Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 40-41 (23.5.1901)
- Date
- 1901-05-23
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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SS4 jenes Herrn wissen, dem ihr Schicksal so nahe ging, umsonst; man verhöhnte sie, nannte ihre Tochter eine Dirne, die sicher ihr Loos verdient habe. So verging Woche auf Woche; Aranka harrte vergeblich der Rückkehr der Frau Kusmik. Das Gerücht, daß Ilona noch am Leben, war allmählich verstummt. Man wollte es nicht auftommen lassen und Diejenigen, die ein Interesse daran hatten, ihm nachzuforschen, fanden keinen Anhalt. Bukarest war weit, die Behörden unzugänglich. Vergebens wandte sich Aranka an die Vorsteher der Gemeinde; sie waren machtlos. Ihre einzige Hoffnung war jetzt noch auf Nico, den braven Zigeuner gesetzt. Siebentes Kapitel. Nico war endlich nach langer, beschwerlicher Reise in Rom angelangt. Jetzt, so nahe dem Ziele, wurde er sich erst darüber klar, eine wie schwere Aufgabe er sich gestellr. Ohne Rast zu halten, fuhr er nach St. Peter Gr wollte sich zunächst vergewissern, ob Aladar noch seines Amtes walte. Bebenden Herzens betrat er den hochgewölbten Dom, dessen weite Hallen von Andächtigen gefüllt waren. Papst Gregor celebrirte gerade die Messe. Alles lauschte. In den Seitengängen waren Kapellen, Beichtstühle; ängstlich spähte Nico umher. Hatte er nicht Aladar damals in der Kapelle der dritten Halle gesehen? Ja, dort stand der Beichtstuhl; »r war leer. Vielleicht würde ein Pater kommen, wenn die Messe beendet. Nico wartete. Die Füße brannten ihm: er setzte sich gegenüber dem Beichtstuhl, lehnte den fiebernd heißen Kopf an eine Marmorsäule. So mochte er wohl eine Stunde gesessen haben, da theilte sich die Menge, das Gebet war beendet. Viele Hunderte strömten den Ausgängen zu, ebenso viele bildeten Spalier, um den Papst zu sehen, den die in rothseidene Gewänder gekleideten Diener auf einer Sänfte hinaustrugen. Dicht hinter dem Papste sah man die höchsten Würdenträger, Eardinäle und Bischöfe im Ornat. Nico war von der Pracht fast geblendet. Er schaute wie traumverloren in die Menge. Da plötzlich entrang sich seinen Lippen ein Schrei: „Aladar!" Einer der in Purvur gekleideten Priester wandte den Kopf nach ihm und sah ihn groß und fragend an. Kein Zjoeifel! Alädar saß nicht mehr im dunklen Beichtstuhl als simpler Mönch, er war im Gefolge des Papstes; Nico hatte ihn erkannt. Doch wie zu ihm gelangen? Unter welchem Namen lebte er hier? Eilig, ehe der Zug die Kirche verließ, drängte er sich an einen der in der Vorhalle wachthabenden Leibgardisten und gab ihm, da er der Landessprache nicht mächtig war. durch Zeichen zu verstehen, daß er wissen möchte, wer jener Priester im rothen Ornat, der Dritte in der ersten Reihe sei. Der Gardist wies ihn an einen Beamten, der ihm oie gewünschte Auskunft gab und, da Nico weder Name noch Wohnung behalten tonnte, Beides auf einen Zettel aufschrieb. Wer war glücklicher, als Nico! Schon glaubte er gewonnenes Spiel zu haben. Da auf dem Zettel stand: Pater Consola, Chiesa Maria. Eine Stunde später stand er vor dem Pater. Man hatte ihm offenbar einen andern Geistlichen als Aladar bezeichnet; Pater Consola war nicht Derjenige, den er suchte. Wie schwer war es dem der italienischen Sprache Unkundigen, dem Geistlichen sein Anliegen vorzubringen! Anfangs schien es, als wollte die Verständigung gar nicht gelingen. Pater Consola aber war ein gutherzige^, leicht zugänglicher Herr, und da er aus den Mienen des armen Zigeuners ersah, wie viel ihm daran lag, seinen Padre Aladar ausfindig zu machen, beorderte er einen Mönch, mit Nico zu einem Dolmetsch zu gehen, mit dessen Hilfe man den Gesuchten ausfindig machen würde. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichtett und Correfponverrren. Deutschland. Marburg, im Mai. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres ist das hier errichtete Schüler- und Lehrlingsheim seiner Bestimmung übergeben worden. Wir verdanken diese segensreiche Institution dem Geheimen Regierungsrathe und Prof, an hiesiger Universität, Dr. Hermann Cohen, und dem hiesigen Provinzial- Rabbinen, Dr. Leo Munk. Den rastlosen Bemühungen dieser beiden Männer ist es gelungen, weitere Kreise für die Sache zu interessiren und die nothwendigen, sehr bedeutenden Mittel zu beschaffen. Die Anstalt, die nach mehr als einer Richtung von socialer Bedeutung für unsere hessischen Glaubensgenossen werden dürfte, will Kindern jüdischer Eltern vom Lande — zunächst aus Hessen — gegen geringes Entgelt die Möglichkeit gewähren, sich durch Besuch der hiesigen höheren Schulen eine gesteigerte Bildung zu erwerben. Auch Lehrlingen, die bei hiesigen Meistern ein Handwerk erlernen wollen, sollen in ihr eine Heimstätte finden. Für weniger Bemittelte können Ermäßigungen eintreten, für Unbemittelte sind eine Anzahl Freiplähe geschaffen. Die Anstalt widmet der geistigen und körperlichen Entwickelung der ihr anvertrauten Knaben gleichmäßig die größte Sorgfalt. Ihre Begründer haben durch Gewinnung einer bewähr-