Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-05-30 · Heft 42 (30.5.1901) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 42 (30.5.1901)
Date
1901-05-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449186--53432-2504100
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

938 wäre aus meiner Mutter geworden, was aus meiner Jugend, was aus meiner Zukunft, wenn meiner Mutter 'hre Geistesbildung nicht die Kraft verliehen hätte, dem Schicksal zu trotzen, und, wenn auch in dienender Stellung, uns Beiden eine Existenz zu erringen." „Liegt in Ihren Worten nicht ein Widerspruch? Ihr Vater ist gewiß ein gebildeter Mann, ja, man kann sagen, ein Gelehrter, und hat ihn seine ganze Weisheit davor geschützt, daß er aus Abwege gerieth?" „Bis vor Kurzem war mir die Handlungsweise dieses Mannes, den ich Vater nennen muß, ein unentwirrbares Räthsel; da ich aber ebensowenig in der Person und in dem Charakter meiner Mutter, als in den Vermögens- oder sonstigen Verhältniffen den Grund zu der heimlichen Entweichung meines Vaters finden konnte. Seit ich aber von Ihnen, gnädige Frau, die Geschichte vom Verrathe gehört, den der Vater an seiner opferwilligen Jugendliebe ausgeübt, ist mir ein grelles Licht darüber aufgegangen, was denselben aus seiner gesicherten und geachteten Stellung und aus seinem traulichen Heim von Weib und Kind weggetrieben: oas erwachte Gewissen war der Cherub gewesen, der mit seinem flammenden Schwerte, der Reue, den Unglücklichen aus seinem Paradiese vertrieben, und zetzt, wenn er noch am Leben ist, irrt er gewiß in der Fremde unstet und flüchtig herum. Einem solchen Gemüthszustande kann der höchste Bildungsgrad nicht Stand halten." Der junge Mann hatte mit seiner zündenden Beredsamkeit so viel erreicht, daß ihm Frau Rösl eine Untersuchung ihrer Augen gestattete, und als er mit aller Bestimmtheit behauptete,, daß eine Operation möglich sei, war es nunmehr Sache der zunächst Betheiligten, | das ist des Gatten und der Kinder, um die noch immer j Zaghafte zu diesem Entschlüsse zu ermuthigen. Als nach nicht ganz zwei Jahren Doktor Müllner seine kheure Elise zum Traualtar führte, befand sich unter den Gästen auch die wieder sehend gewordene Frau Rösl Fischer. Während Gundel und Frau Müllner die geliebten Kinder zum Traualtar begleiteten, bereitete Rösl im Hause der Lehrerin ein Festmahl für alle Gäste vor, unter denen die von Wien angekommenen Verwandten Gundel's, Herr und Frau Varta, den ersten Platz einnahmen. Roch eine Wandlung war mit der bisher blinden Frau Rösl vorgeaangen. Auch in ihrem Innern war es Helle qelvorden. Die finsteren Schatten, welche sich von Zeit zu Zeit über ihr Gemüth gelagert hatten, und es so oft verdüsterten, waren gewichen; nicht mehr zürnte sie denjenigen, welche ihren seltenen Geistesgaben Anerkennung zollten, und stolz leuchteten ihre wieder hell und klar blickenden Augen unter den schützenden Gläsern hervor, wenn man sie nannte: „Eine gebildete Frau!" Wochen-Walenüer Freitag, 31. Mai, 13. Siwan, Sabbal-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Min. Samstag, 1. Juni, 14. Siwan, '2 'n p~iD ,Nt£U Sabbat-Aus gang in Mainz u. Frankfurt a. M. 9 Uhr 20 Min. — Berlin 9 Uhr 17 Min — München 8 Uhr 55 Min. — Hanrover 9 Uhr 28 Min. — Stuttgart 9 Uhr 13 Min. — Prag 8 Uhr 55 Min. — Straßburg 9 Uhr 15 Min. - Posen 9 Uhr 05 Min. Der „J-raelit" erscheint wöchentlich iwelmal, Montags and Donnerstags, jedNhaal ts mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oba vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehme» Bestellungen an. — Vrv Duchhandrl verkehr! durch % Slriuarkrr, LeipItg, Notzplatz)8. — Inserate 25 Pfennig die »ieraespalten« Peützeile »der deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe FrancozrHndrmg unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für*- AnSland 1« Mark, »n die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702. Telephon SIS. Eine Rücksendung der an die Redaktion eingefaudten Manuskripte findet nicht statt, «nn dtttet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzuhehatten. Etellensnchende erhalten auf Wunsch die Jnferaten-Beilage vier Woche« lang gratis nnd franeo gnaefandt. Edens» stunden wir auf Wunsch die Zahlung des Jnsertio ns betragan anher Stelle Veftndnche dis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die preußische Schacht Kalamität. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Berlin. Könitz. Posen. Kissingen. Weißenburg i. ($. Oesterr.-Ung. Monarchie: PapoSz. Schweiz: Genf. Persien: Teheran. Personalien: Lahr i. B. - Feuilleton: Eine gebildete Frau. (Schluß.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Kämpfen — glicht Stille sein! — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. AnS dem Regierungsbezirk Cassel. Münster i. W. Burgsteinfun. Oesterr. Ungar. Monarchie: Karlsbad. Frankreich: Paris. Rußland: Petersburg. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Darmstadt. München. Straßburg i. E. Oesterr. Ung. Monarchie: Wien. Frankreich: Paris. Amerika: Rewpork. Belletristische Beilage: Heimgefunden. (Schluß ) Extra-Beilage: „Sprüche der Väter." Verantwortliche Redaction Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'fchen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschaft in Moinz. Hierzu vier Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.