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Der Israelit · 1901-06-03 · Heft 43 (3.6.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 43 (3.6.1901)
Date
1901-06-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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968 erfolgte, bietet nach dieser Seite eine befriedigende Garantie für dieses Vertrauen. Das Rabbinat. welches 30,000 jüdische Seelen zahlt, ist schon seit achtzehn Jahren unbesetzt. Man kann sich leicht denken, daß in diesen langen Jahren sich Vieles angesammelt hat, das der Erledigung durch eine entschiedene, von Weisheit und Gottvertrauen geleitete Hand, wartet. In Drohobycz allein befinden sich 38 en-re ts, die leider verwaist sind, weil der Strom der Zeit ihnen die Meister und Jünger der Thora entrissen hat. Ihre Reorganistrung allein fordert einen ganzen Mann für sich. Nicht minder wichtig ist die Riesenaufgabe, welche die Einführung eines geregelten Jugendunterrichtes an den neugewählten Oberrabbiner stellt. Der Religionslehrer am Realgymnasium entweiht öffentlich den Sabbat und verletzt die Speisegesetze, sämmtliche jüdische Schüler schreiben am Sabbat! Was Wunder, wenn die unter einem solchen Beispiel Heranwachsenden Gymnasiasten dem Judenthume entfremdet werden. Diese Unkenntnis; und Entfremdung des Judenthums, die sie aus der Schule mit hinaus in's Leben nehmen, steigert sich dort zu instinktivem Haß und ausgesprochener Feindschaft gegen alles spezifisch Jüdische. Die rr'.n .2 sind in Folge dessen Gegenstand der Geringschätzung und thatsächlicher Verachtung. Um diese Verkennung nicht auf ihre Kinder zu übertragen, lassen daher viele Chassidim ihre Kinder das Gamnasium besuchen und sich ihre Bildung daselbst mit n^pr aneignen. Gewissenhafte Rabbiner, die den Geist des Abfalles in feiner ganzen unheilvollen Tragweite zu würdigen wissen, wie er von den 20,000 Gymnasiasten, die gegenwärtig die galizischen Gymnasien besuchen, in die ganze galizische Judenhcit getragen wird, suchen die Jugend vom Gymnasialbesuch zurückzuhalten und unternehmen daher keinen Schritt, um dem rzv b'h'r, zu steuern, welchen die Gymnasien von ihren Schülern fordern. Sie fürchten den religiösen Abfall, der von den Gymnasien ausgeht, auch ohne Rücksicht auf die Sabbatschändung daselbst, und möchten nichts zur Legalisirung dieser Institutionen beitragen, indem sie einen Schritt zur Aufhebung des Schreibzwanges thun. Das sind nun einige der Komplikationen und Gegensätze, an welchen das jüdische Leben in Galizien krankt. Sie begegnen einem auf Schritt und Tritt und erfordern den vollen Einsatz einer hingebenden Kraft, erfordern die Mitwirkung alles Gutgesinnten und erfordern in erster Reihe den Beistand Gottes zur Bewältigung aller Hindernisse und Sckwierigkeiten, die sich dem redlichen Streben rw.'1? n-cyn entgegenstellen. Wir begrüßen daher aus bewegtem Herzen die Wahl des Herrn Rabbiner Dr. Jung als den ersten, vielversprechenden Schritt einer Wendung zum Bessern. Mögen sich alle Hoffnungen und Wünsche, welche die Vertreter des orthodoxen Judenthums an diese Wahl knüpfen, in schönster Weise verwirklichen. Dem Gewählten Herrn Oberrabbiner selbst rufen wir aus voller Seele die Worte des königlichen Sängers zu: bx 2Z~\ nte "pTii nz: -p T;n .-rL" TmNt; “um p”x rr;>i nrx Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 31. Mai. Wir erhalten folgende Zuschrift: A u r i ch , 30. Mai. Löbliche Redaktion! In Rr. 22 des „Jsr. Familienbl." wird die „Halbbildung des Lehrers" wieder aufgewärmt. Ich glaube nun. daß es Ihnen von Werth sein dürfte, wenn ich erkläre, durch jenen Artikel des Herrn Salln Geis in meiner Standesehre als Lehrer nicht beleidigt worden zu sein: ich hatte vielmehr das Gefühl, daß die ganzen Darlegungen einem Herzen voller Wohlwollen gegen die Lehrer entsprangen. Dasselbe erklärte mir gegenüber noch gestern mein Rachbarkollege Gottschalk- Esens. Ich vermnthe, daß die letzten Eiferer in Rr. 22 des Hamburger „Jsr. Familienblattes" den Artikel des Herrn Gei? nicht einmal gelesen haben und den Passus, in dem die Beleidigung gefunden »»erden soll, gar nicht im Wortlaut kennen. Solche Aufbauschungen führen zu z:r r.x:-", und wir haben in der jetzigen Zeit »och in der That Ursache genug, keinen Riß im eigenen Lager aufkommen zu lassen. Halten Sie bitte doch einmal Umfrage bei den Lehrern Ihres Leserkreises und suchen Sie festzustellen, wer sich denn eigentlich beleidigt fühlt und worin die Injurie gefunden wird. Hochachtend B. Wolfs. Lehrer. Wir danken dem Herrn Wolff für seine Erklärung; nachdem wir aber eine so große Reihe von freudigen und zustimmenden Zuschriften zu dem Artikel des Herrn Geis aus Lehrerkreisen erhalten haben, von denen wir ja auch schon eine ganze Anzahl veröffentlichen, halten wir eine Umfrage bei den Lehrern unseres Leserkreises wahrlich nicht mehr für nothwendig. Was nun die Ergüsse des Hamburger „Familienblattes" betrifft, durch die dasselbe sich den Lehrern gegenüber als Beschützer vor dem bösen „Israelit" aufzuspielen sucht, so ist diese Art von Abonnentenfang doch schon etwas zu sehr abgebraucht, um noch irgend welche Wirkung zu erzielen. Das Familienblatt scheint die Intelligenz der jüdischen Lehrer sehr niedrig einzutaxiren, daß es sich von diesem Tric etwas verspricht. Red. d. „Israelit." Baden. Der Leitartikel „Ein Wort an den jüd. Lehrer" von Herrn S. Geis, Frankfurt a. M., in Nr. 31 des „Israelit", ist nach meiner Meinung

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