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Der Israelit · 1901-05-30 · Heft 42 (30.5.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 42 (30.5.1901)
Date
1901-05-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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42. Jahrgang. Krste Aeitage zu Jfs 42 des „Israelit." leitender Artikel. Rümpfen - Nicht Kille fein! Von I. Levermann—D armftabt. Motto: „Das Ziel deS Rechts ist der Friede, das Mittel dazu der Kampf. So lange das Recht sich auf den Angriff von Seiten des Unrechts gefaßt halten muß — und dies wird dauern, so lange die Welt steht — wird ihm der Kampf nicht erspart bleiben. Das Leben des Rechts ist Kampf, ein Kampf der Völker, der Staatsgewalt, der Stände, der Individuen." Rudolf v. Jh er in g „Wer sich zum Wurm macht, kann nachher nicht klagen, wenn er mit Fußen getreten wird." Kant. Die jüngsten Vorkommnisse im preußischen Abgeordnetenhaus^ svez. die Auslassungen des preußischen Justizministers über die Anstellung von Juden im Staatsdienste, haben mit Recht eine Flut von Erörterungen in Versammlungen, wie in der Presse Hervargerufen und den Anstoß zu verschiedenartigen Vorschlägen gegeben. Ich will zu dieser Sache nicht das Wort ergreifen, denn das Recht, das klare Recht, bedarf eben keiner Begründung und sogar Engelstimmen und Gedankenperlen vermögen nicht denjenigen zu überzeugen, welcher eben nicht überzeugt sein will. Ein anderer Fall ist es, wenn innerhalb des Judenthums selbst über die Rothwendigkeit der Abwehr sich ernste Meinungsverschiedenheiten geltend machen, wenn man von gewisser Seite den Feinden unseres Glaubens, theils durch utopische Vorschläge, theils durch die Verurtheilung aller Abwehrbestrebungen gegen solche degradierende Auslassungen von ministerieller Seite, unfreiwilligen Succurs leistet und gleichsam in duckender Stellung die Fußtritte von oben hinnimmt. Deßhalb verurtheile ich, obgleich gesetzestreuer Jude, auf's entschiedenste das Verhalten des Vorstandes in Köln ebenso, wie die Stellungnahme des „Israelit",*) und besonders die Ausführungen „Stille *) Der Herr Verfasser scheint von unserm Standpunkte in beregter Angelegenheit sich eine unrichtige Auffassung gebildet zu haben. Der „Israelit" hat stets mit aller Kraft und Energie für die vollständige Erlangung und praktische Durchführung der von der Verfassung aus gewährten Rechte gekämpft und wird es selbstverständlich auch febüerbin thun. Die - Interpellation Peltasohn im preußischen Abgeordnetenhaus aber hielten wir für verfehlt; Verfassungsfrag m sollten in ruhigen Zeiten, in welchen sachlich sein" des Herrn M. Schweitzer—Glogau in Nr. 37 des „Israelit." Ueberhaupt muß gegen die Anschauung, als sei die Behandlung dieser Frage von einer religiösen Richtung abhängig, energisch Verwahrung eingelegt werden. Gewiß wird Jeder, der es mit seinem Glauben ernst meint, jeden unbesonnenen Schritt, jede politische Agitation, oder gar deplazirte Vorschläge, wie Veranstaltung von „Judentagen," welche geeignet sind, das Judenthum als politisches Element, als politische Partei darzustellen, entschieden verdammen. Aber etwas anderes ist es, wenn es gilt, Angriffe gegen das Judenthum, auf seine Würde oder sein Verhältniß zu anderen Konfessionen zu bekämpfen und abzuwehren. Hier ist es Pflicht aller Anhänger desselben, besonders auch der gesetzestreuen Richtung, einzutreten zum Kampf gegen Vorurtbeile und Gesinnungen, welche in der Geschichte unzählige blutige Orgien gefeiert haben. Ich frage zuerst; Wann hat je das Recht aufgehörl, Recht zu sein? Oder haben gesetzestreue Juden jemals eine Grenze gezogen zwischen der Erkämpsung ihrer religiösen, rechtlichen und politischen Freiheit? Wie sind vor mehr als 30 Jahren gefeierte Namen des gesetzestreuen Judenthums (ich erinnere nur an die herrlichen Ausführungen des verdienten Würzburger Raw s. A. über die Gleichberechtgiung der Juden) eingetreten in den Kampf für Emanzipation aller Juden, wie hat Mendelsohn noch im Zeitalter tiefster Erniedrigung flammende Worte hinausgeschleudert zu Gunsten der Befreiung seiner zurückgedrängten Glaubensgenoffen! Wie haben in den letzten Jahrzehnten dieselben Juden mit feurigem Glaubensmuth sich in die Bresche gestellt, um ihr Heiligstes zu vertheidigen gegen Reuerungssucht und entwurzelnde Reformen! Wie wurden Verläumdungen aller Art ertragen, welche Opfer wurden gebracht, um das überlieferte Gesetz rein und unantastbar den Nachkommen zu erhalten! Wie haben ferner in der letzten Zeit und heute noch die Anhänger derselben Richtung Gut und Blut aufgeboten, um gleich den andersdenkenden Brüdern jenem mittelalterlichen Feind entgegenzutreten, welcher in angeblichem Rassenkampfe die niedrigsten Leidenschaften entfesselt, und an dessen dunkle Bahn in's neue Jahrhundert sich wie mit Flammenzeichen das Wort „Könitz" knüpft! So war das Verhalten der gesetzestreucn Partei im Judenthum. Und da wollten wir uns jetzt zurllckziehen, oder politische Klugheit vorschähen, weil es sich zufällig um' Richter oder Notare und ohne Vorurtheile verhandelt wird, aufgeworfen werden, was damals nicht der Fall war. Da- Pochen arss die Verfassung zu ungelegener Zeit könnt« gerade da- Gegentheil von dem bewirken, was gewünscht wird, denn auch Verfassungen unterliegen dem ewigen Gesetze de- Wechsel-. Red. d. Jsr.

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