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Der Israelit · 1901-05-23 · Heft 40-41 (23.5.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 40-41 (23.5.1901)
Date
1901-05-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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42. Jahrgang. Erste Anlage zu M 40 & 41 des „Israelit." LeiLerrver Artikel. Tic jöl Wiffkiischlift ii. l>»s lorotb ^nriidtmiin. Von Dr. .H. N?it besonderem Interesse habe ich die Artikel des Herrn Rabb. Dr. Bondi über das Halevi'sche Werk „Doroth Harischonim" gelesen. Ich habe mich selbst in das N'iinderbare Werk vertieft; es weht uns aus ihm ein frischer, belebender Hauch aus einer neuen Zeit entgegen, der uns die Augen öffnet und uns erst des Dunkels bewußt inerden läßt, in welchem wir bisher auf oem (Gebiete der jüdischen Geschichte wandelten. Zu neuem Leben erweckt, betreten wir die hellen Pfade, die Halevp eröffnet, mit denen er die jüdische Geschichte von neuem schasst und sie zeigt, wie sie in Wahrheit ist. Trotz des ungeheuren, wissenschaftlichen Apparates, den Halevp zur Begründung seiner Behauptungen ansührt, sind die Resultate, die er gewinnt, so einfach und natürlich, daß wir uns wundern, wie es kam, daß so lange Zeit vergehen mußte, bevor man in der wissenschaftlichen Welt sich dieser Natürlichkeit bewußt wurde, daß man im Gegentheil an den unnatürlichen Darlegungen, wie sie uns ein Weiß, Grätz, Frankel, ja selbst Rappoport gaben, festhielt, zu ihnen wie zu Provhetenworten schwur und jeden verdammte, der es nur im Entferntesten wagte, ein tadelndes Wort gegen diese Volksgötzen zu verlieren. Aber wollen wir richten über das, was vergangen ist, auch wenn es noch so großen Schaden der jüdischen Wiffenschaft gebracht hat, indem es sie größtentheils in verwirrter, entstellter Gestalt uns vor die Augen führte! Es ist jetzt todt für immer, zu Boden gestreckt durch die wuchtigen Keulenschläge, die ihm Halevp durch sein unvergleichliches Werk versetzt hat; hat aber die Gegenwart sich bereits aus dem Banne befreien können, in dem sie bisher lebte, glaubt man nicht noch immer, sich nicht von den Ideen trennen zu dürfen, mit denen jene Helden die Welt beglückt haben! Es sind jetzt bereits fast vier Jahre verstrichen, seitdem der dritte Theil des „Doroth Harischonim" erschienen ist und fast ein halbes Jahr ist seit dem Erscheinen des zweiten Theiles vergangen, trotzdem wurzeln noch fast alle Neuerscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft in den alten, falschen Ideen eines Grätz, Frankel, der Ehaluzim u. A. Ich könnte hierfür Beispiele zur Genüge anführen, will es mir aber für dieses Mal erlassen, da ich nicht in's Einzelne übergehen möchte. Man kann selbstredend nicht verlangen, daß heute bereits, nachdem erst eine so kurze Zeit seit dem Erscheinen des „Dorosch Harischonim" verstrichen ist. Jeder sich mit dem Inhalt des Werkes vertraut gemacht habe: verlangen kann man aber, daß Jeder, der heutzutage über Geschichte schreibt, zum allermindesten das Werk berücksichtigt. Entweder er widerlegt die darin aufgestellten Behauptungen, oder er hält üe für Wahrheit und macht sie zur Grundlage seiner weiteren Arbeiten. Der ernste Forscher wird sich dem Banne nicht entziehen können, der von dem „Doroth Harischonim" ausgeht, er wird sich beugen vor der gewaltigen Größe des Berfasters, der sein überwälligendes Wissen mit einer unerreichten Forscherkraft vereinigt, und er wird lernen, nunmehr auch in den Materien, die Halevy bis jetzt noch nicht bearbeitet hat, nicht mehr blindlings den bisherigen Resultaten zu folgen, sondern entweder selbst mit seiner Kraft die Sonoe anzulegen, oder sich jeder weiteren Benutzung der veralteten Ideen zu enthalten, bis Halevy auch hierin das grundlegende Fundament geschaffen. Noch an einen zweiten Punkt des Bondi'schen Artikels möchte ich anknüpfen. Herr Dr. Bondi meint, „daß der Mangel solch umfassender Gelehrsamkeit und Klarheit des Urtheils, wie es Halevy besitzt, noch kein Verbot in sich schließt, uns die geschichtliche Darstellung irgend eines Zeitraumes zu geben." Ganz recht, ich schließe mich dem vollkommen an, aber nur sofern es sich um eine geschichtliche Darstellung handelt, die auf bereits gewonnener, allgemein anerkannter, einwandsfreier Grundlage beruht; sofern jedoch die Grundelemente erst geschaffen werden sollen, es sich um allgemeine, grundlegende Fragen handelt, auf denen weiter gebaut werden muß, dann muß man unbedingt verlangen, daß derjenige, der solche Fragen bearbeitet und sich für fähig hält, sie zu beantworten, das ganze, große in Frage kommende Gebiet beherrsche und damit eine geniale Forscherkraft vereine. Das halten wir für selbstverständlich in jeder anderen Miffenschaft und das müßte auch ebenso selbstverständlich in unserer jüdischen Miffenschaft sein; allein dort glaubte man bis jetzt von viesem feststehenden Erforderniß abweichen zu dürfen, glaubte ein Jeder berechtigt zu sein, sich Urtheile über die höchsten Fragen der jüdischen Miffenschaft zu erlauben, in *em Vertrauen, daß die Menge ihm blindlings zujubeln und so leicht Niemand erstehen werde, der ihn der Unwiffenheit zeiht. Was aber will und soll die jüdische Miffenschaft!? Sie braucht uns nicht darüber zu belehren, daß es einen Mosche und Ahron, einen David und Salomo, einen Esra und Nehemia gegeben; daß einst die Ansche Kenesset Hagdolah, die Tanaini und Amornim epistirten, daß R. Aschi und Rabina den Talmud redigirten; denn das weiß Jedermann; was sie soll und was man mit Recht von ihren

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