Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 61 (5.8.1901)
- Date
- 1901-08-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1S6S Die Fabrikation der französischen Sardinen hat sich seit diesen 60 Jahren nicht geändert, dieselben werden stets in Oel gekocht und sind bedeckt, sei es mit Oel, oder mit Butter, „niemals mit einem Surrogat." Es ist einfach lächerlich, wenn nicht boshaft, die Behauptung aufstellen zu wollen, es würde zur Herstellung dieses wohlschmeckenden, gesunden und zugleich nahrhaften Fabrikats „Katzenfett" verwendet. Würde es wohl möglich gewesen sein, eine solche ekelhaste Fabrikation in so langer Zeit von 60 Jahren in solcher Heimlichkeit zu betreiben, daß es erst jetzt durch eine so dumme Anfrage des angeblichen Fabrikanten bekannt würde? Der in Deutschland, Rußland und in der ganzen Welt so bedeutende Kosum dieses Artikels mag jedem Unbefangenen ein Beweis von der Vorzüglichkeit des Fabrikates sein und geben wir unserem Bedauern Ausdruck, daß es einem Rabbiner Vorbehalten blieb, der augenscheinlichen Berläumdung des genannten Fabrikates Verbreitung zu geben und gewiffermaßen, durch Veröffentlichung in Ihrem Blatte, in das religiöse Gebiet hinüber zu spielen. Wir verzichten vorläufig darauf, den Beweggründen dieses Vorgehens nachzuforschen, behaupten aber, daß der Herr Rabbiner entweder das Opfer eines böswilligen Scherzes oder eines offenbaren Betrugs geworden ist. Wir behalten uns im Uebrigen alle uns gesetzlich zustehenden Rechte in Betreff der Verfolgung der verbreiteten Unwahrheiten vor. Hochachtungsvoll L. L e ch a t R. Philipp L V e n o i t & Co., successeurs de P h i l i p p e & C a n a u d. (Herr Rabbiner Rabinowitz-Poltawa, ein hochangesehener und zuverläsiiger Mann, wird wohl die Antwort hierauf nicht schuldig bleiben. Red d. „Jsr.") England. London. Unter dem Protektorate einer philantropischen Gesellschaft, bei welcher der Londoner Oberrabbiner, Rev. H. Adler, als Ehrenmitglied thätig ist, hat sich ein „Fabriks-Arbeiterinnen-Ferienfond" gebildet, welcher schon seit vorigem Jahre den Zweck verfolgt, der armen Arbeiterinnen-Klasse die Mittel zu einer physischen Erholung während einiger Ferienwochen zu bieten. Diese Mädchen, sagt der betreffende Aufruf, sind unsere eigenen Schwestern und Töchter, welche die Mütter der nächsten Generation werden sollen. Ihre Erholung und Arbeitsruhe ist ebenso dringend, ja fast dringender, als unsere eigene. Viele dieser jungen Geschöpfe schnappen bloß nach ein wenig Luft, die ihnen i nicht zu Theil werden kann, wenn wir ihnen nicht helfen. Die Kerkerthüren dieser Riesenstadt zu öffnen, in! welcher diese Mädchen durch die wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Civilisation jahraus, jahrein, unausgesetzt zurückgehalten werden, ist nur ein Gebot der Nächstenliebe und Religion und wirthschaftlich ebenso heilsam, als sittlich gerecht, denn Gott hat die Welt nicht für die Reichen allein schön gemacht. Feuilleton. las M m u l c t. Bon Babette Fried. ij Das Gewitter, welches während des ganzen heißen Nachmittags gedroht hatte, kam immer näher. Dumpfes Donnerrollen tönte aus der Ferne und einzelne schwache Blitze durchzuckten in längeren Pausen das Firmament. Sich vorsichtig auf seinen derben Knotenstock stützend, stieg oder vielmehr kletterte ein einzelner Wanderer von dem Berge herab, welcher sich kugelartig über der nur leicht gewellten Ebene erhob. Unten angelangt, nahm der noch ziemlich jugendliche Mann seinen leichten Srohhut ab und wischte sich den Schweiß von der Stirne. Zu Füßen des mit einzelnen hohen Bäumen und niederem, dichtem Gestrüppe bedeckten Berges hob sich eine Gruppe alter, hoher Tannen malerisch von der mit welkem Grase bedeckten Ebene ab. Der Wanderer, wir wollen ihn gleich mit seinem vollen Namen und Titel nennen: Dr. Rafael Bernstein, Pros, der Naturwissenschaft an der Universität zu Prag, ließ sich müde unter einem dieser Bäume nieder, sich mit dem Rücken an dessen Stamme lehnend. Nachv-m sich Naiael durch einen kräftigen Zug aus seiner Feldflasche gestärkt hatte, öffnete er die Botanisirbüchse und schüttete deren Inhalt vor sich auf die Erde nieder, um denselben einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Mit Hülse der Luppe untersuchte der Professor Bilanz? für Pflanze; einige Stücke wurden gleich als unbedeutend weggeworsen, gar viele aber fanden Gnade vor den strengen Augen des Gelehrten und wurden behutsam wieder in die Büchse gelegt. Im Großen und Ganzen war der Professor mit der Ausbeute des heutigen Tages zufrieden, denn auch seine Kleidertaschen bargen gar manchen kostbaren Schatz, Mineralien nämlich, die bisher in seiner Sammlung fehlten und zu deren Auffindung er den heutigen Ferientag benutzt hatte. Zufrieden mit sich selber und mit dem Ergebniß des heutigen Ausfluges lehnte er sich behaglich an den Baum, und nicht achtend des heraufziehenden Gewitters, versuchte er, von Müdigkeit übermannt, ein Weilchen zu schlafen. So im Halbschlummer versunken, zog die Vergangenheit des jungen Mannes vor seinem geistigen Auge vorüber. Ein geborener Pole, der Sohn eines wegen seiner Frömmigkeit und Gelehrsamkeit hochberühmten Rabbiners, hatte er von seiner frühesten Jugend an sich mit allem Eifer dem Bibel- und Talmudstudium hingegeben. Doch bald konnte dieses erworbene Wissen seinen