Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 40-41 (23.5.1901)
- Date
- 1901-05-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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895 W wmm 'r gegangen, er, Benjamin, blieb allein übrig und der greise Vater übertrug nun die ganze Liebe seines nur von Treue und Güte erfüllten Herzens auf ihn. Er sollte sich dem heiligen Berufe widmen und einst als Träger und Verbreiter der jüdischen Wissenschaft seinem Volle Belehrung. Trost und Hoffnung bringen und sein ganzes S^in dem Wohle Israels widmen. Ein hervorragendes Talent, die staunenswerthe Kenntniß der Tiefen des Talmuds und der Midraschwissenschaft. wie auch in den Fächern der allgemeinen Bildung, worunter besonders Pädagogik sein Lieblingsstudiuin bildete, ließen in dem kaum 24jähr. jungen Manne eine werdende Größe in Israel erblicken. Ausgerüstet mit einer streng jüdischen Erziehung ging als Jüngling von 16 Jahren nach Preßburg, um an der dortigen altehrwürdigen Jeschiba seine vom Hause mitgebrachten, nicht unbedeutenden Kenntnisse zu erweitern. Gar bald erregte er daselbst durch seinen Scharfsinn und Fleiß die Aufmerksamkeit und später di- Bewunderung seiner Lehrer und Freunde. — Nachdem er nun dort und später in Frankfurt a. M. aus dem Borne der hebräischen und allgemeinen Wissenschaft mehrere Jahre mit einem seltenen Eifer geschöpft hatte, ging er, um sein öffentliches Studium zu vollenacn, auf die Universität zu Königsberg und wollte nun im Laufe des heutigen Jahres promovieren. Vor einem Monate kam er in sein Heimathstädtchen, um die Peßachtage im Kreise seiner geliebten Eltern zu verbringen, da erkältete er sich plötzlich und eine sofort einiretende Lungenentzündung machte seinem jungen, hoffnungsvollen Leben ein jähes Ende. Der Schmerz der gebeugten Eltern ist ein unendlicher, doch wir hoffen, daß sie auch jetzt, wie bei den früheren Unglücksfällen in dem festen Vertrauen auf Gott und Ergebung in seinen unerforschlichen Rathfchluß Trost und Beruhigung finden werden. Moritz L ö w y. Frankreich. '-Harte. 115 i n e Spende des Schab von P - r s i c nO Gelegentlich des großen Ramadanfestes, Ende März, hat der Vertreter der Alliance in Teheran dem persischen Großvezier eine Visite abgestattet, während welcher dieser dem Vertreter der Alliance namens des Schah sein lebhaftes Bedauern über die während der jüngsten Krawalle in Teheran den Juden zugefügten Schäden ausdrückte und ihm die feste Versicherung gab, daß sowohl er, der persische Minister-Präsident, selber, als auch der Schah auf das Wohl der Juden in Persien ein wachsames Auge haben werden. Gleichzeitig tbeilte er ihm mit, daß er den Minister des Auswärtigen angewiesen hat, den Juden von Teheran für den von ihnen erlittenen Schaden aus der Privatchatulle des Schah s 20 600 Mk. auszuzahlen. England. London, l D e r K a m p f gegen d i e Fremde n s i n w a n d e r u n g.s Obgleich die Zahl der Fremden, welche in den ersten vier Monaten ds. Js. sich definitiv in England niedergelassen haben, nicht nur nicht zugenommen, sondern gegen das verflossene Jahr noch eine kleine Abnahme erfahren hat, hat sich doch vor einigen Tagen in London eine Gesellschaft zur Unterdrückung der Einwanderung von fremden Armen gebildet. Die Gesellschaft nennt sich selbst die „Gesellschaft der englischen Brüder'', obgleich ihr einzig aus Menschenhaß und Menschenverfolgung gerichtetes Ziel nichts weniger als brüderlich ist. Wenn jedoch der Name der Gesellschaft auch ebenso verlogen wie heuchlerisch ist, so ist doch ihr Ziel klar und ganz unzweideutig. Wenigstens hat es der Gründer der Gesellschaft und Parlamentsmitglied, der englische Oberbrudcr Mr. Murray Guthrie ganz ungeniert ausgesprochen. Dieser Herr war ehrlich genug in seiner bei der Gründung d.er Gesellschaft gehaltenen Rede alle Phrasen und Redensarten bei Seite zu thun und mit sebr lovenswerthem Eynismus das Kind bei seinem wahr-n Nanien zu nennen. Er gab nämlich zu, daß er weder gegen die Fremden noch gegen die „Paupers" etwas einzuwenden habe. Sein Wunsch sei nur der, die Einwanderung von Juden zu verhindern. Das brutale Parlamentsmitglied für Bow hat seinen Haß gegen die Juden auch motivirt. Mr. Guthrie meinte, die J'.iden halten sich immer abseits und wollen sich nicht den Engländern assimiliren. Da jedoch die eingewanderten russischen Juden bereits in der zweiten Generation alle Sitten und Gewohnheiten des echten und rechten «Engländers annehmen, so kann die von Mr. Guthrie so schmerzlich vermißte Assimilation nur auf religiösem Gebiete liegen. Mr. Gutherie ist wohl der Ansicht, daß die fremden jüdischen „Paupers" wohl bessere englischen Bürger würden, wenn sie aus schlechten Juden sich in noch schlechtere Christen verwandeln würden. Das Mitglied des Unterhauses, Mr. Dewar, tbeilte unter großem Jubel seiner Zuhörerschaft mir, daß er fest entschlossen sei, die Frage im Parlament so lange anzuschneiden, bis dieselbe nach Wunsch gelölt ist. Es ist das derselbe Mr. Dewar, der seine Wahl in's Parlament eben diesen fremden Paupers zu verdanken hat, die er jetzt, lvenige Monate nach seiner 'Wahl, als -in Unglück siir das Land erklärt. Sowohl Lord Rothschild einerseits, als der Zionistenhäuptling Sir Francis Montefiore andererseits haben den russischen Juden auf's Eindringlichste empfohlen, Mr. Dewar zu wählen. Lord Rothschild empfahl den Mann, weil er der conservativen Partei angehört, während Sir Francis Montefiore den verlogenen Antisemiten empfahl, weil dieser sich verpflichtet hat, im Unterhause für den Zionismus zu wirken. Wir sind empört, zu hören, daß die unwissenden Juden in Galizien hin und wieder einen antisemitisch angehauchten