Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 61 (5.8.1901)
- Date
- 1901-08-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1368 ewigen Ruhe bestattet. Freunde und Bekannte, darunter viele Rabbiner und Studierende, waren in großer Anzahl berbeigeeilt, um einer Frau, die im Leben so viel Gutes gelvirkt, die letzte Ehre zu erweisen. Im Trauer- Hause sprachen die Herren: Oberrabbiner Urh-Straßburg und Weil-Buxweiler, am Grabe Buttenwieser- Straßburg, Schüler-Bollweiler und Guggenheim- Saar-Union. Herr Rabb. Wolfs lebte 30 Jahr in glücklicher Ehe, doch kinderlos. Wir wünschen dem großen Gelehrten, daß er Trost und Beruhigung finden möge in seiner Lieblingsbeschäftigung — in der Thora. Oesterr. -Ung. Monarchie. Wien, Ende Juli. (Der Streit um den Jude n.) Bei der Rußdorfer Spar- und Vorschußkasse hatte seinerzeit der Jude Philipp V. Löw um die Mitgliedschaft angesucht und war aus Versehen angenommen worden. Der streng-antisemitische Secretär des Vereins kam aber hinter diesen „jüdischen Schwindel" und er rief in gerechtem Unwillen: „Der Jud muß hinaus." Da man den Statuten nach keine Handhabe hatte, Löw auszuschließen, entzog man ihm den Kredit. „Aushungern" ist ja ein probates Mittel, die lästigen Juden aus irgend einer Erwersstelle herauszubringen. Als also der Löw „draußen" war, kam der Krach in der Sparkasse und nun siehe da, erinnerte man sich mit einem Male des Herrn Löw und lud ihn ein, mit an dem Defizit zu zahlen. Natürlich wunderte sich Herr Löw ob dieser plötzlichen Liebe und erzwang ein gerichtliches Urtheil, daß er dem Spar- und Vorschußverein in Nußdors anzugehören nicht mehr die Ehre habe. Ist der Fall nicht eine köstliche Satyre auf die Zeit, in der wir leben!? (Extrap.) MattcrSdorf, Ende Juli. Im Vereinslokale der hiesigen d’t:;*y rr.ir hielt vergangenen Herr Dr. Gustav T a ch a U e r , Dirktor des jüdischen Lehrerseminars zu Würzburg, einen Herz und Geist fesselnden, von echt jüdischem Geiste durchwehten Vortrag, zu welchem ein zahlreiches Publikum erschienen war. Mit ungetheilter Aufmerksamkeit lauschte man den ungekünstelten, aber tiefdurchdachten und formvollendeten Darlegungen des gelehrten Vortragenden. Herr Dr. Tachauer bewies sein großes Wissen auf dem Gebiete der agadischen, sowie halachischen Litteratur. Auch zeigte er sich als Meister in der Kunst des öfentlichen Vortrages. Seine trefflichen, nach Form und Inhalt gediegenen Ausführungen, ernteten reichen und wohlverdienten Beifall. H ö n i g . . .r. Rußland. Odessa. (Feuer und Wasser im Ghetto.) Am 24. Juni brach im Städtchen Stefani, im Kreise Rowno Feuer aus, das von dem bei solcher Gelegenheit sich regelmäßig einstellenden Winde weiter getragen wurde und in kurzer Frist 46 Häuser, sowie zahlreiche Läden, nebst den in denselben aufgestapelten Waaren verzehrte. Der Schaden beläuft sich aus $3,000 Rubel, von den nur 13,000 Rubel versichert waren. Weit schwerer war der Schaden, den die Juden von Simferopol am gleichen Tage erlitten haben. Derselbe wurde jedoch nicht durch Feuer, sondern diesmal ausnahmsweise durch Wasser verursacht worden. Am genannten Tage ging nämlich über Simferopol ein wolkenbruchartiger Regen nieder, der volle vier Stunden anhielt und in der Stadt eine furchtbare Verwüstung anrichtete. Am schwersten hat die von dem ärmsten Theil der jüdischen Bevölkerung bewohnte niedrig gelegene Vorstadt Slobodka gelitten, welche gänzlich unter Wasser gesetzt wurde. Leider sind auch mehrere Menschenleben durch die Ueberschwemmung zu Grunde gegangen. Die über Slobodka hereingebrochenen Fluthen haben acht Kinder niedergerissen, welche nicht gerettet lverden konnten und im nassen Element ihr Grab fanden. T. Uersonalie». Gross-Gerau, 1. Aug. Soeben wurde mir die tieftraurige Nachricht, daß mein lieber Freund und Studiengenosse, Herr Lehrer Wolf S ch a f h e i in e r, nach schwerem Leiden das Zeitliche gesegnet hat. Wer ihn gekannt, wird ihn nur als wahren, echten Jehudi betrauern müssen. Zuletzt als Lehrer in der israeliti schen Gemeinde zu Gräsenhausen bei Darmstadt thätig, war er stets bemüht, das religiöse Leben dieser Gemeinde zu fördern und zu verbessern. Seinen lieben Eltern und Geschwistern war er ein steter Wohlthäter. Leider sollte ihm nur ein kurzes Leben beschieden sein. So wurde er im letzten Vierteljahr von einer tückischen Krankheit befallen, die ihn nöthigte, seinen! Berufe zu entsagen. Bei seinen Eltern in Lohrhaupten bei Gelnhausen fand er leider die erhoffte Genesung nicht, denn am 5. Aw hauchte er seine reine Seele aus in dem noch so jugendlichen Alter von kaum 24 Jahren. In seiner Berufsthätigkeit galt er als ein gewissenhafter, berufsfreudiger Lehrer, und erfreute sich derselbe auch stets der Anerkennung seiner Vorgesetzten und seiner Gemeinde. S. Hofmann, Lehrer. vermischtes. Nürnberg. Eommerzienrath Ludwig Gerngroß, ein um daö Wohl der Stadt wohlverdienter Mann, der il,r erst letzthin einen Prunkbrunnen gestiftet hat, ist zum Ehrenbürger der Stadt Nürnberg ernannt worden. Briefkasten der Redaktion. M. W. A.: Eine Besserungsanstalt für erwachsene jüdische Knaben ist uns nicht bekannt. Vielleicht ist einer der Leser dieser Teilschritt in der Lage, Jemanden anzugeben» der sich mit der Erziehung derartiger Knaben befaßt?