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Der Israelit · 1901-05-23 · Heft 40-41 (23.5.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 40-41 (23.5.1901)
Date
1901-05-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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900 Vertretern, den Gelehrten, verlangt, das ist dreierlei: Sie sollen uns erstens über die Zeit der Gelehrten in Israels Vergangenheit belehren; sie sollen zweitens die Zeit der Thatsachen und ihren Inhalt uns derart schildern, daß das Bild, das wir davon erhalten, in getreuen Farben das wirklich Geschehene uns vor die Augen treten läßt. Nichts von alldem ist aber bisher, so lehrt uns das Halevi'sche Werk, in dem von ihm behandelten großen Theil der jüdischen Geschichte geleistet worden. Die Zeit unserer Großen ist säst nirgends genau bestimmt, bis zu 80 Jahren differirt sie von der Wirklichkeit. Die Thatsachen sind zeitlich falsch angegeben, und die Farbe, unter der sie vor uns erscheinen, täuscht uns über die Wirklichkeit hinweg. Das Bild, das wir durchweg von den wichtigsten, grundlegenden Prinzivien und Ereignissen des Judenthums erhalten, läßt uns nicht Wahrheit, sondern Schein sehen. Ein Blick in das Halevi'sche Werk überzeugt uns sofort von der Wahrheit meiner Worte und lehrt uns zugleich, daß unverzeihlich das Vorgehen jener Gelehrten war, die, ohne mit dem nöthigen Wissen und durchdringender Forscherkraft ausgerüstet gewesen zu sein, über die wichtigsten Fragen des Judenthums das entscheidende Wort zu sprechen, und unser theures Gut, unsere Geschichte, zu entstellen sich anmaßten. Wohl hat Herr Rabbiner Dr. Bondi recht, wenn er behauptet, daß es besser gewesen wäre, wenn Halevy nicht nöthig gehabt hätte, die vielen falschen Behauptungen, welche uns die Geschichte bis jetzt in einer ganz verzerrten Form erscheinen ließen, zurückzuweisen, zugleich aber erkennen wir mit ihm, daß Herr Halevy nicht anders Vorgehen konnte und durfte. Es hieße ein Haus auf Schutt und auf Sumpfboden errichten, wollte er sein geschichtliches Gebäude zur Höhe emporführen, ohne vorher die falschen, grundlegenden Arbeiten seiner Vorgänger ad absurdum zu führen. Er mußte sich erst einen freien, geebneten Boden schaffen, um darauf seinen bewundernswerthen Bau zu errichten, er mußte auch uns die Ueberzeugung beibringen, daß die Helden, zu denen heutzutage das gebildete Judenthum in seiner überwältigenden Mehrheit schwört, uns in der Wissenschaft nicht die Wahrheit gebracht haben, daß es daher Zeit sei, sich von ihren Ideen zu trennen und auf der von Herrn Halevy neugeschaffenen Grundlage die jüdische Wissenschaft weiter auszubauen. Zeltrrngsnachrlchle« und Correspondenzerr. Deutschland. Mainz, 22. Mai. Von Jerusalem erhalten wir von den Oberrabbinen und den Vorstehern der israelit. Gemeinden einen dringenden Aufruf zur schleunigsten Unterstützung der nothleidenden jüdischen Einwohnerschaft in den Städten Palästinas. Der Spätregen ist ausgeblieben und in Folge dieses eine außergewöhnlich große Theuerung aller Lebensmittel eingetreten, die die arme Bevölkerung in die größte Nothlage gebracht bat. Wir bitten alle edlen Zionsfreunde und wohlthätige Glaubensgenossen durch ausgiebige Gaben so rasch als möglich zur Linderung dieses Elendes beizutragen und unsere armen Briider und Schwestern im heil. Lande vor dem Hungertode zu retten. O e st e r r. - U n g. Monarchie. Beleb (Ungarn). Am 16. d. Mts. starb hier der weltbekannte Rabbiner Herr Joachim Fellner im 62. Lebensjahre. Das Leichenbegängniß fand am 16. d. Mts. statt, dem etwa tausend Personen von Nah und Fern beiwohnten, darunter fiinfzehn Rabbinen aus der Umgegend. Trauerreden hielten ein Sohn des Verblichenen, Herr Joel Fellner, welcher gleich zum Nachfolger seines Vaters gewählt wurde; nach diesem sprachen Herr M. Katz, Oberrabbiner aus Neutra (Schwager des Verstorbenen), sowie Herr Dr. Friedmann, Oberrabbiner aus D.-Kreutz. N u ß l a n d. Petersburg. (Aus dem südrussischen N o t h st a n d s g e b i e t e.) Der aus der vorjährigen Nothstandscampagne in Südrußland rühmlichst bekannte Organisator des Hilfswerks für die nothleidenden Juden in Bessarabien, Dr. Q l l e n st e i n , ist am 13. April wieder auf dem Schauplatz seiner vorjährigen Thätigkeit erschienen. Sein erster Schritt war den jüdischen Bauern und Tabakpflanzern in den jüdischen Kolonien Bessarabiens die Mittel zu Bearbeitung und die Saaten zur Bepflanzung ihrer Felder zu verabfolgen. Zu diesem Zwecke hat er in Begleitung des Vertreters des Kischiniewer Komitees, Dr. Chalanai, 24 Plätze besucht, wo an 260 Familien 4000 Rubel ausgezahlt wurden. Sämmtliche Empfänger mußten sich unter gegenseitiger Bürgschaft verpflichten, die erhaltenen Vorschüsse sofort nach eingeheimster Ernte, spätestens jedoch bis zum 14. Dezember zurückzuzahlen. Die Kreis st a d t Bjelzy im Gouvernement Bessarabien darf als Beispiel angeführt werden, um anschaulich die furchtbare Verheerung darzustellen, welche die Mißernten der beiden letzten Jahre in den verschiedenen Städten und Städtchen Südrußlands angerichtet haben. Durch den Bau einer Eisenbahn hat sich Bjelzy zu einein wichtigen Handelsplatz emporgeschwungen, in welchem noch im Jahre 1899 beinahe 10 Millionen Pud Getreide zur Verladung gebracht wurden. Dadurch hatten Hunderte von jüdischen Familien sich eine ganz erträgliche und ehrenvolle Existenz zu verschaffen gewußt, da nicht weniger als 400 Familien sich mit dem Transport der vollen Getreidesäcke nach, und der leeren Säcke von dem Bahnhofe befaßten; dazu kam noch eine ganze Armee von Arbeitern, welche

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