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Der Israelit · 1901-06-05 · Heft 44 (5.6.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 44 (5.6.1901)
Date
1901-06-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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976 kündigen. Nach dem Tode Rabbi Akiba's, als die Meister der Tbora in Palästina in unerschüiierlicher Glaubenstreue gleich ihm den Tod gefunden hatten, oder, wie die Schüler seines Alters, sich verborgen hielten oder flüchtig gingen, wurde wahrscheinlich noch einige Zeit der Kalender im Auslande, vornehmlich in Babylonien, bestimmt und verkündigt. Doch unseren großen Lehrern bereitete es tiefen Schmerz, daß das Heilige Land nicht mehr der Mittelpunkt und Ausgangspunkt der Thora für das zerstreute Israel sei, und kaum, daß die schwärzesten Wolken sich verzogen hatten, da versammelten sich sieben Gelehrte: Rabbi Meir, R. Juda, R. Jose, R. Simon. R. Nechemia, R. Elieser ben Jakob und R. Jochanan Hasandlor in der Ebene Bet-Rimon, um der Thora wieder ein Stätte im Heiligen Lande zu gründen; und ihr Erstes, da sie sich nach schwerer Noth wieder .zusammengefunden, war, ein Schaltjahr zu berechnen und zu bestimmen, sowie zugleich feierlich zu verkündigen. Ein anderer, älterer, bedeutender Zeitgenoste von ihnen, der von der Versammlung in Bet Rimon und der in der Zwischenzeit erlangten hohen Bedeutung der dort Versammelten nichts wußte, Chananjah, ein Brudersohn Rabbi Josua's glaubte, daß er die Aufgabe und Pflicht habe, gleich Rabbi Akiba, in Babylonien den Kalender zu bestimmen und zu verkündigen. Genossen des Chananjah waren die Tanaim Rabbi Nathan und Rabbi Jizchak. Zu ihnen schickte man von Palästina zwei Gelehrte, R. Jose ben Kippur und den Enkel des Secharjah, ben Kebutal, mit drei Briefen. Im ersten Brief wurde die hohe Bedeutung Chananjah's anerkannt, im zweiten die Mittheilung gemacht, daß die Zicklein, die Chananjah zurückgelasten, zu Böcken herangewachsen seien, im Bilde, daß die dem Chananjah bekannten Schüler zu bedeutenden Meistern geworden seien; der dritte Brief enthielt die ernste Mahnung, in Zukunft die Kalenderbestimmung allein den Weisen des Heiligen Landes zu überlassen. Nach einer lebhaften Diskussion, bei welcher die babvlonischen Gelehrten Rabbi Nathan und Rabbi Jizchak die Boten aus dem Heiligen Lande kräftig unterstützten, fragte Chananjah bei R. Juda ben Bethora in Nisibis um Rath. Auf die Antwort N. Juda's hin, daß er sich fügen müsse, wenn es sicher sei, daß die Gelehrten Palästina's zur Kalenderbestimmung befähigt seien, bestieg Chananjah selbst ein Pferd, um möglichst schnell überallhin die Botschaft kommen zu. lasten, daß man seine eigene Kalenderbestimmung aufgeben müsse, um sich nach der allein ailtigen der Gelehrten Palästina's zu richten. Von jetzt ab wurde der Kalender noch 150 Jahre ungestört von den Gelehrten Palästina's und dem Naßi bestimmt.' Nur zweimal scheint die feierliche öffentliche Bekanntmachung des Schaltjahrs im Heiligen Lande nicht möglich gewesen zu sein, einmal unter Rabbon Simon ben Gamliel, als R. Meir zu diesem Zweck nach Asia geschickt wurde, und dann unter R. Jochanan, als ebenso zwei Gelehrte nach Asta gesandt wurden. In beiden Fällen batte die Berechnung und Bestimmung des Schaltjahres im Heiligen Lande durch die dazu berufenen Autoritäten stattgefundcn. Die Verhältnisse änderten sich erst, als unter der Regierung Konstantin's das Christenthum im römischen Reiche Staatsreligion geworden war und die Juden Palästina's so zu leiden hatten, daß viele Gesetzeslehrer, wie die großen Schüler R. Jochanan's, nach Babylon gingen. Wegen des Osternstreitetz hatte die siegreiche Partei der christlichen Kirche ein Interesse daran, die Bekanntgabe der jüdischen Kalenderbestimmung zu stören, und war inan einmal gezwungen, nach Babylon in ganz dunkler Weise die Nachricht von der Einsetzung eines Schaltmonats gelangen zu lassen. Wahrscheinlich wurde es bald unmöglich. Boten mit Nachrichten über die .Kalenderbestimmung in's Ausland gelangen zu lassen und die Gelehrten Palästina's beschlossen, wohl jedesmal Monat und Schaltjahr in alter Weise zu bestimmen und zu verkündigen, dabei aber sich streng an die überlieferte Berechnung zu halten, ohne sich bezüglich der Monate von dein Erscheinen der Mondzeichen. bezüglich des Schaltjahres von den Witterungs- Verhältnissen u. A. in Palästina beeinflussen zu lassen. Es geschah dieses, damit die Lehrer der jüd. Diaspora kht"i ’pwären, d. h. sich auf die überlieferte Kalenderbercchnung verlassen konnten, ohne befürchten zu müssen, daß der oberste Gerichtshof in Palästina je nach Umständen Monate und Jahre anders bestimmt hätte. Sie konnten sich darauf verlassen, daß Monate und Jahre streng nach dieser Berechnung die nothwen dige gesetzliche Giltigkeit durch Monatsheiligung und Verkündigung des Schaltjahres von Seiten der allein dazu autorisirten Gelehrten Palästinas erhalten hatten. Damals war es auch, daß man die außerhalb Palästina's lebenden Juden ermahnte, ja streng an der Feier des zweiten Feiertags festzuhalten, wenn auch jeder Zwe'Eel in der Fessbeslimmung für sie ausgehört hatte. Diese wichtige Einrichtung fand statt gegen Ende der Zeit des R. Joseph und Anfang der Zeit, wo Abaja in Babnlonien Schuloberhaupt wurde. Es ist dieses rim 320 bis 325 der gewöhnlichen Zeitrechnung, unge fäbr die Zeit des Coneils von Niraea, wo in der christlichen Kirche die Partei siegte, welche sich bezüglich der Ostern nicht nach der jüdischen Berechnung richten wollte. Doch die Verhältnisse der Juden in Palästina lvurden immer trauriger. Als Gallus, derMitkaiser des Konstantins, in Antiochia residirte, erdichtete man sich eine Empörung der Juden und nahm Dieses zum Vorwand einer furchtbaren Judenverfolgung, bei der die Städte, welche Hauptsitze der Thoralehre waren, zerstört wurden. Eine Panik ergriff die Ueberleben den und in Sckaaren verließen die Gelehrten das Land. In dieKn furchtbaren Jahren erwachte die Befürchtung, daß eine Zeit kommen könne, wo keine Tborasckmlen in Palästina mehr existirten und dadurch keine Gelehrten

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