Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 43 (3.6.1901)
- Date
- 1901-06-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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MWMMMWMWMLM! ■ü’r&wur' i.vm*r*r- 963 läßt, wenn sie auch nicht allen begründeten Anforderungen genügen. Für viele Einzelstaaten enthalten sie eine wesentliche Verbesserung, für keinen eine Verschlechterung der Zustände. Inwieweit diese Vorschläge mit den Vorschriften des Svllcibus übereinstimmen, soll hier nicht untersucht werden. Es braucht auch nicht geprüft zu werden, ob die katholische Kirche dort, wo sie nicht in der Minderheit ist, sondern herrscht, nach den Grundsätzen handelt, die das Eentruni jetzt befürwortet. Wir nehmen das Gute, von wem immer und aus welchen Gründen es auch geboten werde. Und desihalb wünschen wir, daß der Entwurf Gesetz werde, ohne zu verkennen, das; auch dann für die Freiheit des Vekenntniffes und die Gleichberechtigung der Konfessionen noch vieles zu wünschen übrig bleibt." Sinttgart, 29. Mai. Im Hotel Westheimer tagte die Plenarversammlung und die freiwillige Conferenz der Mitglieder des „Unterstützungvereins israelit. Lehrer und Vorsänger Württembergs," wozu sich auf Veranlassung der kgl. israelitischen Oberkirchenbehörde die Herren Kirchenrath Dr. Kroner und Obervorsteher Goldschmidt einfanden. Anwesend waren auch die Herren Rabbiner Dr. Stößel, Straßburger und Kahn- Eßlingen. Im Vordergrund des Intereffes stand der Dortrag oes Herrn Lehrers Spatz über: „die Neuordnung des israelitischen Kirchenwesens in Württemberg," wobei die bistorische Entwickelung der kirchlichen und Rechtsverhältnisse der Juden in Württemberg klargelegt und in interessanter Weise gezeigt wurde, wie auch die jeweiligen politischen Verhältnisse Einfluß aus die Stimmung der führenden Geister übten. In jüngster Zeit gab bekanntlich die Eingabe des Ulmer Lesevereins den Anstoß zu einer umfasienden und tiefgehenden Reorganisation, welcher Ministerium, Landtag und isr. Oberkirchenbehörde wohlwollend gegenübersteht, und auf umfassendste Umfrage letzterer Behörde sind über hundert Eingaben seitens der Gemeinden, Vereinen und Privaten eingelaufen, deren Sichtung und Berücksichtigung die Behörde vor eine äußerst schwierige Aufgabe stellt, um die Diagonale zu finden, auf deren Basis sich die Wünsche der verschiedenen Richtungen einigen und Zusammengehen können. Da auch die Rechtsverhältnisse der Lehrer und Vorsänger durch diese Neuordnung stark berührt werden, gelangen deren Wünsche in Form von Resolutionen an die Behörde, deren entgüliige Absaffung der Ausschuß besorgen wird. Dem wirklich gediegenen Vortrag, der mit tiefstem Interesse angehört und durch lebhaften Beifall der Kollegen ausgezeichnet wurde, folgte eine interessante Erwiederung seitens des Herrn Kirchenraths Dr. Kroner, der als Freund der Lehrer unrichtige Auffaffungen, die in jüngster Zeit Platz gegriffen, klarstellte und den Weg zeigte, der von Rabbinen und Lehrern in diesen einschneidenden Fragen zu betreten wäre und das Ziel angab, das anzustreben ist. Die Darlegung dieser wohlgemeinten Rathschläge wurde mit lebhaftem Danke entgegengenommen. Wegen vorgerückter Zeit konnten die beiden folgenden Vorträge erst nach Tisch gehalten werden. Herr Dreifuß-Heilbronn referirte über das Thema: „Der synagogale Gesang in seiner historischen Entwickelung, mit Rücksicht auf die Bedeutung des Judentums für die musikalische Kunst überhaupt," wobei in Anlehnung an die bekannte Broschüre Dr. Ackermann's die!vüritembergischen Verhältnisse besondere Beleuchtung fanden und die Namen eines Eichberg, Faißt und Tennebaum ehrender Erwähnung gewürdigt wurden. Zum dritten Vortrag hatte Herr Heß- Ellwangen das Tbema gewählt: „Der Synagogengesang und die Ausbildung zum jüdischen Kantor," wobei er auf Grundlage der Studien Singer's-Wien und anderer Forscher ein Sbstem der alten Tempelmusik nachzuweisen suchte. Die sog. traditionellen Melodien verrathen demzufolge drei besondere Tonarten, „Steiger" genannt, die sich im besonderen als „Jschtabach-Steiaer," „Mögen ovaus-Steiger" nnd „Adonoi moloch- Steiger" charakterisiren lassen. So schön der Gedanke wäre, daß wir z. B. im „Mögen ovaus-Steiger," der schon acht Jahrhunderte vor der gewöhnlichen Zeitrechnung als sog. äolische Tonart bekannt war, Melodien erklingen hören, die im Zionstempel zur Andacht stimmten, so wurde von Herrn Dreifuß andererseits betont, daß diese Hvvothesen auf sebr schwachen Füßen stehen und durch nichts zu beweisen stnd. In schwungvollem begeisterten Schlußworte schilderte Herr Kirchenrath Kroner die Werthschätzung eines würdigen, schönen Vortrages im Gotteshause: nicht im Gekünstelten und Gezierten zeige sich der Ehasan als Meister, sondern in dem aus dem Herzen kommenden und zu Herzen gehenden einfachen und erhebenden Gesänge. Mit großer Befriedigung folgten die zahlreichen Zuhör-'r den einzelnen Vorträgen und Debatten, die manche Belehrung und Anregung geboten hatten. Personalien. Saarburg in Lothringen, 28 Mai. Vorgestern ist hier der Justizrath Levh, der auch außerhalb SaarburgS viele Freunde, Verehrer u. gute Bekannte hatte, nach langer schwerer Krankheit gestorben. Dreißig Jahre hindurch hat Herr Levv hier als Notar amtirt und genoß iin ganzen Canton daS größte Ansehen. Er war ein Biedermann im vollsten Sinne des Wortes. Wiederholt in den Gemeinderath gewählt u. auch als Bürgermeister, sowie als Bezirkstagsmitglied leistete der Heimgegangene, dem der Kaiser für seine verdienstvolle Thätigkeit auch den Rothen Adlerorden 4ter Klasse verliehen batte, die ersprießlichsten Dienste. Dessen Andenken wird ■; stets ein gutes bleiben. — Herr Justizrath JuleS Levy war nichtverheirathet, ist 57 > Jahre alt geworden.