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Der Israelit · 1901-05-23 · Heft 40-41 (23.5.1901) · page 35

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 40-41 (23.5.1901)
Date
1901-05-23
Page
– (sequence 35)
Language
German
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WWW 935 ten Kraft auch weitgehendsten Ansprüchen Genüge geleistet. Das verantwortliche Amt des Leiters ist dem für das höhere Schulwesen geprüften und seitherigen Seminarlehrer zu Köln, Herrn I. B e r g e l, anvertraut. Auch nach der hygienischen Seite ist allen modernen Anforderungen, die an ein derartiges Institut zu stellen sind, entsprochen. Mitten im Schulenviertel unserer Universitätsstadt gelegen, gewährt das durchaus einfach gehaltene Gebäude einen netten, freundlichen Anblick. Dem schmucken Aeußern entspricht das sonnige Innern. Alles ist in hellen Farben gehalten, überall ist für Licht und Lust reichlicher Zutritt geschaffen, an jeder Stelle herrscht peinlichste Sauberkeit. In dem parterre dem Hausgarten gelegenen Souterrain befindet sich der schöne Speisesaal, die geräumige Küche, dw für die Knaben bestimmten Douchebäder- Borrichtungen und sonstige Wirthschastsräume. Von der Straß? aus betritt man durch ein geschmackvolles Portal die im unteren Stockwerke gelegenen Unterrichts- und ssnterhaltungssäle, sowie das mit einer reichhaltigen Bibliothek versehene Beth Hamidrasch. Die Räume sind durchweg einfach, aber zweckentsprechend eingerichtet, ihre Wände mit sinnigen, bedeutungsvollen Sprüchen geschmückt. Im Beth Hamidrasch linden täglich talmudische Vorträge von Herrn Rabbiner Dr. Munk statt, die zur Zeit von 12 Hörern, Studenten, der hiesigen Universität, die sich dem Rabbinerberufe widmen wollen, besucht werden. Für eine große Anzahl Mediziner unb Juristen ist ein besonderer talmudiswer Schiur eingerichtet worden. In den oberen Räumen liegen die Schlaf- und Waschzimmer der Zöglinge, sowie die Wohnung des Leiters. Zur Zeit sind in der Anstalt elf Schüler, die das hiesige Königs. Gymnasium und die Oberrealschule besuchen. sowie zwei Lehrlinge ausgenommen. Eine größere Anzahl Aufnahmegesuche unbemittelter Knaben mußte leider abgewiesen werden, da die vorhandenen M'ttel zur Schaffung weiterer Freistellen nicht ausreichen. Die Männer aber, die dieses Werk geschaffen, erhoffen, daß die Kraft der Bethätigung, die niemals bei uns gefehlt hat, wenn es sich um Maßnahmen für die Erhaltung unserer geistigen und sittlichen Eigenart handelte, auch hier nicht Verlagen wird. Es ist eine Ehrenvslicht für ieglichen von uns — insonderheit für jeden höllischen Glaubensgenossen — dieser würdigen und bedeutungsvollen Sache sein Interesse zuzuwenden und nach seinen Kräften materielle Beihülfe zu gewähren. Von dem in leichter Anlehnung an den Rokokostyl gehaltenen Portale des Heims leuchtet in vergoldeten Lettern der biblische Imperativ: "r-'H “p;" „Rüste den Knaben!" Wenn die Anstatt dieser Forderung entsprechen, '.nenn sie ihre Aufgabe, unsere Jugend zu Männern heranzu,ziehen, die unserer Glaubensgemeinschaft zur Ehre und ihr zum Ruhme gereichen, erfüllen soll, dann muß sie auf die energische Theilnahme und tatkräftigste Unterstützung weiterer Kreise rechnen können. Mögen diese Hoffnungen und Erwartungen nicht getäuscht werden? O e st e r r. - U n g. Monarchie. Wien. Dem Bericht des Kuratoriums der ,,B«- ron Hirsch-Stiftung" zur Beförderung des VolkSfchulnnterrichtes im Königreiche Galizien und Lodomerien mit dem Großherzogthum Krakau und im Herzogthum Bukowina für die Zeit vom 1. September 1899 bis 31. August J900 entnehmen wir: DaS verflossene Jabr war für die Stiftung ein kritisches. Die Philantrovin Frau Baronin Clara von Hirsch war gestorben. Sie war es, die in ihrer unerschöpflichen Liberalität das Kuratorium ermunterte, daS Stiftungswerk durch ausgedehnte Schulgründungen möglichst zu erweitern und alle daraus sich ergebenden Deficite aus eigenen Mitteln deckte. Noch mehr, sie erklärte sich wiederbolt bereit, auch in Zukunft auS dem Fortschreiten des Stiftungswerkes sich ergebende Deftcite zu decken, was, wie gesagt, das Kuratorium anregte, weit über die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stiftung hinauszugehen. Allerdings hat sie unsere Stiftung durch ein Legat verstärkt. Allein die für das Stiftungswerk aus diesem Legate erwachsenen Zinsen reichten nicht bin zur Deckung des durch Ausdehnung des Schulnetzes gewachsenen Ausgabe-Etats. Zur Deckung derselben mußte von der statuarischen Be-, siimmung, daß für Schulbauten 800 000 Frcs. auS dem Stammkapitale verwendet werden dürfen, Gebrauch gemacht werden. In der Verwaltung der Stiftung mußte der Grundsatz äußerster Zurückhaltung und Sparsamkeit gegenüber seder beantragten Ausgabe festgebalten werden. Ein Moment, welches im abgelaufenen Schuljahre die Entfaltung der Schulen zu hemmen drobte, war die Einführung des HalbtaqSunterrichtes an den galizischen Etatsschulen. Diese Maßregel brachte eine Bewegung in einem gewissen Tbeile der Bevölkerung hervor, welche die gleiche Einfübrung des Halbtagsunterrichtes an den Stiftsschulen anstrebte eine Forderung, die auch seitens der Lehrerschaft unterstützt wurde. Das Kuratorium verbiet sich geaen die Bestrebungen entschieden ablehnend, da es im Sinne des Stifters den Standpunkt vertritt, daß die Stiftungsschulen als Erziehungs- und nicht blos als Unterrichtsanstalten die Schuljugend den größten Tbril des Tages in ihrer Obhut und Ueberwachung zu halten vervftichtet seien, um sie auswärtigen schädlichen Einflüssen zu entziehen. Aber wenn auch alle diese Vorkommnisse einigermaßen dämpfend ans den großen Aufschwung der Stiftungsschulcn wirkten, so vermochten sie dennoch nicht einen Rückgang herbeiznfübren: dies zeigt sich am besten an der Frequenz der 50 Stiftungsschulen, welche eine Zunahme von 554 Frequentanten ausweisen. Wir fühlen uns

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