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Der Israelit · 1901-06-05 · Heft 44 (5.6.1901) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 44 (5.6.1901)
Date
1901-06-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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991 feit, welcke die „I. K. A." durch ihre, den gegebenen Verhältnissen Rechnung tragende und zielbewußte Organisation der israelitischen Auswanderungen aus Rumänien entwickelt, hat bei der bildungslosen großen 'Jjiflfe des moldauischen Judenthums die allerdings unrichtige Ueberzeuguug bervorgernfen, daß für dieses Jahr ein allgemeiner Exodus stattfiuden werde. Auf diese Annahme hin wurden in außerordentlich zahlreichen Fällen die letzten Reste der ärmlichen Haus- und Gewerbeeinrichtung veräußert, um nur im Augenblick des Aufrufes zur Auswanderung völlig reisebereit zu fein. Außerdenr wurden nach dem Abgang der ersten von der „Jewish Kolouis.-Association" ausgestatteten Aiismandercrgruppeu abenteuerliche Gerüchte in Umlaus gesetzt, wonach in Amerika und Europa für die Auswanderung der Juden aus Rumänien viele Millionen gesanuuelt tnorden sein sollen. Unter diesen Umständen hielten es Biele für überflüssig, sich weiter um einen Lebenser>verb in Rumänien umzusehen, >vas freilich bei der gegenwärtigen allgemeinen Gewerbestockung tvohl nur ganz ausnahmsweise von Erfolg begleitet gewesen märe. Aber abgesehen davon, daß aus diese Weise Tausende, welche auswandern wollten, le diglick auf die Unterstützungen der israelitischen Wohl thätigkeitsvereine im In- und Auslande angewiesen ioaren, aelvöbnte üch das in der oberen Moldau besonders zahlreiche israelitische Proletariat auch sehr bald daran, Re Gewährung dieser Unterstützungen als eine Pflicht anzusehen und, als die Gelder für die geträumte Massenaus'oand-nung ausblieben, die mit der „Alliance israelite" ,>nd de'' „I. K. A." in Verbindung stehenden einheimischen. Aohlihätigkeitsvereine einer Außcrachtlassung ihrer Vervslichtungen zu beschuldigen. So ist es namentlich vw beul Vereinslokale der Jasfyer Ziouistenloge gi drohenden Kundgebungen erwerbsloser, israelitischer Arbeiter gelommen, deren Belehrung über den wirtlichen Stand der Dinge einerseits durch die surchtbare Rothlage, andererseits durch die jeder Hetzerei zugängliche Bildnngslosigkeit der unsäglich armen Leute außerordentlich erschwert wird. Die Herren Auerbach und Aspruch. die Bevollmächtigten der „All. Jsr." und der „I. K. A.", sind neuerdings in der Moldau angekommen, und ist es auch nicht zu bezweifeln, daß die Berichte dieser um die Linderung des Elends der armen rumänischen Judenschaft sehr verdienten Vertrauensmänner die Thätigkeit der von ihnen vertretenen großen israelitischen Humanitätsinstitute vorwiegend aus Rumänien richten werden. Aber es würde unrichtig sein, wenn man die Beseitigung der Rothlage unter den rumänischen Israeliten von deaen Auswanderung erwarten wollte. Denn zu Kolonisationszwecken lönnen ja doch nur die jüngeren kräftigen Männer, ohne größeren Familienanhang, herangezogen werden, ganz abgesehen von den unaufbringbaren Kosten und anderen Umständen, welche sich einer israelitischen Massenauswanderung aus Rumänien in iiberseeische Länder hindernd in den Weg stellen. Weit verläßlicher und leichter durchführbar würde es sein, wenn das Hauvtaugenmerk der großen israelit. Humanitätsvereine des Auslandes sich darauf richten würde, durch die Gründung und Erhaltung von israel. Volks- und Gewerbeschulen gegen die allgemeine Bil dungslosigteit und die geringe gelverbliche Ausbildung onzukämpfen, welche ungleich mehr als die politische Rechtslostgkeit des rumänischen Judenthums das soziale Elend erklärt, in welchem die große Masse seiner Angehörigen verkümmert. Feuilleton. Ain öl 1? 6. Kirrnoreske von Jlou Berod. Einst besuchte Julius Cäsar eine kleine italienische Stadt, in welcher eben die Wahl eines Stadtoberhauvtes vor sich gehen sollte. Einer aus seinem Gefolge äußert? sich spöttisch über das an den Trag tretende Bestreben. den Ehrgeiz, Vorsteher einer solchen kleinen Gemeinschaft zu sein. Julius Eäsar aber gab ihm zur Antwort: „Ich will lieber hier der Erste sein, als in Rom der Zweite."' Solche Vorgänge, wie sie im grauen Alterthum sich abspielten, lviederholen sich heute noch, besonders in üeinen, ländlichen Kultusgemeinden. Wie wird da wochenlang vor der Parnaßwahl agitirt, wie oft werden Jntriguen gespielt, um den bisherigen Inhaber dieses unbezahlten, aber auch oft unbezahlbaren Postens zu beseitigen und einen anderen an dessen Stelle zu setzen. Ebenso inirb mit den Stellen des Caffiers, der gewöhnlich zweiter Vorstand ist, des Hekdesch gabbai und der Chebro-Borstände verfahren, und oft hat der Ausgang einer solchen Wahl einen tiefen Riß in sonst friedliche Gemeinden geristen und cs bedurfte einer Reihe von Jahren, bis die Kluft überbrückt und das frühere Einvernehmen wieder hergestellt war, der persönlichen Feindschaft zwischen denen, die „etwas geworden," und denen, die „etwas werden wollten," gar nicht zu gedenken. Gibt es doch .Kultusgemeinden, wo die Chargen sozusagen im Turnus umgehen und fast jedes der Gemcindemitgkieder sie begleitete. Die .Kultusgemeinde Lendersdorf machte da eine rühmliche Ausnahme. Aus zwanzig intelligenten und größtentheils wohlhabenden Mitgliedern bestehend, mit schönen .Kultusgebäuden und ansehnlichen Stiftungskapitalien ausgestattct, befanden sich in ihr die sämmtlichen Chargen in festen Händen.

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