Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 61 (5.8.1901)
- Date
- 1901-08-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1357 allein ich iitaubc, das; das viele Schreiben und viele Lesen im Wabe nicht sehr lurgemäf; ist; auch muß ich besä echten, das; meine Worte viel zu schlvach sein >vürden, um all' die herrlichen Eindrücke getreu zu schildern, die ich hier empfangen habe. Ich möchte daher einem jeden Menschenfreunde, der für Werke der Nächstenliebe In teressc und Verständnis; hat, empfehlen, diese heilsame 'Anstalt selbst ,;n besuchen: er;vird sicherlich für seine lleine Mühe reichlich belohnt werden. Dr. Kinkel, Pasewalk. -An«« dem llieg.-Bcz. O««nabrück, 2. Aug. Ueber ein traurige«- Vorkommnis;, das auf die Machtinhaber mancher jüdischen Gemeinde ein grelles Schlaglicht aufi, habe ich Jbuen hellte zu berichten. Nach langem Kampfe ist die osscntliche Volksschule zu Lingen geschlossen worden, jedoch nicht etwa dlirch die Königl. Negierung, sondern durch die Gemeinde selbst. Der seit Jahren in der (''unnnbe wirkende Lehrer P. lvurde im vorigen Mona' von der Negierirng definitiv angestellt. Diese N,al nähme der Schulbehörde trieb die Ge uieiude zu dem Beschlus;, die Schule ,;u schließen, dem Lehrer das Vorvcün in der Synagoge zu verweigern lte Man n.ns; sich in der Theit über einen Synagogenvoestand lvuudern, der über den Kopf der Behörde hin weg solche bedenkliche Beschlüsse fassen läßt. Jedenfalls wird man an zuständiger Stelle nicht versäumen, dem Herrn Schul und Synagogenvorstand in Lingen klarzumachen, wie tveit seine Pflichten gehen, denn ein Handeln, wie es hier vorgekommen, muß energisch zurückgewiesen werden, wenn nicht der Glauben erweckt werde» soll, die Gemeinde L. befinde sich durchaus im Necht. Seit den; 22. d. Mts. —- mit diesem Tage endeten die Sommerferien in Lingen — findet kein Unter richt mehr statt, denn die Eltern sandten gemäß einer Aufforderung ihre Linder nicht mehr zur Schule. Allerdings soll nicht verschwiegen werden, daß in Folge mancher wenig schönen Vorkommnisse sich das Verhält nist zwischen Gemeinde lind Lehrer getrübt hat, und ferner, daß diese nicht im Stande ist, bei der notorisch bekannten Steuerschwäche die Kosten der Schulunterbaltung aus eigenen Mitteln zll bestreiten. Aber, lvie bestimmt verlautet, loeigert sich die Gemeinde sogar, eine Beihülse anzunehmen; sie will, wie man hört, einen Lehrer, der von der Gnade der Gemeinde und ihres Vorstandes abhängt. Landrabbinat und Negierung sollen ihr bei der Anstellung bezw. beim Fortschicken des ieweiligen Lehrers nicht mitreden oder hinderlich sein, sic null eben anscheinend eine unabhängige Stellung cinnehmen. Nun, die Zukunft wird es recht bald zeigen, daß der Schritt der Gemeinde ein übereilter war, als sie am M. v. BUs. die Auslösung der Schule beschlossen hat. Wir kommen aus den Lingener Fall jedenfalls nochmals eingehend zurück. Gunzenhnttsen, 30. Juli. Mit dem 13. Juli l. I. schloß für die hiesige Realschule das achte Schuljahr seit deren Bestehen. Die Frequenz-Verhältnisse können im Großen und Ganzen befriedigen, doch hat der Zuzug israelitischer Schüler seit vier Jahren um nahezu 70 pCt. abgenommen; eine Thatsache, die um so unerklärlicher ist, als gerade in Günzenhausen allen praktischen und religiösen Anforderungen Rechnung getragen ist. In praktischer Hinsicht ist für Kost und Logis reichlich und gut zu mäßigen Preisen gesorgt, theils durch die Bereitwilligkeit vieler Privatleute. Schüler anzunehmen, theils aber auch hauptsächlich durch die Anlvesenheit einer streng-rituellen Restauration, die bei vollkommenem Familien-Anschluß unter allerlei günstigen Verhältnissen, auswärtigen Schülern die Heimath zu ersetzen im Stande ist. Auch in hygienischer Beziehung ist dieser Ort den Großstädten vorzuziehen: ein ruhiges, gesundes Städtchen, mit schönen Anlagen für Spaziergänge, eine herrliche Umgebung, die Ausflüge gestattet, ein geräumiger Turngarten, ein Badehaus (speziell für Schüler), alle» ist vorhanden, was die Gesundheit zu stärken, bezw. zu fördern geeignet ist. Nicht minder belveisen aber auch die religiösen Verhältnisse in Gunzenhausen, daß Schüler frommer Eltern dort besser geborgen sind, als in einer Großstadt. Wird doch selbst von der Schulverwaltung darauf gesehen, daß keiner der israelitischen Schüler am Sabbat schreibt. Ferner wird an jedem Jomtof Vormittags so lange freigegeben, als in der Synagoge Schachris und Mussaf dauert. Auch wird der Stundenplan immer derart günstig eingerichtet, daß es womöglich allen Klassen die Zeit erlaubt, im Winter an den Freitag Abenden die Synagoge zu Marif zu besuchen (um 4 Uhr manchmal). Auch fungieren an der Anstalt zwei israelitische Lehrer, die gerne mit Rath und Thal, hauptsächlich aber durch ihr Beispiel in Bezug auf Re ligiosität aneifernd lvirken. Leider sind trotz alledem am Schlüsse des Schul jahres nur noch zehn israelitische Schüler an der Anstalt gelvesen, gegen ca. 26 im Schuljahre 1896 - 00. Bon diesen zehn Schülern entfallen auf Klasse l 4 Schüler, Klasse II 1 Schüler, Klasse TTT 2 Schüler, .Klasse IV und V 0 Schüler, und Klasse VI 3 Schüler. Aus dieser Zusammenstellung ist ersichtlich, daß in diesem Schuljahre drei israelitische Schüler absolvier ten, von denen zwei von der mündlichen Prüfung befreit waren. Ein bemerkenswertster Umstand ist es aber auch, daß von diesen zestn Schülern neun aus Gunzenhausen selbst, und nur einer von auswärts ist. Aus den angeführten Gründen dürfte zur Genüge resultiren, daß Günzenhausen einer der geeignetsten Plätze ist für solche Schüler, deren Eltern auf religiöse Erziehung und praktische Vortheile bedacht sind. Vielleicht geben diese Zeilen einige Anregung zur Umstimmung zweifelhafter Gemüther. T. Bifchheim i. (?., Ende Juli. Dieser Tage wurde die Frau des hiesigen Rabbiners Dr. Wolfs zur