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Der Israelit · 1901-05-23 · Heft 40-41 (23.5.1901) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 40-41 (23.5.1901)
Date
1901-05-23
Page
– (sequence 27)
Language
German
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WWW WWWWWWWMWWWMS -17 talien, die ich mitnebmen könnte, und selbst die einfachen Reisekosten sind für mich unerschwinglich." „Und wie viel meint Ihr, daß für diese Reise die Kosten betragen können?" „Doch wenigstens hundert Gulden." „Hundert Gulden! Das ist nicht viel. Den Betrag leihe ich Euch. Ihr nehmt das Geld, fahrt morgen Lechaim ulscholaum nach Leipzig, sagt weiterhin keiner Seele ein Wort von Eurer gegenwärtigen Lage, und seht zu, daß Ihr das erste Geschäft zum Abschluß bringt, das Euch angetragen wird. Ich bin sicher, daß es Euch so viel Masol und Berocho bringen wird, daß Ihr mir sofort nach Eurer Rückkunft das Geld zurückzahlen könnt." Bei diesen Worten erhob sich der Rabbi, nahm aus einer Schublade eine Hundertgulden-Note und übergab sie dem Roschhakohol. Es war die einzige, die Rabbi Moscheh Sofer hatte, was auch Rabbi Wolf Pappenheim vermuthete. Er weigerte sich, das Darlehen anzunehmen und versicherte, daß er daran nicht gedacht habe, daß er nur den Rath, nicht aber das Geld des Rabbi wolle, und daß er ja nicht einmal wiffe, ob er je das Darlehen zurückgeben könne. Rabbi Moscheh aber beruhigte seinen Roschhakohol. „Glaubt Ihr wirklich, ich würde Euch hundert Gulden leihen, wenn ich nicht sicher wüßte, ich bekomme sie wieder zurück? Ob das Geld die nächsten vier Wochen in meiner Schublade oder in Eurer Tasche sich befindet, ist ja für mich gar kein Unterschied, als der, daß ich, wenn Ihr es habt, eine Mizwah damit thue, was aber nicht der Fall ist, wenn es muffig bei mir liegt. Jetzt aber verliert keine Zeit und bereitet Euch für die Reise vor." Mit diesen Worten erhob sich der Rabbi, drückte seinem Roschhalohol die Hand und geleitete ihn zur Tbüre. . Wie soll ich Euch danken, guter Rabbi, für das, was Ihr mir da thut," sprach mit Thränen in den Augen Rabbi Wolf Pappenheim. Aber der Rabbi fiel ihm hastig in die Rede: „Ums Himmelswillen keinen Dank! Ihr wißt doch, daß wir keinen Zins nehmen dürfen, wenn Einer dem andern Geld leiht. Die Erkenntlichkeit, die der Schuldner aber in seine Dankesworte kleidet, ist nach der Lehre unserer Weisen, gesegnet sei ihr Andenken, auch -ine Gegenleistung und daher eine Art Zins, den sie Ribbis deworim, „Wortzins" nennen. Wenn Ihr mir ein einziges Wort des Dankes sagen wolltet, so müßte ich das Geld wieder zurücknehmen. Ich wünsche Euch glückliche Reise. Gott hat viele Boten, Er wird Euch schon die rechten senden." Als Rabbi Wolf Pappenheim schon auf dem Wege war, sandte ihm der Rabbi halblaut den Priestersegen nach und vertiefte sich wieder in seine Korrespondenz. Jener aber verließ neu belebt und wunderbar gestärkt das Haus des Rabbi. Er hatte wieder das Vertrauen zu sich selbst und den Lebensmuth gefunden und sah zuversichtlich der Zukunft entgegen. War es der Segen des Rabbi, war es seine trostvolle Zusprache, war es das Vertrauen, das den Rabbi selber erfüllte, und ihm ohne Bedenken eine so große Summe leihweise Überließ, oder waren es alle diese Momente zusammen, welche ihn mit neuer Zuversicht für die Zukunft erfüllten; Rabbi Wolf Pappenheim kam sich wie neugeboren vor. Rüstig traf er die Vorbereitungen für die Reise zur Meffe und in wenigen Tagen schon traf er in Leipzig ein. Auf dem Wege in sein altes Gasthaus traf er einen langjährigen Geschäftsfreund, Herrn Joelsohn aus Hamburg. Nach der ersten Begrüßung sagte dieser: „Welch' ein Glück, daß ich, kaum hier angekommen, gerade mit Ihnen zusammentreffe. Ich habe ein Geschält fiir Sie, an dem viel Geld zu verdienen ist und dessen sofortiger Abschluß für mich von besonderem Werth ist. Während meiner Reise hierher ist eine S hiffladuna mit Kaffee für mich aus Brasilien angekommen von außerordentlich guter Qualität und zu ungewöhnlich billigem Preise. Ich habe das Geschäft zu einer Zeit abgeschlossen, als der Kaffee noch so niedrig stand, und weiß, daß bei der steigenden Tendenz viel damit zu verdienen ist. Aber ich kann nicht warten, da ich hier andere große Einkäufe gegen baar zu machen habe. Ich lasse Ihnen die ganze Schiffsladung zu dem Preise, der mir notirt ist und werde Ihnen die Originalrechnung einhändigen. Es handelt sich um ein Objekt von nahezu 400,000 Gulden und etwa 3000 Gulden Fracht und Zollspesen. Sie zahlen mich mit Wechseln auf zwei Monate, diese gelten hier bei allen Geschäftsleuten für baares Geld. Schlagen Sie nur beherzt -in und besinnen Sie sich nicht; wenn meine 'Angaben in irgend einem Punkte nicht der Wahrheit entsprechen, so dürfen Sie jederzeit das Geschäft rückgängig machen. Wenn Sie die Waare einige Zeit liegen lassen können, so ist bei der gegenwärtigen Tendenz vielleicht das Doppelte zu verdienen. Zu verlieren ist aber dabei nichts. Also abgemacht?" Bei diesen Worten hielt Joelsohn dem Freunde die Hand zum Einschlagen hin. Pappenheim kannte Joelsohn als streng-reellen Kaufmann und begriff auch sofort die günstige Eonjunktur des Geschäftes. Aber wie durfte er, der ruinirtc Mann, der nicht mehr als achtzig Gulden seines geliehenen Geldes besaß, an ein solches Geschäft auch nur denken? Da er jedoch dem Rabbi versprochen hatte, das erste sich ihm darbietende Geschäft zu macken, so gab dieses Versprechen den Ausschlag. Die Hoffnung, auf diese Weise die entliehenen hundert Gulden wieder zurückzahlen zu können, bestimmte ihn in diesem Augenblick mehr, als seine eigene kritische Lage. Er schlug ein und das Geschäft war abgeschlossen.

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