Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 61 (5.8.1901)
- Date
- 1901-08-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1356 1 >.'N U (f ^WW *,S*^**n*FF??r Um den persönlichen Kontakt innerhalb der Berufsgenoffenschaft anzuregen und den Austausch der Ideen zu fördern, wird alle zwei Jahre, und zwar jedesmal in einer anderen Stadt, ein Kantorentag einberufen und ist, um den Besuch leichter zu ermöglichen, zu diesem Behufe auf die Bildung eines Reisefonds Bedacht zu nehmen. Mit der Durchführung der nöthigen Vorarbeiten wird der Vorstand des „Oesterr.-Ungar. Kantorenvereins in Wien," verstärkt durch ein aus dem Kreise der Vertrauensmänner zu wählendes Komitee, betraut. Diesem vorbereitenden Komitee wird auch die Bestimmung des Zeitpunktes und die Wahl des Versammlungsortes für den nächsten „Allgemeinen Kantorentag" überlasten. Als publizistisches Organ zur Verlautbarung der Enunziationen der Organisation wird das bisherige Vereinsorgan des „Oesterr.-Ung. Kantorenvereins" („Oesterr.-Ungar. Kantorenzeitung," Beiblatt der Zeitschrift „Die Wahrheit" in Wien) unter dem nunmehrigen Titel „Allgemeine .Kantorenzeitung" bestimmt. Ueber Vorschlag der anwesenden deutschen Vertreter wurden mehr als dreißig Kantoren aus allen Theilen Deutschlands zu Vertrauensmännern gewählt. Dienstag Früh fand ein korporativer Besuch der Gräber Sulzer, Goldstein, Fischer und Stern statt. Um 12 Uhr Mittags folgten sämmtliche Teilnehmer des Kantorentages einer Einladung des Kuratoriums des jüdischen Museuins, zum Besuche dieser Anstalt, woselbst Herr Emil Iellinek die Erschienenen Ramens des Kuratoriums begrüßte u. eine Begrüßungsdepesche des Präsidenten, Baurath Stiaßny, übermittelte. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Der Besitzer des hiesigen Hotel „Kölner Hof" hatte vormals auf den Tischen des Raumes vor seinem Hotel Zettel mit der Ueberschrift: „Juden ist der Eintritt verboten," aufgelegt. Ueber Anordnung des Stadrathes, lvelche von den höheren Instanzen genehmigt wurde, mußte die fernere Auf legung dieser Zettel unterbleiben. An deren Stelle sind nunmehr vorn Hotelier kleine Karten mit der Aufschrift: „Einziges judensreies Hotel" getreten, aus deren Rück feite verschiedene das Judenthum schmähende Sätze ab gedruckt sind, als: „Die Gesetze der Juden enthalten eine direkte Kriegserklärung gegen jedes andere Volk." Hoffentlich wird auch gegen diesen Unfug die behördliche Abhilfe nicht ausbleiben. Kolberq, 2. Aug. Am 27. v. Mts. fand das 27. Stiftungsfest des hiesigen jüdischen Kurhospitals statt. In der mit Laub und Guirlanden geschmackvoll geschmückten Anstalts-Synagoge versammelten sich vor 10 Uhr Vormittags zahlreiche Badegäste, Gönner und! Freunde dieses segensreichen Instituts, um der erhebenden und schönen Feier beizuwohnen. Viele, die später kamen, mußten wegen Platzmangels in den Korridoren stehen, harrten aber bis zu Ende aus und bekundeten so das Interesse für diese Anstalt. Nach der üblichen Thora-Vorlesung, bei der viele Gaben gespendet wurden, hielt Herr Rabb. Dr. Goldschmidt eine gediegene Festrede, die durch ihren warmen Ton, ihre schlichte, aber edle Sprache die Zuhörer erwärmte und begeisterte. Ausgehend vom Vibelvers 5. B. M. 8, 2—4, sprach der Redner über die Heimsuchungen und Leiden, die Gott über die Menschen verhängt, um sie zu prüfen und zu läutern, ging dann zu der leidenden Menschheit über, die die Bäder und Kurorte aussucht, um daselbst Hei lang zu finden und die Lebenskräfte zu restauriren. Der Mensch aber, so fuhr der Redner fort, verdiene nur dann den Ehrennamen „Mensch," wenn er nicht nur für sich lebt, nur an sich und seine Angehörigen denke, für seine Gesundheit blos sorge, sondern auch für den Nächsten ein warmfühlendes Herz besitze und auf das Wohl der Nebenmenschen bedacht sei. Die Nächstenliebe, dieses erhabene Himinelsgeschenk, das der Allvater in das Menschenherz gesenkt, sei das bestimmende Erkennungszeichen eines lvahren Menschen, das seinem Leben eine höhere Weihe und einen edleren Gehalt verleihe. Dieser hehren Tugend, die in Israels Mitte von jeher heimisch war, verdankt auch das jüdische Kurhospital seine Entstehung und Entivickelung. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen, habe es sich durch die Opferfreudigteii und Mildthätigkeit wahrer Menschen freunde zu einer imposanten und segenbringenden An Kalt entwickelt, die schon jetzt, iin Lause der Sommer monate, 400 Kurgäste und Heilsuchende beherbergen könne. Mit zwölf Betten habe die Anstalt begonnen und jetzt besitzt sie hundert. Aber trotz dieses günstigen Resultates dürfen die Berlvaltungsorgane, sowie die Gönner und Wohlthäter der Anstalt in ihrem heiligen Eifer nicht erlahmen, da das Grundvermögen derselben nur ungefähr einen Ertrag von 8000 Mk. jährlich bringt, während die Unterhaltungskosten für die vielen Pfleglinge ungefähr auf 24,000 Act. sich belaufen, so mit die Anstalt überwiegend auf die laufenden Beiträge imb Spenden angewiesen sei. Mit einer Seelenfeier siir die verstorbenen Gönner der Anstalt, solvie mit der Namhaftmachung der im Lause des Jahres gestifteten Legate und Zulvendungen schloß die begeisterte und be geisternde Rede. In dem gesanglichen Theile hat sich Herr Konzertsänger Sobolski aus Berlin seiner nicht leichten Ausgabe rühmenswerth entledigt. Durch diese schöne Feier angeregt, besichtigte ich hieraus unter der liebenstvürdigen Führung des Herrn Rabb. Dr. Goldschmidt eingehend die Anstalt: den Speisesaal, die Schlaf- und Baderäume und dergleichen mehr. Wie gerne lvürde ich über all das Schöne und Nützliche in diesem Institute ausführlich berichten,