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Der Israelit · 1901-05-23 · Heft 40-41 (23.5.1901) · page 33

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 40-41 (23.5.1901)
Date
1901-05-23
Page
– (sequence 33)
Language
German
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42# Jahrgang. Dritte Meikage zu M 40 $c 41 des „Israelit". Feuilleton Heimgefunöen. Novelle von Jda Barber-Wien. 6. Fortsetzung; „Keine Stunde wird Nico verlieren," unterbrach der Zigeuner. In seinen dunklen Augen dämmerte es wie Wetterleuchten! Hin nach Rom! Der Stadt seiner Sehnsucht! Und in welcher Mission!? Er fühlte sickganz stolz ob des Vertrauens, das Aranka in ihn setzte! Ja, er wollte sich dessen würdig zeigen! Kein Zweifel! Aladar mußte ihn hören, er mußte beim Papst Audienz nehmen und den Enthaftungsbesehl für den Bruder erwirken! Frau Aranka hatte viel Mühe, ihre Werthpapiere zu Geld zu machen. Die guten Freunde riethen ihr davon ad, die Händler wollten aus ihrer Nothlage Nutzen ziehen und boten ihr die Hälfte des eigentlichen Werthes. Endlich hatte sie zweihundert Gulden flüssig gemacht, die sie dem Zigeuner, der ihr volles Vertrauen gewann, einhändigte. „Und nun," sagte sie, „reiset mit Gott, Nico. Ich zähle die Tage und Stunden, bis ich Nachricht von Euch habe; Ihr seid jetzt nächst Gott meine einzige Hilfe!" Thronen standen ihr in den Augen, als der braune Zigeuner sich auf ihre Hand herab beugte und sie küßte. „Arme Frau," sagte er, „Nico weiß, was Ihr leidet; Nico wird seine Pflicht thun!" Einen Tag nach der Abreise des Zigeuners tauchte im Städtchen die Nachricht auf, Ilona Kusmil sei von einem Reisenden, der Bukarest besuchte, in einem dortigen Freudenhause gesehen worden. Man forschte nach, der Fremde war bereits abgereist. Alles, was man wußte, war, daß derselbe in dem Gasthause, in dem er übernachtete, erzählt habe, ein junges Mädchen, Namens Ilona, sei wider ihren Willen in die Fremde gelockt worden und habe ihm den Auftrag gegeben, ihre Mutter aufzusuchen und sie zu bitten. Schrirte zu ihrer Befreiung zu thun. Der räthselhafte Fremde mußte vermuthlich die Adresse von Ilona's Mutter kennen; Frau Aranka hatte nicht Eiligeres zu thun, als zu ihr nach dem zwei Meilen entfernten Dorfe zu fahren. Wie pochte ihr das Herz, wenn sie daran dachte, Ilona wieder zu finden, nie schändlichen, gegen ihren Gatten erhobenen Anklagen entkräften, ihn wieder in ihre Arme schließen zu können! Arme Frau! Als sie bei Ilona's Mutter anlangte, ward ihr die Kunde, die Kusmik sei vor einer Stunde mit einem Fremden abgereist; wohin, wußte Niemand. — All ihre Nachforschungen, wer der Fremde gewesen, blieben erfolglos. Es hieß also, sich in Geduld fassen; die Frau war offenbar auf der Suche nach ihrer Tochter; sie würde sie finden, mit ihr zurückkehren und Eli befreit sein. Ein Hoffnungsstrahl in der Nacht Unglücks. Sonderbarer Weise verstrich Woche auf Woche, ohne daß man etwas von Frau Kusmik noch von ihrer Tochter hörte. Hatte man ihre Fahrt nach Bukarest vereitelt? Hielt man sie gar gefangen? Undenkbar, daß sie nach Bukarest gekommen und kein Lebenszeichen von sich geben sollte. Thatsache war, daß Dr. Bathory, der davon Kenntniß erhalten, daß ein Fremder Nachricht über den Verbleib der Ilona Kusmik verbreite, einen vollständigen Aufpasserdienst organisirte. Er war benachrichtigt, daß Frau Kusmik sich reisebereit machte; der Fremde, der offenbar ein Interesse daran hatte, das Mädchen der Mutter zuzuführen, mußte geschont werden. Er schien vermögend, einflußreich. Man wußte, daß er die Frau mit Geld versehen und bis nach Ugody begleitet hatte; von da sollte sie die Reise allein fortsetzen. Dr. Bathory verstand dies zu verhindern. Die Frau wurde, als sie Abends in einer Herberge in Szikra übernachten wollte, nach ihren Legitimationspapieren gefragt und, da sie diese nicht vorweisen konnte und man eine größere Summe Geldes bei ihr vorfand, in Hast genommen; es hieß, es sei verdächtig, daß eine so dürftig gekleidete Frau eine Brieftasche mit hundert Gulden bei sich führe; sie müsie diese Summe gestohlen haben. Vergebens betheuerte Frau Kusmik ihre Unschuld: sie erzählte, daß ein Deutscher, der ihre schmerzlich ver mißte Tochter in Bukarest gesehen, ihr das Geld gegeben, damit sie die Reise antrete und ihr Kind befreie. Man glaubte ihr einfach nicht und hielt sie in Gewahrsam. -— Die arme Frau war der Verzweiflung nahe. Der Fremde war ihr wie ein von Gott gesandter Retter erschienen. er hatte sie reichlich mit Geldmitteln versehen und nun sollten gerade diese den Verdacht erregen, sie hätte sich auf unerlaubte Weise in den Besitz des Geldes gesetzt! Man fragte sie, wer denn der Fremde gewesen, wo er wohne; darauf wußte sie keinen Bescheid. Frau Kusmik verlangte, daß man in Bukarest nach ihrer Tochter forsche, sie werde sicher den Namen

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