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Der Israelit · 1901-08-05 · Heft 61 (5.8.1901) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 61 (5.8.1901)
Date
1901-08-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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iMKUBgHBj» ■'.»ww'WwnciiwwiM; jgjqpiti£*weyeM?w>f8?:,|,?P^;i "WM! 1354 erstaunt aus, „Moses trägt eine Brille? Er, von dem die Schrift sagt, daß sein Auge nicht trübe ward? Wozu denn eine Brille?" Doch bald verstummte dieser frevle Spott. Den Freigeist, der vor nichts zurückschrak, als vor geistiger Finsterniß, den kühnen Forscher, der kein Hemmniß kannte, als die Grenzen der Wissenschaft, den Denker, der sich über alle Voruriheile hinweggesetzt hatte, überfiel ein Zittern. Fort wollte er, fliehen vor der unheimlichen Erscheinung, welche in gleichmäßigem Schritte immer näher und näher kam. Denn die Gestalt, die ihm da entgegen trat, war nicht der Gottesmann, dessen Lehren er im Unglauben von sich gewiesen, es war sein eigener, leiblicher Vater! Der pflichtvergeffene Sohn wollte fliehen, um den zürnenden Blicken des alten, frommen VaterS nicht zu begegnen; — doch umsonst! Wie angewurzelt an den Boden, wo er stand, waren seine Füße. Bebend am ganzen Körper, den Angstschweiß auf der Stirne, mußte er nothgedrungen denjenigen erwarten, den er so fürchtete, trotzdem derselbe stets so liebreich, so nachsichtsvoll gegen ihn gewesen, ihn im überquellenden Vaterstolze: „Beni bechori!" „du mein erstgeborener Sohn!" genannt hatte. „Endlich habe ich Dich gefunden, mein armer, verirrter Sohn!" tönte die wohlbekannte sanfte Stimme an das Ohr des Sohnes. Dieser suchte den Schauer, der ihn bei diesen Worten llberkam, abzuschütteln, und raffte sich zu der mit bebenden Lippen vorgebrachten Frage auf: „Wo kommst Du her? Was willst Du hier?" „Mein Sohn! Wenn Du auch Deines alten Vaters vergessen hast, so weit vergessen, daß Du an meinem letzten Jahrzeitstage nicht einmal den üblichen Kadisch sagtest — ich habe doch Deiner nicht vergessen und Dich ausgesucht, um Dich heute, „an Deinem Geburtstage, zu segnen." „Du irrst, alter Vater! Heute ist erst der 23. Mai, während mein Geburtsag meinem Zeugnisse nach der 3. Juni ist." „Doch, mein Sohn! Heute ist „Seman matan Torossenu," der Vorabend des heiligen Tages, an dem Gott die hehre Himmelstochter, seine Thora, herniedergesendet hat, um allen Völkern der Erde eine Leuchte zu sein in alle Ewigkeit. An diesem Tage wurdest Du, mein Einziger, mir geschenkt, und in meiner dankbaren Vaterfreude gelobte ich dem gütigen Vater im Himmel, daß ich diesen, meinen Erstgeborenen, erziehen werde zum Lernen der Thora und zur Erfüllung aller der uns von ihr aufgelegten Pflichten. Auch Deine Seele, mein Kind, ist einstmals am Fuße des heiligen Berges gestanden und hat die bedeutungsvollen auf ewig bindenden Worte gesprochen: „Wir wollen befolgen und anhören! Leider, leider hast Du nur einen Theil Deiner Zusage gehalten. Du hast alles das, was Moses am Berge Horeb aus göttlichem Munde vernommen, und das dann als Jahrhunderte gehende, von Mund zu Mund sich fortpflanzende Ueberlieferung den Grundstock unseres Talmud bildet, angehört. Du hast von Kidheit an alles das fleißig erforscht und gelernt. Doch als es zum Erfüllen der erlernten Gebote kam, da hat der böse Trieb bei Dir die Oberhand gewonnen, und Du bist ein Apikores geworden." (Schluß folgt.) Wochen-Ralenöer. Freitag, 9. August. 24. Aw, Sabbar-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 7 Uhr 25 Min. Samstag, 10. August, 25. Aw, n"H2D ,nN“i, Sabbat-Ausgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 8 Uhr 50 Min. — Berlin 8 Uhr 30 Min — München 8 Uhr 19 Min. — Hannover 8 Uhr 42 Min. — Stuttgart 8 Uhr 39 Min. — Prag 8 Uhr 15 Min. — Straßburg 8 Uhr 40 Min. - Posen 8 Uhr 18 Min. i« „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal te mindeste«- zwei Bogen. P-eis pro Bierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Mm» abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — illrr Buchhandel verkehrt durch V. 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