Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 43 (3.6.1901)
- Date
- 1901-06-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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966 „Rebb Koppel," sagte er bebend, „ich weiß den Gannef von Eurem Schild!" „Du weißt," fiel Rebbe Koppel ein, „wer? — sag' wer?" — „Ich verlange aber anderen Lohn, als drei Diktaten." „Verlange was Du willst, sag' mir nur den Schuft!" „Ich verlange Eure Tochter zur Frau!" „Hier hast Du sie, nenn' mir nur den Lump!" „Ich war es!" Rebbe Koppel erhob seine Hand zum Schlage! „Rühr' meinen Ehesten nicht an, Vater," sagte Judith! „Es harrt so geknarrt, es hat so geknarrt," fiel Rebbe Eisik, am ganzen Körper zitternd, ein. „Was. mein Schild geknarrt!? Und was yeht's Dich an, wenn mein Schild knarrt? Du . . ." Unter den größten Schwierigkeiten und unter den aufregendsten Scenen erklärte Rebbe Eisik, wie er zur Hinwegnahmc des Schildes veranlaßt wurde. Doch allmählich machte die Aufregung einer heiteren Stimmung Platz und die Erklärung endigte damit, daß Eisik und Judith sich in die Arme fielen und der Schammes seinen Segen ertheilte. Rebbe Eisik erhielt nun ein anderes Zimmer angewiesen, wo er nicht nur seine Sidroth, sondern auch seine Ebeißne-Droscho lernen konnte, ohne durch das Knarren eines Schildes belästigt zu werden. Wochen-Walcnükr Freitag, 7. Juni. 20. Simau, Sabbal Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Min. Samstag, s. Juni, 21. Sitvan, 'j ,-jntym Sabbat Ansgang in Mainz n Frankfurt a M. 9 Uhr 60 Rlin. - Berlin 9 Uhr 26 JJiiit — München 9 Uhr - Min. - Hannover 9 Uhr 36 Min. — Stuttgart 9 Uhr 20 Min. — Prag 9 Uhr 0> Min. - Straßburg 9 Uhr 20 Min. - Posen 9 Uhr 15 Min. Der „I » raelit" erscheint vSchentlich nrelmal, Montafi and Donnerstage, 1» mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend Häher. Man abonnirt ganzjährticy, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Vuchhandrl verkehr! durch V. 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Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Eine Wendung zum Bessern in Galizien. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen : Deutschland: Mainz. Aus Baden. England: London. Norwegen: Christiania. — Vermischtes. Extra-Beilage: „Spenden-Verzeichnisse." Verantwortliche Redaction Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der 3oh. Wtrth scheu Hofbuchdruckerei Actien-Gefellschast in Mainz. Hier)« drei Beilagen. „So was thät ich mir nit gefalle laste," stachelte Schimmeche, ein bekannter Hetzer u. s. w. Rebbe Koppel war außer sich, alle Schimpf- und Fluchwörter, die er sich in den langen Jahren seiner Praxis angeeignet hatte, entfuhren seinen röthlich umrahmten Lippen und in seinem Eifer engagirte er um fünf Albus zwei arme Vachurim, die die ganze Nacht vor seiner Thüre Mache stehen sollten, damit, wenn etwa wie vor acht Tagen, das Schild des Nachts wieder aufgehängt werden sollte, sie den Betreffenden abfassen und bis zum andern Morgen gefangen halten sollten. Über die Zwei standen vergeblich die ganze Nacht auf Posten. Niemand ließ sich blicken und am kommenden Sabbatmorgen starrten die zwei Eisenstangen noch ebenso leer wie am Abend in die Welt hinaus. Der Schammes konnte die ganze Nacht vor lauter Aufregung kaum schlafen, und als er am andern Morgen das resultatlose Bemühen der gemietheten Jünglinge erfuhr, kannte seine Wuth keine Grenzen. Rebbe Kovpel >var kein Bal Nichesch, aber das Schild, das sich von seinen Urahnen auf ihn vererbt hatte, durfte nicht abhanden kommen. „Drei Dukaten dem, der mir den Gannef von mei Schild sagt," schrie er Jedem, der ihm in den Weg kam, entgegen und außerdem ließ er diese Preisvertheilung noch durch den Unter-Schammes in der ganzen Khillo bekannt machen. Rebbe Eisik war in der furchtbarsten Verlegenheit. Die ganze Nacht schaute er versteckt hinter seinem Vorhang zu seinem Fenster hinaus, um in einem unbewachten Moment das Schild wieder an seiner Stelle zu be festigen, aber vergebens. Di.' zwei Vachurim verwandten kein Auge von der inkriminirten Stelle und er mußte das Schild in seinem Schranke ruhen lasten. Den ganzen Sabbat lief er rastlos in den kurfürstlieben Gärten und Parkanlagen herum; endlich gegen Abend schien er zu einem Entschluste gekommen zu sein. Nachdem Rebbe Koppel Hawdahlah gemacht, ging er auf diesen zu.