Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 42 (30.5.1901)
- Date
- 1901-05-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449186--53429-2504097- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
935 fragen und Mittheilungen an Herrn Dr. med. Münz in Nürnberg. B. V^eisrenburg i. (*. Mit Freuden dürfte von Eltern, deren Söhne beim Militär sind, der Befehl begrüßt werden, welchen das Kommando des hiesigen 60. Infanterieregiments erlaßen hat, der da lautet: „Die israelitischen Mannschaften des Regiments haben am ersten Samstag jeden Monats den Hauptgottesdienst in der Svnagoge zu besuchen/' Diese Thätigkeit unseres Rabbiners verdient gewiß von anderer Seite Nachahmung. — Die Wittwe Samuel H e r s ch e l ist jüngst gestorben. Wohl selten kam ein Gabenverzeichniß Ihres Blattes, in welchem der Name der Dahingeschiedenen nicht zu finden war; auch im engeren Kreise zeichnete sich dieselbe durch stilles Wirken zur Linderung der Armuth und Noth aus. S. O e st e r r. - U n g. Monarchie. PapoHz, 17. Mai. Soeben komme ich von dem Leichenbeaängniß des so berühmten und leider zu früh dahingeschiedenen Y'ax 'L>2 *?":d cti pyep px;n 2in nybyz p"pm Seine Kenntniß in der Thora war unbeschreiblich. Donnerstag früh bei nnne> und bei minn “xTp >var er noch in der Synagoge beim Gottesdienste anwesend, und um 9 Uhr. Bormittags wurde er von irnrn aus offener Straße abberufen. Die Ursache des Todes war ein Herzschlag. Daher können!vir ausrusen ^'L>xi riivv die Krone ist plötzlich gefallen. Aus der ganzen Gegend waren die Leidtragenden herbeigeeilt, um dem Verblichenen das lebte Geleite zu geben. Die Zahl der Anwesenden wurde aus 600 geschäht. Der Verstorbene stand im ^4. Lebensjahre u. im 38. Jahre seiner Amtstätigkeit. An den sterblichen Ueberresten des Verblichenen sprach besten Sohn ‘rüs bxw Time m welcher gleich nach dem tee.t als Nachfolger von der ganzen Gemeinde anerkannt wurde. Hierauf sprachen noch die Herren Rabbiner aus Neutra und Celin, Schwäger des Verblichenen. Letzterer schilderte besten Verdienste in miay mir, Hierauf sprach noch der Herr Rabbiner aus Sarvar, ein Schwiegersohn des Verstorbenen. Anwesend waren noch die Herren Rabbiner von Odenburg, Simonyi, Gorna, Szcilak, Szil-Sarkany, Kapuvar und Wieselburg, konnten aber nicht sprechen, da die Zeit zu weit vorgerückt war. jt"W tröste die Hinterbliebene Wittwe und die Waisen. O. B. Schweiz. Genr, im Mai. Nor kurzer Zeit erwähnte ich in. Ihrer geschätzten Zeitung, wie traurig es in Genf mit allen religiösen Dingen bestellt sei, wie gleichgiltig sich Jung und Alt allen unseren Einrichtungen gegenüber verhalte, wie man von oben herab mit dem schlechten Beispiel vorangehe. Unter den Ausnahmen durfte ich nur einen Mann nennen, welcher seit langen Jahren danach trachtete, dem tiefwurzelnden Uebel beizukommen. Dem unerforschlichen Rathschluß Gottes hat es gefallen, gerade diesen Mann uns durch den Tod zu entreißen. Leopold L ö w e l starb unerwartet im Alter von 66 Jahren. Im Elsaß geboren, wie die Mehrzahl der hiesigen Glaubensgenossen, erwarb sich Löwel bald Achtung und Ansehen bei Jedermann. Seine Rechtschaffenheit und peinlichste Ehrlichkeit als Geschäftsmann erhielt und erweiterte jährlich seine Kundschaft. Letztere bestand hauptsächlich aus der Bauernschaft des Kantons und Umgebung, und Löwel war der Freund eines Jeden seiner Kunden, und wenn seine hohe Statur mit dem geistvollen Kopf und dem jovialen Gesicht sich auf den Schwellen der Bauernhütten zeigte, dann war ftreube im Hause. Löwel war seinen Kunden nicht nur Verkäufer, sondern derjenige, den man in allen möglichen und unmöglichen Dingen um Rath fragte. Die Zahl seiner Freunde unter Juden und Ehristen war ganz bedeutend, denn man achtete in ihm den Besitzer eines gesunden Menschenverstandes, der mit einer Offenheit und Geradheit des Charakters, die Jedem imponirte, verbunden war. Dazu schöpfte er Anecdoten aus einem unermeßlichen Vorn. Was den Verstorbenen am meisten betrübte, das waren die traurigen Zustände innerhalb der jüdischen Gemeinde. Er selbst verfehlte seit Jahren keinen Gottesdienst, und kein Wetter konnte ihn von der Erfüllung seiner Pflicht abhalten. Er war in dieser Beziehung der weiße Rabe der Gemeinde. Schon längst versuchte er, den Uebelständen abzuhelfen, aber der Einzelne ist ohnmächtig gegenüber der allgemeinen Gleichgiltigkeit; erst in letzter Zeit war mit einigen Gleichgesinnten verabredet worden, einen Sturm auf die Festung zu wagen. lDie kurze Mittheilung über Genf in Ihrem Blatte freut? ihn sehr und fand seinen ungetheilten BeikallI So lange solche mißlichen Zustande obwalteten, weigerte sich Löwel, das ihm einstimmig angebotene Vorsteberamt anzunehmen. Als ihn der Herr Rabbiner 80311 persönlich überreden wollte, markirte Löwel seine Opposition durch die stolze Antwort: „Er könne nicht Vorsteher kein, denn wenn er es wäre, dann könnte der Interpellant nicht Rabbiner sein!" Der Herr Rabbiner bestand nicht länger auf Annahme des Postens eines Vorstehers durch Herrn Löwel. Die kurze Krankheit bewies dem nunmehr Dahingeschiedenen die Beliebtheit, deren er sich überall erfreute. Zu Dutzenden kamen die Besucher und Nachfragen, und als die Nachricht von seinem Tode sich verbreitete, war alle Welt darüber bestürzt. Die Beerdigung gestaltete sieb zu einem wahren Ereigniß. Die ganze jüdische Gemeinde folgte dein Sarge und die Menge der christlichen Freunde, die sich auf dem jüdischen Gottesacker einsand, war größer, als die der jüdischen.