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Der Israelit · 1901-05-23 · Heft 40-41 (23.5.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 40-41 (23.5.1901)
Date
1901-05-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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896 polnischen Schlachziz in's Abgeordnetenhaus verhelfen. Jetzt haben zwei sich modern dünkende Londoner Juden dasselbe getban. Sie haben damit einem Menschen zu einem Mandat verholfen, der seinen Einfluß dazu mißbrauchen will, so lange die Fremdenfrage in England immer wieder und wieder anzuschneiden, bis den Juden die Einwanderung in England verboten wird. Rußland. Petersburg. (Juden st nie r.) Die russischen Juden, welchen nahezu sämmtliche staatsbürgerlichen Rechte vorenthalten werden, muffen bekanntlich nichtsdestoweniger dieselben Pflichten und Lasten, wie die Angehörigen der christlich-orthodoxen Kirche tragen. Die ruffische Regierung liebt es sogar, den Juden unter den nichtigsten Vorwänden besondere Steuern und Lasten auszuerlegen, wel-che, wie die Fleisch- und Lichtsteuer, angeblich zur Bestreitung speziell jüdischer Ausgaben dienen sollen, welche aber tatsächlich von den Behörden zum großen Theil zu ganz andern nichtsweniger als jüdischen Zwecken verbraucht werden. Ganz neu und völlig unerhört ist jedoch die Tbatsache, daß die armen aus der jüdischen Lichtsteuer kümmerlich besoldeten Polksschullehrer von ihrem Hungergehalt noch jährlich 2 pEt. in eine Pensionskaffe für ruffische Lehrer zahlen müssen, ohne daß sie als Juden je den mindesten Anspruch auf Pension erheben können. Aus dem eben erschienenen Bericht des ruffischen Reichskontroleur ist zu ersehen, daß im Jahre 1898 auf diese Weise den armen jüdischen Bolksschullehrern 5138 Rubel entrissen wurden und daß die von ihnen bisher in die Kaffe eingezahlten Beträge bereits die Höhe von 101,801 Rubel erreicht haben. Jetzt hat der neue Minister für Poltsunterrickt, General Wanowski, die Kreisschulinsvetto^en in einem Circular aufgefordert, 'chm ein Berzeichmß sämmtlicher jüdischen Volksschulen und d?r in denselben wirkenden jüdischen Lehrer, sowie der von Letzteren gezahlten Beiträge zum Pensionssond einzusenden. Die Zukunft wird lehren, ob aus diesem ministeriellen Rundschreiben für die jüdischen Volksschullehrer etwas Gutes herauskommen oder ob dasselbe, wie die meisten Rundschreiben russischer Minister. ein Schlag in's Wasser bleiben wird. T. Kischiniew. (Eine Kundgebung des hiesigen Komitees.) Der Vorsitzende des Kischiniewer Komitees für die nothleidenden Juden des Gouvernements Beffarabien versendet ein Circular, in welchem es u. A. heißt: Die zweijährige Mißernte hat fast die gesammte jüdische Bevölkerung Bessarabiens an den Bettelstab gebracht. Unser Komitee sieht sich gezwungen, fast ein ganzes Armeecorps von Armen zu ernähren, welche über 66 Plätze zerstreut sind und ohne unserer Hilfe Hungers sterben würden. Wir traten ohne besonderen Optimismus an unsere schwere Aufgabe heran, und das edle jüdische Herz unserer Glaubensgenossen hat uns nicht allein in den Stand gesetzt, die schwere Peßachwoche zu überstehen, sondern auch 260 jüdischen Kolonisten 4000 Rubel zur Bearbeitung ihrer Felder vorzuschießen. Allein die Zahl der Hilfsbedürftigen wächst rapid an, da Leute, welche gestern noch keiner Hilfe bedurften, nach Aufzehrung ihrer lenten Ersparnisse morgen in die Reihe der Rothleidenden treten. Das Komitee braucht ferner noch große Mittel, um sämmtliche Kolonisten in den Stand zu setzen, ihre Felder zu bebauen, widrigensfalls diese sich im nächsten Jahre einer erneuten Hungersnoth ausgesetzt seben werden. Die Zahl der Unterstützungsbedürftigen ist so auf 30 000 gestiegen und das Komitee braucht zu ihrer Unterhaltung 5 500 Rubel wöchentlich. Leider halten die uns zufließenden Mittel mit der wachsenden Roth keineswegs gleichen Schritt. Da das Komitee unter den Leuten kein Geld, sondern ausschließlich Mehl vertheilt, so muß es mindestens für einen ganzen Monat im Voraus mit Geldmitteln versehen fein. Die Mittel des Komitees reichen aber höchstens bis znm 8. Mai hin. wo das Komitee genöthigt sein wird, falls bis dahin ihm die Mittel nicht reichlich zufließen sollten, seine Dhätigkeit einzustellen. Das Komitee wendet sich daher unmittelbar an die große Oefsentlichteit, da es nicht die schwere Verantwortung auf stch nehmen könne, sich aufzulösen und 30 000 Juden ihrem Schicksal zu überlassen, ohne vorher dos russische Judenthum über die wahr? Sachlage zu unterrichten. Möge dann das Judenthum selbst die Verantwortung für die Folgen auf sich laden. Die Roth wird mindestens bis Ende Juli anhalten und bis dahin müssen die Nothleidenden unbedingt unterstützt werden, wozu eine Summe von ca. 76 000 Rubel erforderlich ist. Rumänien. Bukarest, im Mai. (Zur Judenauswanv e r u u a aus Rumänien.) Wie das hiesige antisemitische Journal „Apararea national«" („Die nationale Verteidigung") meldet, sollen aus der Moldau in diesem Monate dreihundert jüdische Familien nach Amerika auswandern. Das Blatt wünscht den Leuten glückliche Reise und schärft ihnen zugleich ein, daß eine Zurücknahme jüdischer Auswanderer wie im Vorjahre diesmal nicht mehr stattfinden wird. Wer auswandert, bleibt draußen und wird nicht mehr nach Rumänien zurückgelaffen. Norwegen. (^Kristiania, im Mai. Seit zehn Jahren besteht hier eine geordnete Gemeinde, und da der Zuzug vou Glaubensgenossen recht rege ist. sind unsere bisherigen Räumlichkeiten sowohl fiir den Gottesdienst, als auch für den Unterricht zu eng. Da unsere Mittel allein nicht ausreicheu, um ein würdiges Gotteshaus zu errichten, erlaubt sich das Unterzeichnete Komitee, im Verein mit der Repräsentantfchast von ..Det Mosaiske Troeffamfund" (d. mosaische Glaubensgenossenschaft) in Christiania, an die Oeffentlichkeit mit der Bitte heranzutreten, zum Baue einer

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