Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 40-41 (23.5.1901)
- Date
- 1901-05-23
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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933 fügt sich bei einem Manne meines Standes nicht so leicht; begreift Ihr jetzt meine Freude mit dem Ringe? Es war ein schwacher Abglanz der Freude, wie sie einst in ähnlicher Lage meinen großen Lehrer verklärte." Von den oben erwähnten beiden jungen Leuten war der eine der Sohn Rabbi Moscheh Sofers, der spätere Rabbiner von Krakau, Rabbi Schimon Sofer. Ihm bat der Vater später den ganzen Vorgang mit dem Roschhakohol mitgetheilt. Aus diesem Wege habe ich die merkwürdige, sonst nicht bekannte wahre Begebenheit erfahren, und sie nun, wo keine der handelnden Personen mehr lebt, den Lesern des „Israelit" erzählt. w Su unseren Mldevn Wir bringen heute eine Reihe von Abbildungen, deren erläuternden Text wir dem soeben erschienenen Prachtwerkei „Berühmte israelitische Männer und Frauen" von Dr. Adolph Kohut, Verlag von A. H. Payne in Leipzig-Reudnitz, entnehmen. Da ist zunächst die Gothische Synagoge inBudweis, welche monumentale Schöpfung dem österreichischen Architekten Max Fleischer zu danken ist. Fleischer widerlegt durch seine Merke die Behauptung der Gegner, daß der Jude aus dem Gebiete der Baukunst soviel wie garnichts geschaffen habe. Der Künstler wurde am 29. März 1841 zu Prosnitz in Mähren geboren, besitzt in Wien ein hervorragendes Atelier der Baukunst und hat außer der hier im Bilde wiedergegebenen auch schon viele andere Synagogen gebaut. die alle von seiner herrlichen Kunst beredtes Zeugniß ablegen. Am 11. Februar 1899 starb zu Frankfurt a. M., wie auch der „Israelit" zur Zeit berichtete, Hermann Junker, ein Schüler Oppenheim's, der deffen Bilder aus dem jüdischen Familienleben in glücklicher Weise sortsetzte und ergänzte. Die hervorragendsten seiner Bilder kennen die Leser dieser Blätter, da sie im „Israelit" abgebildet waren. Junker, den wir persönlich viele Jahre kannten, war einer von den Ehasidei umaus ho.olom, ein wirklicher begeisterter Iudenfreund. Einer der berühmtesten Söhne Israels, deffen Rame nicht allein in Holland, sondern über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus als einer der größten Genremaler gefeiert wird, ist Joseph Israels. Seine Schilderungen des holländischen Fischerlebens, deffen ernste, oft tragische Seiten er mit ergreifender Innigleit des Gemüths und meisterhafter Behandlung des Helldunkels zur Anschauung bringt, die Scenen. in denen er den Jammer des Menschengeschlechts und die Roth des Daseins darstellt und die ihn gewissermaßen als den Schopenhauer und Nietzsche der Malerei erscheinen lassen, verleihen seinen Werken einen gleichsam kulturgeschichtlichen Werth. Seine Kunst ist symbolisch, seine rührenden, armen, alten Menschen, seine jungen Frauen und Mütter, seine Kinder sind sichtbare sprechende Symbole der Wehmuth, der Einsamkeit und des Schmerzes. Joseph Israels ist ein am 27. Juni 1824 in Groningen geborener Sprössling einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Er machte seine künstlerischen Studien bei Cornelis Krusemann in Amsterdam und nachher bei Picot in Paris und ließ sich später im Haag dauernd nieder. Aus den phantasiereichen Knaben übten religiöse Träumereien die ersten nachhaltigen Eindrücke aus. Von den Kunstwerken des Meisters nennen wir folgende: Der Abend vor der Trennung, Frauenlos, Die kranke und die gesunde Mutter, Alter und Kindheit, Die Dorfarmen, Die ängstliche Familie, Die erwarteten Fischerboote, Die Heimkehr vom Feld, Der Kampf ums Dasein, Das Mittagseffen, Die Nähschule, Mutteriorgen, Der Tod der Großmutter, Ein Sohn des alten Volkes, Das Tischgebet und Den Friedhof entlang. Israels Vegegniß mit einem spanischen Juden in Marokko haben wir vor einiger Zeit in diesen Blättern wiedergegeben. Es zeigte, daß auch der vielgefeierte Künstler sich sein Judenthum treu bewahrt hat. Eine glänzende Erscheinung auf synagogal-gesanglichem Gebiete war der im Jahre 1840 in's Amt getretene Chormeister der Berliner Cultusgemeinde, Louis L e w a n d o w s k i. Im Jahre 1871 veröffentlichte er sein berühmtes Gesangswerk: „Kol rinnah utfilloh". zumeist ein- und zweistimmige Gesänge für den Gottesdienst kleiner Gemeinden und Recitative für den Kantor. Durch den Erfolg dieser Kompositionen ermutbigt, gab er vier Jahre darauf einen stattlichen Band vierstimmiger Sabbatgesänge: „Todoh westmroh" heraus. Geboren wurde er am 3. April 1821 in Wreschen und stndirte in Berlin bei A. B. Marx, Rungenhagen und Grell. Er war der erste Israelit, dem die Vergünstigung zu Theil wurde. Eleve der Berliner Akademie der Künste zu werden. Ein halbes Jahrhundert hindurch bis fast zu seinem Tode leitete er ununterbrochen den Snnagogenchor. Am 27. Dezember 1890, anläßlich der ^Ojährigen Jubelfeier seiner amtlichen Thäiigkeit, erhielt er das Prädikat Professor. Verantwortliche Redaktion: OScar stehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. W irth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschaft in Mainz.