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Der Israelit · 1901-06-05 · Heft 44 (5.6.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 44 (5.6.1901)
Date
1901-06-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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9-7A mehr vorhanden wären, welche die Smichah, die Autorisation als oberste Gesetzeslehrer, im Heiligen Lande erhielten. Nur solche im Heiligen Lande Autorisirten haben, wie schon oben gesagt, das Recht, Monatsbeginn und Schaltjahr zu bestimmen. Wenn wir die Kalenderberechnung auch auf's Veste verstehen, so hat die Be rechnung leine Giltigkeit, wenn die nach dieser Berechnung fallenden Monatsbeginne und Schaltjahre nicht von den hervorragendsten Männern, die im Heiligen Lande die Smichah erhalten haben, geheiligt und bestimmt sind. Es ist eine wunderbare Fügung, daß auf diese tiefe Nacht eine kurze Zeit Hellen Lichtes folgte. Der judenfreundliche Kaiser Julian, der ganz anders wie sein Bruder Gallus geartet war, folgte im Jahre 861 dem Konstantins auf dem römischen Throne. Unsere großen Lehrer benutzten sofort die glücklichen Umstände, welche ihnen gestatteten, wieder einen Akt der größten Öffentlichkeit zu vollziehen. Im ersten Regierungsjahre des Kaisers Julian, im Jahre 570. der Aera Eontractorum nach der Ueberlieserung der Geonim, bestimmte und heiligte Rabbi Hillel, Sohn des R. Juda Ressia III., mit den ihn umgebenden Gelehrten alle Schaltjahre und Monatsbeginne, die nach der überlieferten Berechnung fallen, bis zur Zeit der Erlösung, die der Allgütige uns bald senden möge. Durch diese That des Naßi Hillel II. mtb seiner großen Genossen ist es uns möglich, die heiligen Festtage in richtiger Weise zu feiern. Durch diese Bestimmung und Heiligung der Monate und Jahre bis zur Zeit der Erlösung, wo wieder d'Oiöd (Smuchims im Heiligen Lande ernannt werden, hat erst unser Kalender seine Giltigkeit. Kaiser Julian regierte nur 18 Monate; nach dieser Glückszeit nahmen die Verfolgungen in Palästina ihren Fortgang und bald war das Befürchtete eingetroffen, und es gab keine Thoraschulen mehr im Heiligen Lande. Wer Sachkenntnis; besitzt, ersieht aus dieser Darstellung, daß Halevy eine Reihe alter und großer Schwierigkeiten bezüglich der Geschichte des jüdischen Kalenders in bewundernswerther Weise löst. Die betreffenden Beweise und Ausführungen des Meisters müssen im Original gelesen, um voll und ganz gewürdigt zu werden. Wir wollen durch eine kurze Wiedergabe der Beweise und der harmonischen Vereinigung der zahlreichen hier sich oft scheinbar widersprechenden Talmudstellen — wie es hier nicht anders möglich ist — die durchschlagendeBeweiskraft derWorte Halevy's nicht abschwächen. Wir haben nur die neugefnndenen Thatsachen zusammengestellt, um einerseits möglichst schnell ein größeres Publikum mit denselben bekannt zu machen: andererseits aber auch, damit sich in Zukunft Niemand mehr von den—modernen jüdischen Gesckichtsverdrehern. wie Grätz und Weiß, den Unsinn Vorreden läßt, daß bezüglich des Kalenders Kämpfe und Jntriguen zwischen unseren großen Meistern in Palästina spielten, und Streit und Krieg zwischen den Hochschulen in Babylonen und Palästina gewesen sei. Bei diesem Gegenstand offenbart sich das Lächerliche der modernen jüdischen Geschichtsbauerei in vollem Maße. Wir möchten unseren heutigen Artikel, der so Wichtiges zum Gegenstände hatte, mit etwas ausgesucht Schönem beschließen, deßhalb setzen wir hierher eine Uebertragung der herrlichen Worte, mit denen Halevy Abschied nimmt vom Lande der Väter, nachdem er mit dem großen Werke Rabbi Hillel's und seinen Genoffen, das letzte bedeutende Ereigniß in Palästina, während der Epoche der Amoraim geschildert hat. Folgendes sind Halevy's Abschiedsworte: „Wir trennen uns jetzt von unserem geliebten Lande, das von jenen Tagen an aufhörte, seinen Kindern die Mutterbrust zu bieten. Mit gebrochenem Herzen ziehen wir heraus aus unserem Lande und den heil. Staaten, die wohl ihren Platz behaupteten jeglichem verheerenden Sturme gegenüber von Seiten gewaltthätiger und despotischer Herrscher, die aber dem verderbenbringenden Geist des Fanatismus nicht Stand halten konnten. Dreihundert Jahre gingen dahin, seit Titus und seine Legionen den Tempel und die Städte Judäas zerstört hatten; doch die Söhne Juda's überwanden die furchtbarsten Mühseligkeiten und hielten ihre Fahne hoch in ihrem Lande. Der Feind trat sie nieder und zerfleischte sie, doch zwischen seinen Zähnen gewannen sie das ewige Leben. Alle Söhne der Diaspora sonnten sich in ihrem Glanze. Dann aber kamen die christlichen Geistlichen, die um das Geheimniß ihrer Erhaltung wußten, sie zogen die Schutzdecke Juda's fort und zerstörten alle Stätten, wo man sich zu Ehren Gottes zusammenfand. Damals wurden ihre Helden zersprengt, sie hatten keinen Zufluchtshafen und keinen Ruhepunkt mehr. Der Geist, der dem Volke im Heiligen Lande Leben gab, wurde ihnen genommen, unstät blieben nur Vereinzelte übrig und bald war auch deren Stimme völlig verstummt. Israels Haffer glaubten damals, Israel bis zum Grunde entwurzelt zu haben, das Volk wie seine Lehre. Das erreichte Ziel machte sie übermüthig; alle Brunnen hatten die Philister verstopft, welche die Gottesdiener gegraben. Doch ihre Berechnung war falsch. Israels Lehre ist keine Cisterne, die man mit Erde ausfüllen kann. Sie ist '.in lebendiger Duell, der von ringsher angegriffen, in die Tiefe dringt, seinen Weg unter der Erdoberfläche findet und plötzlich auf einer anderen Seite heransbricht, mit starkem Strahl hoch aufsteigt und wiederum vielem Volke neues Leben gibt. Der Schutz für die Gotteslehre und für die Nation in ihrer Gesammtheit war in Babylon schon gut vorbereitet. Dort waren damals für die Juden - ruhige, glückliche Zeiten. Die Verjagten und Verfolgten vereinten sich mit ihren Brüdern und auch die ersten Gelehrten des Landes Israel wurden wieder zu reichen

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