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Der Israelit · 1901-05-23 · Heft 40-41 (23.5.1901) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 40-41 (23.5.1901)
Date
1901-05-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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897 Synagoge (die erste in Norwegen) zu spenden. Vorsteher John Nathan, hier, nimmt Spenden gern entgegen. Feuilleton. Mine gebildete Wrnu. Bon Vavett.' Avied. 1*1 Zwölftes Kapitel. Doktor Miillner hatte unter herzlichen Danksagungen die blinde Frau verlassen und dabei den festen Vorsatz gefaßt, sein ganzes Leben daran zu setzen, um an dem Kinde gut zu machen, was sein Vater an dessen Pflegemutter verbrochen. Aber auch die blinde Jüdin gab ihm zu denken. Er hatte niemals vorher in jüdischen .Kreisen verkehrt, und sich auch ganz kuriose Begriffe über jüdisches Wesen gemacht, hätte auch niemals geglaubt, daß allgemeine moderne Bildung in einer jüdischen Familie Platz greifen könne, welche ihrer gesellschaftlichen Stellung nach zu der niederen Klaffe gehörten. Es ging ihm, wie so vielen Andern, welche das Jud-wthum so eigentlich nur vom Hörensagen .ginnten, aus den Schlagwörtern, welche von judenfeindlicben Zeitungen und gewissenlosen Hetzern in die Hinstlich erregte Volksmenge geschleudert werden. Jetzt rum ersten Male hatte der junge Arzt Gelegenheit gehabt, mit Juden in Verkehr zu kommen, und seine bisherigen Ansichten hatten dadurch eine vollständige Umwandlung erlitten. Das von ihm angebetete Mädchen verdankte ihre behagliche Erillenr und ihre Geistesbildung jener Jüdin, in deren Armen ihre Mutter den letzten Seufzer ausgehaucht, welche nicht achtend der Gefahr für das eigene Leben, der fremden Christin in der letzten Stunde beigestanden und dann dem von aller Welt verlassenen Waisenlinde eine mütterliche Freundin, Beratberin und Beschützerin geblieben ist. Und diese Frau, eigentlich doch nur eine Handwerkersgattin, besah eine so hervorragende, gediegene Bildung, wie er sie bei keiner aller jener Damen gefunden, welche durch Geist und Witz in den Salons glänzten und deren Besucher blendeten und bezauberten. Sie war jetzt blind, diese ausgezeichnete Frau; wie erst, wenn der äussere Scharfblick dem inneren zu Hilfe kommen würde? Er sollte da einen schlichten Handwerker kennen lernen, welcher es durch Fleiß und Redlichkeit zu einem gewissen Wohlstände gebracht hatte, der es ihm ermöglichte, die Wohlthätigkeit, die er früher während seiner beschränkten Verhältnisse ausgeübt, nun in größerem Maßstabe zu betreiben, ohne hierbei einen Unterschied des Standes und der Nationalität zu machen. Er sah diesen Mann aus dem Volke mit seiner ihm geistig so überlegenen Frau in musterhafter Ehe leben und die Kinder dieses ungleichen Paares nach jeder Richtung bin gedeihen, diese ganze jüdische Familie aber in innigster Freundschaft mit einer christlichen Lehrerin verbunden. Wenn er seinen Comilitonen von der hier gemachten Beobachtung Mittheilung machen würde, wie würden sie lachen, ihn höhnen, sie, welche mit Schimpfwörtern bei jeder sich bietenden Gelegenheit bei der Hand waren, weil ihnen vermuthlich die jüdischen Kollegen, welche, statt mit ihnen zu kneipen, lieber studierten und sich auf ihren ernsten Beruf vorbereiteten, im Wege waren. Mit diesen und ähnlichen Reflexionen war dem ningen Doktor die Nacht vergangen. Die Verwandten, bei denen er als Gast verweilte, waren nicht wenig erstaunt, den Langschläfer so bald aus den Federn zu sehen. Er machte sehr sorgfältig Toilette und bereitete sich vor, zur Besuchsstunde, die auf dem Lande früher als in der Großstadt beginnt, im Hause der Lehrerin vorznsprechen, und in aller Form um die Hand ihrer Pflegetochter anzuhalten. Erschütternd wirkte aus die arme Lehrerin die Mittheilnng. dass es der Sohn ihres verrätherischen Jugendfreundes ist, welcher da in innigen Worten seine Werbung vorbrachte. Lange, lange dauerte der innere Kampf der Lehrerin, doch ihr Edelsinn blieb schließlich Sieger über alle Bedenken, sticht kleinliche ihrer edlen Seele ferne Rachsucht war es, welche dieses Zögern veranlasst hatte, sondern woblbegründete Bedenken, ob der junge Bewerber um die Hand ihres Lieblings auch Manns genug sei. sein Mort einzulösen, damit das Lebensglück der jungen Waise nicht an denselben Klippen scheitere, an denen ihr eigenes zu Grunde gegangen. Was die feurige Beredsamkeit des Doktors nicht vernrocht hatte, das brachte der flehende Blick zu Stande, den das junge Mädchen auf die ernst dreindlicken.de Pflegemutter geheftet hatte, und dem dieselbe nicht zu widerstehen vermochte. Als glücklicher Bräutigam verließ Hugo Müllner nach einigen Stunden die Wohnung seiner Braut, und er lenkte seine Sckritte direkt dem Hause zu, wo die Buchbinderfamilie wohnte. Thränen traten der guten Rösl in die erloschenen Augen, als sie die freudige Mittheilung vernommen, und Meister Elias vergaß in seiner freudigen Erregung sogar seinen Rock anzuziehen und beging den in seinen Augen unverzeihlichen Etikettesehler, den vornehmen Gast, der ihm persönlich von seiner Verlobung Mittheilung zu machen kam, in Hemdärmeln zu empfangen und ihm in diesem unpassenden Auszuge zu gratulieren. (Schluß folgt.)

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