellt: aber noch heute erinnert sich Mancher beim Lesen der „Paschos Sochaur" an den schon längst verstorbenen „Amalek." Der „JSraelit" erscheint wöchentlich iwelmnl, Montag« and Donner«tan, jcMnt h Mindeste»- zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Ma» abvnnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehme» Bestellungen an. — Vrv Buchhandel verkehrt durch V. Zf. StrinarArv, Leipzig, Notzplah )S. — Inserate 25 Pfennig die dtergespalteu» Pettlzelle »der deren Raum. Preis der Zelle im Reelametheil 75 Pfennig. — Di recte FrancozrHendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Mark oder 16 Kronen österr., fnr'S AnSland 1« Mark, an die Expedition franco eiusenden. Postzeitungsliste 3708. Telephon SIS. Eine Rüekfendnng der an die Redaettou eingesandte« Manuskripte findet nicht statt, »an kittet daOhassh» sich von alle« Ginfendnngea eine Eopie zmrückzubehatte». Etellenfnchende erhalten auf Wunsch die Jnseraten»Beilage vier Wochen lang gratis »nd frane» tznaesandt. Ontf» stunden wir auf Wunsch die Zahlung deS JnsertionSbetragS an anher Gtelle Befindlich» hist nach Grilangung einer solche». ~ Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Bou Rabbi bis Rah Aschi und Rabina. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Hannover. AuS Bayern. Oesten.-Ung. Monarchie: Wien. Frankreich: Paris. Rumänien: Bukarest. — Feuilleton: Amalek. Inhalt der ersten Beilage: Pädagogisches: Versammlung israelit. Lehrer und Vorsänger Württembergs. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Verlm. Frankfurt a. M. Altona. Molsheim i. E. England: London. Rußland: PererSburg. — Personalien: Frankfurt a. M. Aschaffenburg. — Vermischtes. Pädagogische Beilage: „J'accuse." — Jüdische Oberlehrer an den höheren Lehranstalten Preußens. Extra-Beilage: „Sprüche der Väter." Verantwortliche Redaction OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Berlag der 3oh. Wtrth'scheu Hofbuchdruckerei Actien-Gefellschast in Mainz. Hierzu drei Beilage«. mmmasm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.