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Der Israelit · 1901-05-30 · Heft 42 (30.5.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 42 (30.5.1901)
Date
1901-05-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SS6 Der Herr Rabbiner erinnerte in längerer Rede an die Eigenschaften des Berstorbenen und ermahnte die Anwesenden und besonders den auf's tiefste ergriffenen Sohn, sich diesen Mann als Vorbild zu nehmen und seinen Spuren zu folgen. Als aber im Rainen der christlichen freunde Herr Professor R e y m o n d das Wort ergriff, da blieb kein Auge thränenleer. Mit gewaltiger Rede und im Tone der tiefsten Ueberzeugung verstand es Herr Reymond, die makellose Vergangenheit des Verblichenen zu zeigen. Er hob hervor, welch' edle Eigenschaften des Herzens, des Gemüthes und des Geistes den Berstorbenen zierten. Welch' sicherer Freund er dem Freunde war und wie man sich niemals vergeblich an Herrn Löwel wandte, wenn es sich darum handelte. ein gutes Wort zu unterstützen oder durch seinen Rath und seine Erfahrung ein solches zu fördern, dies tbat er alles mit jener Bescheidenheit, die jeden wahren Juden ziert. Tiefgerührt ging die Menge auseinander. JTStfJn. D. Persien. Teheran. Die hier stattgefundenen Vorfälle haben in Hamadan ihren Widerhall gefunden, wie man aus Folgendem ersieht: Ein Jude Namens Joseph Ahtar erhält von einer muselmanischen Frau ein Packet zur Aufbewahrung. Einige Tage später will sie ihr Packet zurückholen, öffnet?s und klagte den Juden, sie bestohlen zu haben. Sie beklagte sich bei einem Priester Hadji Mirza Haffan, der wegen seiner Böswilligkeit gegen die Juden bekannt ist. Dieser letztere schickte seine Leute in das Haus des Joseph Ahtar; dieser Glaubensgenosse zeigt sich jedoch nicht ehrerbietig gegen dieselben. Man wollte ihn zu dem Priester schleppen, aber er entkam zu Hadji Aga Mahamed, der gegen uns Juden sehr wohlwollend ist. Ein Streit entspann sich zwischen den zwei Priestern. Hadji Mirza Hassan faßte hierauf den Entschluß, sich an oen Juden zu rächen. Er versammelte bei sich dreißig muselmanische Kaufleute. die auf ihre Concurrenten neidisch sind. Diese verschafften ihm die Gelegenheit, um eine Agitation zu provocieren. Man bemächtigte sich gewisser Arbeiter und beeinflußte Handwerker. Die Führer der Genossenschaften halten Sitzung, entscheiden sich aber dahin, den Zumuthungen Hadji Mirza Hassan nicht zu gehorchen, sie hätten kein Interesse an den religiösen Kämpfen. Allein der Zorn Hadji Mirza Hassan's kannte keine Grenzen. Jndeß erfuhr man, daß Seine Majestät der Schah über die Unruhen sehr erbittert ist. Das religiöse Haupt Sajed Abdul Mejid hat Mirza Hassan strenge Worte hören lassen. Er gab Befehl, daß die geschlossenen Läden wieder geöffnet wurden und der Jude Josef Ahtar wieder in Frieden seine Geschäfte aufnehmen könne. So wurde dieser Vorfall glücklicherweise beigelegt. I Aersonakien. Lahr in Baden, im Mai. Anfang Mai fand zu Ehren des von Kippenheim nach Baden-Baden übersiedelnden Arztes Herrn Dr. Stern ein AbfchtedSbankett im «Badischen Hof" in Kippenheim statt, zu dem von Nah und Fern Freunde u. Bekannte des Scheidenden in großer Anzahl sich eingefunden hatten. Herr Medizinalrath Dr. S ch mid t- Lahr hatte auf Ersuchen des Herrn Altbürgermeisters I cn ne das Präsidium übernommen Es wurden verschiedene, zu diesem Zwecke zusammengeftellte Tischlieder gesungen und zahlreiche Reden gehalten, unter denen wir diejenigen des Herrn BezirkSrath Oehler aus Wiltenweier, Rert. Dr. S ch m i d t—Lahr, Bezirksrabbiner Dr. R a w i c z—Offenburg. Bürgermeister S chell—Kippenheim, Haupllehrer Hu m mel—Schmieheim und Vorsteher Dreh fuß— Nonnenweier hervorheben wollen. Ein Vorstandsmitglied der Bezirkskrankenkasse—Lahr, die ebenfalls Vertreter entsendet hatte, erfreute die Anwesenden durch wohlgelungene Gesangsvortrage. Der ganze Verlauf des Abends, sowie die stattliche Anzahl der Erschienenen, unter denen wir u. a. den vollzähligen Kippenheimer politischen Gemeinderath, wie auch Vertretungen der politischen Gemeinden Mtestrsheim, Nonnenweier, Schmieheim und Kipvenheim weiter bemerkten, legten für die allseitige Anerkennung der langjährigen, erfolgreichen Thätigkeit des allgemein beliebten Arztes beredtes Zeugntß ab. Einige Tage darauf veranstaltete der Miliiarverein Kippenheim zu Ehren des Scheidenden, der Stabsarzt d. L. ist. ein Abschied? bankett. Zunächst gab der Vorstand des Vereins dem Bedauern Ausdruck» daß Herr Dr. St. nach tbjähriger beispiellos erfolgreicher Thätigkeit seinen Wirkungskreis verlasse. Dr. St. hätte hauptsächlich dazu beigetragen, daß der Verein zu solch hoher Blüthe gelangt wäre. Der Sohn des Bürgermeisters sprach im Namen der jungen Mitglieder: Herr Dr. St. war nur stets ein Beispiel, wie im Verein gearbeitet werde. Er war der Eckpfeiler des Militärvereins, um den sich die anderen geschaht haben. Der Bürgermeister stattete im Namen der alten Krieger und Invaliden den Dank für sein Arbeiten und Wirken im Verein ab. Herr Dr. St. selbst dankte in längerer Rede und brachte zum Schluß ein Hoch auf den Großherzog Friedrich aus, der keine Opfer, keine Mühe scheute und das Einzelne hinter das Ganze stellte. Am folgenden Abend brachte der jüdische Gesangverein Frohsinn in Kipvenheim dem Scheidenden einen Fackelzug mit Serenade dar. Auf die Hunderte von Zuschauern machte die Ovation vor dem Hause des Herrn Dr. St. einen gewaltigen Eindruck. Manch ergrauter Mann vermochte, wohl in Hinblick auf das Scheiden des treuen Hausarztes, der jedem zugleich ein mitfühlender Freund war, eine Thräne nicht zurückzuhalten. Ein daran sich schließendes Bankett schloß auch diese Feier. Ziehen wir daS Facit aus diesen Veranstaltungen, so müssen wir sagen, daß Herr Dr. St. es verstanden hat, sich bei Juden und Christen in diejenige Achtung zu setzen, die man einem Manne schuldet, der mit einem untadelhaften Betragen, mit einer sich stets gleichbleibenden Liebenswürdigkeit gegen Jedermann, mit einer steten Hilfsbereitschaft für Arme zugleich eine außerordentliche Fach- und Sachkenntniß in seinem Berufe verbindet und dem deßhalb auch die verdiente Anerkennung zu Theil wurde. Möge es dem Scheidenden vergönnt sein, in seinem neuen Wirkungskreise in Baden-Baden noch lange Jahre zum Wohle seiner Mitmenschen zu wirken! K.

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